Kettner Edelmetalle
30.07.2026
10:44 Uhr

17 Punkte Vorsprung: In Sachsen-Anhalt bricht die CDU weg – und niemand hat einen Plan

Es gibt Zahlen, die man politisch wegmoderieren kann. Und es gibt Zahlen, die einer Regierungspartei wie ein nasser Lappen ins Gesicht klatschen. Die neueste Erhebung von Infratest Dimap fĂŒr MDR, WDR, Mitteldeutsche Zeitung und Volksstimme gehört klar in die zweite Kategorie: 41 Prozent fĂŒr die AfD, 24 Prozent fĂŒr die CDU. Siebzehn Prozentpunkte Abstand. Ein Rekord bei diesem Institut – und eine politische Ohrfeige fĂŒr MinisterprĂ€sident Sven Schulze, dessen Partei gegenĂŒber der Mai-Umfrage gleich zwei Punkte verliert.

Die Verschiebung des Jahrzehnts

Man muss sich diese Dimension einmal in Ruhe vor Augen fĂŒhren. GegenĂŒber der Landtagswahl 2021 wĂŒrde die AfD ihr Ergebnis mehr als verdoppeln, wĂ€hrend die Union rund dreizehn Prozentpunkte in den Orkus schickt. Solche tektonischen Verschiebungen sind in der deutschen Wahlgeschichte seltene Ausnahmen. Sie passieren nicht wegen guter Plakate. Sie passieren, wenn eine Bevölkerung das Vertrauen verliert.

Und woran könnte das liegen? Vielleicht daran, dass ein Kanzler Friedrich Merz vor der Wahl verspricht, keine neuen Schulden zu machen – und wenige Monate spĂ€ter ein 500-Milliarden-Sondervermögen durchwinkt, dessen Zinsen die Enkel der heutigen Steuerzahler abstottern werden. Vielleicht daran, dass die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert wurde, wĂ€hrend die Industrie abwandert und die Strompreise die WettbewerbsfĂ€higkeit auffressen. Vielleicht auch daran, dass Migration, KriminalitĂ€t und Messerangriffe lĂ€ngst kein Randthema mehr sind, sondern Alltagserfahrung – gerade in ostdeutschen KleinstĂ€dten, in denen der WĂ€hler nicht in geschĂŒtzten Berliner Bezirken lebt.

Die FDP: nicht einmal mehr namentlich erwÀhnt

Besonders bitter liest sich das Schicksal der Freien Demokraten. Die Partei sitzt in Magdeburg mit am Kabinettstisch – und taucht in der Umfrage nicht mehr eigenstĂ€ndig auf. Sie verschwindet unter „Sonstige“, jenem statistischen Sammelgrab fĂŒr politische Restposten. Wer noch einmal die Selbstbeschreibung als „Partei der LeistungstrĂ€ger“ hören will, muss wohl ins Archiv greifen.

Wenn eine Regierungspartei in der Umfrage nicht mehr einzeln ausgewiesen wird, ist das kein Umfragetief. Das ist eine politische Todesanzeige.

Rechnen mit der Brandmauer

DrittstĂ€rkste Kraft bleibt die Linkspartei mit 13 Prozent – plus eins. Die SPD stabilisiert sich bei sieben Prozent, nachdem Insa sie zuletzt bei fĂŒnf sah. Die GrĂŒnen legen ebenfalls zu und liegen mit exakt fĂŒnf Prozent auf der Rasierklinge. Das BSW kommt auf vier Prozent und wĂ€re draußen. Rechnerisch ergibt das ein bemerkenswertes Bild: Die sogenannte „Deutschland-Koalition“ aus CDU, SPD und FDP wĂ€re erledigt. Übrig bleibt als realistische Mehrheitsoption ein BĂŒndnis aus Union, SPD, GrĂŒnen und Linken.

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Eine CDU, die bei 24 Prozent liegt, mĂŒsste sich mit der Nachfolgepartei der SED und den GrĂŒnen zusammentun, um eine Partei mit 41 Prozent von der Macht fernzuhalten. Das nennt man dann „Verteidigung der Demokratie“. Der WĂ€hler nennt es anders – und diese EinschĂ€tzung teilt inzwischen nicht nur unsere Redaktion, sondern ein erheblicher Teil der Bevölkerung.

Was die Zahlen fĂŒr Ulrich Siegmund bedeuten

FĂŒr AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist die Lage paradox. Weil die GrĂŒnen wieder in den Landtag rutschen wĂŒrden, steigt die Schwelle fĂŒr eine absolute Mehrheit auf etwa 45,5 Prozent – das angestrebte Alleinregieren rĂŒckt also ein StĂŒck weiter weg. Scheitern GrĂŒne oder SPD hingegen doch an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde, wĂŒrde es deutlich einfacher. Und kĂ€me das BSW hinein, wĂ€ren selbst eine Minderheitsregierung oder ein blau-lila BĂŒndnis nicht mehr aus der Welt.

Unterm Strich: Sachsen-Anhalt wird zum Testlabor dafĂŒr, wie lange sich politische Ausgrenzung gegen arithmetische RealitĂ€t behaupten lĂ€sst. Wer glaubt, man könne 41 Prozent dauerhaft in QuarantĂ€ne halten, ohne das Vertrauen in den Parlamentarismus selbst zu beschĂ€digen, hat aus den letzten zehn Jahren nichts gelernt.

Politische Unsicherheit hat einen Preis – auch fĂŒr Vermögen

FĂŒr Sparer und Anleger ist diese Gemengelage mehr als ein Kuriosum aus der Provinz. Wo Regierungen ohne RĂŒckhalt regieren, wo Schuldenberge wachsen und Zusagen im Wahlkampf eine Halbwertszeit von Wochen haben, leidet am Ende die Kaufkraft. Wer Geschichte kennt, weiß: Papierversprechen sind wandelbar, physisches Gold und Silber sind es nicht. Als nĂŒchterne Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen haben Edelmetalle ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie unabhĂ€ngig von Koalitionsrechnereien Substanz bewahren.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten EinschĂ€tzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den wird ausdrĂŒcklich ausgeschlossen.

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