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08.09.2026
10:43 Uhr
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Nach dem CDU-Debakel: Rhein rechnet mit der Brandmauer ab

Nach dem CDU-Debakel: Rhein rechnet mit der Brandmauer ab
Symbolbild: KI-generiert

Zwei Tage nach dem Wahldesaster in Sachsen-Anhalt bricht in der CDU ein offener Richtungsstreit los. Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein, gleichzeitig CDU-Landesvorsitzender, nennt die Brandmauer-Strategie seiner Partei den „falschesten Weg, den man begehen kann“. Er Ă€ußerte sich auf der Plattform X und im GesprĂ€ch mit Welt TV.

„BrĂŒcken bauen“ statt Mauern hochziehen

Rheins Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich: Man mĂŒsse „mit allen reden, ĂŒber alles reden, BrĂŒcken in die Mitte bauen, sie nicht hinter Brandmauern stoßen“. Zur BekrĂ€ftigung setzte er auf X zwei rote Ausrufezeichen hinter den Satz, dafĂŒr stehe die CDU.

Man dĂŒrfe „nicht zu frĂŒh aufgeben, miteinander zu sprechen“ und mĂŒsse „alles anhören“ – auch „komische Meinungen“. Es könne sogar sein, so Rhein, dass jemand mit einer solchen Meinung an der einen oder anderen Stelle recht habe und man daraus lernen könne. Eine Demokratie lebe schließlich nicht davon, einander aus dem Weg zu gehen.

Auch den Begriff selbst lehnt er ab: Er sei „nicht christdemokratisch“. Damit liegt Rhein formal auf Kanzlerlinie – Friedrich Merz betont seit Jahren, das Wort nicht zu verwenden, hat es in der Vergangenheit aber sehr wohl zustimmend benutzt.

Das Ergebnis, das die Union erschĂŒttert

Der Anlass fĂŒr den plötzlichen Mut ist ein Zahlenwerk, das in der CDU-Geschichte einzigartig ist. Bei der Landtagswahl am 6. September holte die AfD laut vorlĂ€ufigem Ergebnis 43,8 Prozent – ihr bislang bestes Landtagswahlergebnis ĂŒberhaupt und der höchste Wert, den eine einzelne Partei in Sachsen-Anhalt seit der Wende erreicht hat.

Die CDU stĂŒrzte auf 17,2 Prozent ab, ein Minus von rund 20 Punkten gegenĂŒber 2021 und ein historisches Tief. Sie gewann Medienberichten zufolge kein einziges Direktmandat. Die Wahlbeteiligung kletterte auf 77,8 Prozent – die BĂŒrger waren also nicht gleichgĂŒltig, sondern hellwach.

  • AfD: 43,8 Prozent (39 Sitze)
  • CDU: 17,2 Prozent (15 Sitze)
  • SPD: 9,3, GrĂŒne: 8,9, Linke: 8,6, BSW: 5,3 Prozent
  • FDP: 2,6 Prozent – raus aus dem Landtag

Koalition? Nein. GesprÀche? Ja bitte.

Eine Zusammenarbeit auf Regierungsebene schließt Rhein trotzdem aus. Als GrĂŒnde nennt er inhaltliche Differenzen bei Russland und Europa; man habe „keine Lust, mit denen zu koalieren“. Dialog brauche es aber gerade dort, wo die Meinungen weit auseinanderlĂ€gen. Der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.

Bemerkenswert ist Rheins zweite Attacke – diese richtet sich gegen Berlin. Die Reformpolitik der Bundesregierung werde von den Menschen „als Bedrohung“ empfunden, sie hĂ€tten AbstiegsĂ€ngste. Man dĂŒrfe nicht „eine Reform nach der anderen“ auftĂŒrmen, sondern solle ĂŒberlegen, „das Tempo rauszunehmen“. Die Richtung will er nicht Ă€ndern.

Aus Sicht unserer Redaktion

Das Problem der Union dĂŒrfte weniger das Vokabular sein als die Bilanz. Wer im Wahlkampf Kurskorrektur bei Migration, Energiepreisen und BĂŒrokratie verspricht und im Amt Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe verwaltet, muss sich ĂŒber Vertrauensverluste nicht wundern.

Kritiker in den Kommentarspalten spitzen es zu: Erst ausgrenzen, dann versöhnen – und das erst, wenn die Umfragen brennen. FĂŒr viele BĂŒrger ist das der eigentliche Skandal. Der nĂ€chste Test kommt schnell: Am 20. September wĂ€hlen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

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