Kettner Edelmetalle
26.03.2026
15:03 Uhr

EU-Parlament nickt Handelsdeal mit Washington ab – doch der Preis ist hoch

EU-Parlament nickt Handelsdeal mit Washington ab – doch der Preis ist hoch

Was fĂŒr ein Schauspiel in BrĂŒssel: Das EuropĂ€ische Parlament hat am 26. MĂ€rz 2026 der Umsetzung jener Handelsvereinbarung zugestimmt, die die EU-Kommission im vergangenen Sommer mit den Vereinigten Staaten ausgehandelt hatte. EuropĂ€ische Zölle auf amerikanische Industrieprodukte sollen zeitweise abgeschafft werden – im Gegenzug fĂŒr die Zusage Washingtons, die Zölle auf die meisten EU-Importe bei maximal 15 Prozent zu deckeln. Klingt nach einem fairen Tausch? Wer genauer hinschaut, erkennt ein Ungleichgewicht, das Europa teuer zu stehen kommen könnte.

Ein Deal unter Druck – und voller Unsicherheiten

Die Vorgeschichte dieses Abkommens liest sich wie ein transatlantischer Krimi. Nachdem US-PrĂ€sident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit massive Zollerhöhungen auf Importe aus aller Welt verhĂ€ngt hatte, sah sich die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen im August 2025 gezwungen, an den Verhandlungstisch zu kommen. Das Ergebnis: Europa öffnet seine MĂ€rkte fĂŒr amerikanische IndustriegĂŒter zollfrei, wĂ€hrend die USA ihre Sonderzölle auf europĂ€ische Produkte lediglich begrenzen – wohlgemerkt nicht abschaffen.

Derzeit liegt der Sonderzoll fĂŒr die meisten europĂ€ischen Exporte in die USA bei zehn Prozent. Trump hat jedoch bereits mit einer Anhebung auf 15 Prozent gedroht. Hinzu kommen regulĂ€re Zölle von durchschnittlich 4,8 Prozent, die schon vor seiner Amtszeit existierten, sowie ein drakonischer Sonderzoll von 50 Prozent auf Stahl- und Aluminiumprodukte. Die europĂ€ische Industrie, ohnehin durch Energiekosten und BĂŒrokratie gebeutelt, steht damit weiterhin unter erheblichem Druck.

Zweimal ausgesetzt, dann doch durchgewunken

Bemerkenswert ist der holprige Weg, den die Ratifizierung genommen hat. Gleich zweimal hatte das Europaparlament die Arbeit an dem Abkommen unterbrochen. Im Januar 2026 legten die Abgeordneten aus Protest gegen Trumps dreiste Forderung nach einem Kauf Grönlands die Verhandlungen auf Eis – eine symbolische Geste, die freilich an der geopolitischen RealitĂ€t nichts Ă€nderte. Mitte Februar folgte die zweite Unterbrechung, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die meisten von Trump verhĂ€ngten Zölle fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt hatte. Trumps Antwort? Die AnkĂŒndigung neuer Sonderzölle. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Mit welchem Verhandlungspartner hat Europa es hier eigentlich zu tun?

Bedingungen als Feigenblatt?

Die Europaabgeordneten haben immerhin einige Sicherheitsklauseln in den Gesetzentwurf eingebaut. Die Abschaffung der EU-Industriezölle auf US-Produkte soll nur dann greifen, wenn Washington seine Zusagen vom vergangenen August vollstĂ€ndig einhĂ€lt. Erhöht Trump die Zölle zu einem spĂ€teren Zeitpunkt wieder, soll die EU-Kommission die Zollbefreiung rĂŒckgĂ€ngig machen können. Zudem ist eine automatische Auslaufklausel Ende MĂ€rz 2028 vorgesehen. Ob diese Bedingungen in der Praxis tatsĂ€chlich als wirksames Druckmittel taugen, darf bezweifelt werden. Washington hat in der Vergangenheit wenig Respekt vor europĂ€ischen Befindlichkeiten gezeigt.

Europas Verhandlungsposition – stark oder nur Fassade?

Die Stimmen aus dem Parlament zeichnen ein gemischtes Bild. Die konservative Abgeordnete Zeljana Zovko betonte, die USA mĂŒssten der grĂ¶ĂŸte Handelspartner der EU bleiben. Der SPD-Politiker Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses, forderte, man mĂŒsse „Sicherheit schaffen". Besonders entlarvend war die EinschĂ€tzung der GrĂŒnen-Abgeordneten Anna Cavazzini: Der Deal sei „schlecht", aber in unsicheren Zeiten brauche man einen Plan fĂŒr die Wirtschaft. Eine bemerkenswerte Ehrlichkeit – und zugleich ein Armutszeugnis fĂŒr die europĂ€ische Handelspolitik. Wenn selbst die BefĂŒrworter eines Abkommens es als „schlecht" bezeichnen, welches Signal sendet das an die Welt?

EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hatte die Abgeordneten zuvor zur Zustimmung aufgerufen und dabei die GlaubwĂŒrdigkeit Europas beschworen. Man mĂŒsse zu seinem Wort stehen, so der Kommissar. Der US-Botschafter bei der EU, Andrew Puzder, lobte die Entscheidung erwartungsgemĂ€ĂŸ als „richtig fĂŒr die BĂŒrger auf beiden Seiten des Atlantiks" – rĂ€umte aber ein, dass in den folgenden Verhandlungen zwischen Parlament und dem Rat der 27 EU-Staaten noch „viel zu tun" sei.

Deutschland zwischen Hammer und Amboss

FĂŒr die deutsche Wirtschaft, die unter der neuen Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD ohnehin vor gewaltigen Herausforderungen steht, ist dieser Deal ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet er eine gewisse Planungssicherheit in einer Zeit, in der Trumps Zollpolitik wie ein Damoklesschwert ĂŒber dem transatlantischen Handel hĂ€ngt. Andererseits öffnet Europa seine MĂ€rkte fĂŒr amerikanische Industrieprodukte, ohne dass die USA im Gegenzug ihre protektionistischen Maßnahmen vollstĂ€ndig aufgeben. Die deutsche Exportindustrie – einst das RĂŒckgrat unseres Wohlstands – wird damit weiterhin mit erheblichen HĂŒrden konfrontiert sein.

Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um zu erkennen, dass Europa in dieser Verhandlung nicht auf Augenhöhe agiert hat. WĂ€hrend die USA unter Trump eine knallharte „America First"-Politik verfolgen, laviert BrĂŒssel zwischen ZugestĂ€ndnissen und symbolischen Protestgesten. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Bundesregierung unter Friedrich Merz fĂŒr Infrastruktur aufgelegt hat, wird die fiskalischen SpielrĂ€ume Deutschlands auf Jahre hinaus einengen – und damit auch die FĂ€higkeit, auf handelspolitische Verwerfungen angemessen zu reagieren.

Unsichere Zeiten erfordern sichere Werte

In einem Umfeld, in dem Handelsabkommen ĂŒber Nacht in Frage gestellt werden können, in dem ein US-PrĂ€sident Zölle nach GutdĂŒnken verhĂ€ngt und wieder aufhebt, und in dem die europĂ€ische Wirtschaft unter dem Gewicht von BĂŒrokratie, Energiekosten und geopolitischen Spannungen Ă€chzt, stellt sich fĂŒr jeden BĂŒrger die Frage nach der Sicherung des eigenen Vermögens. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrtausende als verlĂ€sslicher Wertspeicher bewĂ€hrt – unabhĂ€ngig von politischen Launen, Handelsstreitigkeiten und der Druckerpresse der Zentralbanken. Wer sein Portfolio mit physischen Edelmetallen ergĂ€nzt, schafft sich ein StĂŒck UnabhĂ€ngigkeit in einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit geprĂ€gt ist.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche basieren. Wir empfehlen, sich bei Bedarf an einen qualifizierten Finanzberater zu wenden. FĂŒr Anlageentscheidungen und deren Folgen ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

Wissenswertes zum Thema

Magazin
19.03.2025
11 Min.

Wer ist: Dr. Markus Krall 

Der Ökonom, Autor und Unternehmensberater Dr. Markus Krall ist mittlerweile ein in ganz Deutschland bekannter KĂ€mpfer fĂŒr die Freiheit. Seine kritische Ansichten zur Fiskalpolitik der EZB, der Rating

Magazin
19.03.2025
12 Min.

Wer ist: Dr. Paul Brandenburg

Dr. Paul Brandenburgs Lebensgeschichte liest sich wie der Wandel vom Staatsdiener zum Staatsfeind, ein Weg, der durch seine Entschlossenheit, sich kritisch gegenĂŒber der Regierung zu positionieren, g

Magazin
19.03.2025
14 Min.

Wer ist: Dirk MĂŒller

Dirk MĂŒller ist als Börsenmakler das Gesicht der Frankfurter Börse im Fernsehen und mittlerweile auch in Social Media. ZufĂ€llig immer im Bild unter der Kursanzeige auf dem Börsenparkett gewesen, wurd