Kettner Edelmetalle
26.05.2026
14:49 Uhr

Wenn der Staat den Algorithmus dirigiert: Der Marsch in die Informationsplanwirtschaft

Es ist ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie staatliche Institutionen sich selbst Aufgaben erschaffen, die niemand bestellt hat. Die Landesmedienanstalten, einst aus der Taufe gehoben, um den damals neuen Privatfunk zu beaufsichtigen, wittern Morgenluft. Diesmal soll es an die Algorithmen von X, Facebook, YouTube und Co. gehen. Wer die VorschlĂ€ge liest, reibt sich verwundert die Augen: Ein Papier der Bayerischen Landesmedienanstalt erklĂ€rt es zur „demokratischen Kernfrage", den Einfluss „desinformierender" und „polarisierender" Inhalte zurĂŒckzudrĂ€ngen – natĂŒrlich zugunsten „verlĂ€sslicher Anbieter", die sich durch „GeschĂ€ftsmĂ€ĂŸigkeit, Unparteilichkeit und journalistische UnabhĂ€ngigkeit" auszeichnen mĂŒssten.

Wer entscheidet, was „verlĂ€sslich" ist?

Die entscheidende Frage stellt niemand in den verantwortlichen Gremien: Wer in aller Welt soll bestimmen, welches Medium gut und welches böse ist? Die Antwort liefert das Konstrukt gleich mit – eine staatliche Instanz. Plattformen sollen verpflichtet werden, das amtliche GĂŒtesiegel in ihren Algorithmen abzubilden. Im Klartext: Berliner und MĂŒnchner Behörden wĂŒrden Reichweiten zuteilen wie Lebensmittelmarken in einer Mangelwirtschaft. Was nach harmloser Verbraucherschutzpolitik klingt, ist ein massiver Eingriff in die Pressefreiheit. Schon im Sommer könnte der Entwurf des neuen Digitalen-Medien-Staatsvertrags vorliegen.

Algorithmen sind keine finsteren MĂ€chte

Die hysterische Verteufelung des Begriffs „Algorithmus" hat Methode. WĂŒrden Politiker schlicht von „Empfehlungen auf Basis der NutzerwĂŒnsche" sprechen, wĂ€re die Debatte beendet, bevor sie begonnen hĂ€tte. Denn nichts anderes leisten die Systeme der sozialen Netzwerke: Sie analysieren, was Menschen interessiert, und liefern Passendes nach. Im Grunde funktionieren sie wie die Tafel im Stammrestaurant oder das Sonderangebot beim BĂ€cker um die Ecke – nur ungleich prĂ€ziser und individueller. Aus dieser Treffsicherheit ein Demokratieproblem zu konstruieren, offenbart das wahre Motiv: Es geht nicht um den BĂŒrger, sondern um Kontrolle.

Der Bedeutungsverlust der alten Garde

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat erst kĂŒrzlich nach einer staatlichen Regulierung von YouTube gerufen. In weiten Teilen der politischen Klasse sehnt man sich offenbar nach den gemĂŒtlichen Zeiten zurĂŒck, als ÖRR-Talkshow, Zeitungsinterview und Pressekonferenz das Maß aller medialen Dinge waren. Damals konnte kein lĂ€stiger BĂŒrger reichweitenstark widersprechen, wenn die Tagesschau ihre Sicht der Dinge in die Wohnzimmer transportierte. Mit dem Aufstieg der sozialen Medien wurde dieses bequeme Monopol pulverisiert. Der Kampf gegen den eigenen Bedeutungsverlust mutiert nun zum Kampf gegen die Freiheit selbst.

Anmaßung von Wissen – das uralte Übel der Planwirtschaft

Was die Landesmedienanstalten planen, trĂ€gt die Handschrift jener Anmaßung von Wissen, die Friedrich August von Hayek einst als den fundamentalen Irrtum aller sozialistischen Steuerungsversuche identifiziert hatte. Die Idee, milliardenfache Informationsströme vom grĂŒnen Tisch aus zu dirigieren, hat in der Vergangenheit nirgends funktioniert – nicht bei Preisen, nicht bei Produktionsmengen, und sie wird auch bei Informationen scheitern. Das Ergebnis lĂ€sst sich vorhersagen: Schlechtere Inhalte, frustrierte Nutzer, ein noch tieferer Vertrauensverlust in die etablierten Medien.

Mehrere Grundrechte stehen auf dem Spiel

Gleich mehrere Grundrechte werden hier gleichzeitig attackiert: die unternehmerische Freiheit der Plattformbetreiber, die Meinungsfreiheit jedes einzelnen BĂŒrgers – zu der ausdrĂŒcklich auch das Recht gehört, jene Meinungen zu sehen, die man sehen möchte – und die Pressefreiheit der Medien, die niemals durch staatliche Instanzen in „verlĂ€sslich" und „unzuverlĂ€ssig" sortiert werden dĂŒrften. Wer wĂŒrde diese Sortierung vornehmen? Die gleichen politischen Kreise, die regelmĂ€ĂŸig Wahlergebnisse als „besorgniserregend" einordnen, sobald sie nicht ins eigene Weltbild passen.

Die wahre Bedrohung sitzt nicht im Netz

Es lohnt sich, die VerhĂ€ltnisse vom Kopf auf die FĂŒĂŸe zu stellen: Nicht die sozialen Medien gefĂ€hrden die Demokratie. Bedroht wird sie von einem aufgeblĂ€hten Apparat, der sich anmaßt, mĂŒndigen BĂŒrgern vorzuschreiben, welche Informationen sie zu konsumieren haben. Eine freie Gesellschaft braucht keine Behörden­armada, die zwischen BĂŒrger und Information tritt. Sie braucht einen Staat, der den urmenschlichen Wunsch nach ungestörter Kommunikation respektiert – und souverĂ€n genug ist, es auszuhalten, wenn nicht alle brav die Tagesschau einschalten.

Die ehrlichste Reform wĂ€re die radikalste: Die Algorithmen sollten in Ruhe gelassen, die Anstalten in den Ruhestand entlassen werden. Stattdessen erleben wir, wie sich ein steuerfinanzierter Apparat selbst neue Daseinszwecke erfindet – ein PhĂ€nomen, das so alt ist wie die BĂŒrokratie selbst und das letztlich nur ein Ziel kennt: die eigene Existenzberechtigung zu sichern. Wer in turbulenten Zeiten Wert auf echte UnabhĂ€ngigkeit legt, sollte sich ohnehin nicht allein auf staatlich kontrollierte Strukturen verlassen – weder bei der Information noch bei der Vermögenssicherung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie als zeitlose Bausteine eines breit gestreuten Portfolios staatlicher WillkĂŒr standhalten.

Wissenswertes zum Thema