
Brandmauer am Ende? CDU-Beben in Magdeburg nach 17,2 Prozent

Nach der historischen Wahlniederlage der CDU in Sachsen-Anhalt gerĂ€t MinisterprĂ€sident Sven Schulze massiv unter Druck. Der frĂŒhere CDU-Landeschef und Innenminister Holger Stahlknecht legte ihm im GesprĂ€ch mit der âZeitâ nahe, ĂŒber persönliche Konsequenzen nachzudenken â und erklĂ€rte die Ausgrenzungsstrategie gegenĂŒber der AfD fĂŒr gescheitert. Am Sonntag war die Union auf 17,2 Prozent abgestĂŒrzt, die AfD wurde mit 43,8 Prozent stĂ€rkste Kraft.
âSpitzengewinner oder Spitzenverliererâ
Stahlknecht formulierte es unmissverstĂ€ndlich: Wer als Spitzenkandidat antrete, werde am Wahlabend entweder zum Spitzengewinner oder zum Spitzenverlierer. Nach einer Niederlage dieses AusmaĂes mĂŒsse man ĂŒber die eigene Zukunft âsehr genau selber nachdenkenâ.
Und dann jener Satz, der in der Bundes-CDU wie ein Warnschuss wirken dĂŒrfte:
âEs geht nicht mehr um eine Brandmauerâ
Eine Koalition mit der AfD lehnt Stahlknecht laut dem Bericht ab. Man mĂŒsse sich aber VorschlĂ€ge der Partei anhören und nach inhaltlichen Schnittmengen suchen. FĂŒr einen Mann, der 2020 wegen genau dieses Themas seine Ămter verlor, ist das eine bemerkenswerte RĂŒckkehr auf die politische BĂŒhne.
Der alte Konflikt kehrt zurĂŒck
Ende 2020 hatte der damalige MinisterprĂ€sident Reiner Haseloff Stahlknecht als Innenminister entlassen; kurz darauf gab dieser den Landesvorsitz ab. Hintergrund war ein Streit ĂŒber den Umgang mit der AfD und die damalige Kenia-Koalition aus CDU, SPD und GrĂŒnen. Stahlknecht hatte öffentlich einen Bruch des BĂŒndnisses und eine CDU-Minderheitsregierung erwogen â Haseloff warf ihm IlloyalitĂ€t vor und sah das VertrauensverhĂ€ltnis zerstört.
Sechs Jahre spĂ€ter steht die CDU in Sachsen-Anhalt dort, wo Kritiker der Abgrenzungsstrategie sie lĂ€ngst kommen sahen: bei ihrem schlechtesten Ergebnis in diesem Bundesland. Ob Stahlknecht selbst wieder ein Amt anstrebt, lieĂ er offen â derzeit sei er im Urlaub und habe eine erfolgreiche Anwaltskanzlei.
Junge Union fordert kompletten Neuanfang
Auch aus der eigenen Nachwuchsorganisation kommt Feuer. Die Junge Union Sachsen-Anhalt verlangt laut einem vom âSternâ zitierten Beschlusspapier den RĂŒcktritt und die zeitnahe Neuwahl der gesamten LandesfĂŒhrung â vom Landesvorsitzenden bis zum kompletten Vorstand. Ein âWeiter-Soâ dĂŒrfe es nach einer Niederlage dieses AusmaĂes nicht geben.
Die frĂŒhere Bildungsministerin Eva FeuĂner wurde Ă€hnlich deutlich: Wenn Schulze das Land am Herzen liege, mĂŒsse er vom Parteivorsitz zurĂŒcktreten. Zugleich warnte sie vor jeder Form der Zusammenarbeit mit der Linkspartei â dann trĂ€ten bei ihr âganze OrtsverbĂ€nde geschlossenâ aus.
Regierungsbildung: ein Rechenspiel mit Sprengkraft
Die Machtfrage in Magdeburg ist offen. Medienberichten zufolge verfehlte die AfD die absolute Mehrheit knapp; das BSW zog mit rund fĂŒnf Prozent in den Landtag ein und wird damit zum SchlĂŒsselfaktor. Berichten zufolge verlor Schulze zudem sein Direktmandat in Magdeburg. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund spielte öffentlich bereits mit dem Gedanken an Neuwahlen.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieser Wahlabend vor allem eines: Wer ĂŒber Jahre die Sorgen der BĂŒrger bei Migration, Wirtschaft und innerer Sicherheit verwaltet statt löst, verliert Vertrauen â und zwar rasant. Die Debatte um Personalfragen wirkt da wie ein Streit ĂŒber die Sitzordnung, wĂ€hrend das Haus wackelt.










