Kettner Edelmetalle
05.03.2026
11:37 Uhr

Wenn der MinisterprÀsidentenkandidat am Schulwissen scheitert: Hagels peinlicher Auftritt vor Kindern

Wenn der MinisterprÀsidentenkandidat am Schulwissen scheitert: Hagels peinlicher Auftritt vor Kindern

Es gibt Momente in der Politik, die sich ins kollektive GedĂ€chtnis einbrennen – nicht wegen ihrer Brillanz, sondern wegen ihrer schmerzhaften BanalitĂ€t. Manuel Hagel, CDU-Spitzenkandidat fĂŒr die Landtagswahl in Baden-WĂŒrttemberg, hat einen solchen Moment geliefert. Bei einem Schulbesuch, begleitet von einem Kamerateam des ARD-Mittagsmagazins, wurde er von einer Lehrerin gebeten, den SchĂŒlern den Treibhauseffekt zu erklĂ€ren. Was folgte, war ein LehrstĂŒck – allerdings nicht in Physik, sondern in politischer Ahnungslosigkeit.

Ozonloch statt Treibhauseffekt: Eine Verwechslung mit Ansage

Hagel zögerte kurz, dann wagte er sich auf dĂŒnnes Eis. Zwischen Erde und Sonne befinde sich die AtmosphĂ€re, so der CDU-Mann, und wenn diese „immer dĂŒnner" werde, dann werde „die Sonne immer heißer". Schuld daran seien Abgase und CO2. „Alright, oder?" – so seine hilfesuchende RĂŒckfrage an die Lehrerin. Man stelle sich vor: Ein Mann, der das wirtschaftsstĂ€rkste Bundesland der Republik regieren möchte, bittet eine Grundschullehrerin um BestĂ€tigung fĂŒr eine ErklĂ€rung, die schlicht und ergreifend falsch ist.

Denn was Hagel beschrieb, hat mit dem Treibhauseffekt ungefĂ€hr so viel zu tun wie ein Fahrrad mit einem DĂŒsenjet. Seine Darstellung erinnert vielmehr an das PhĂ€nomen des Ozonlochs, bei dem Fluorchlorkohlenwasserstoffe die schĂŒtzende Ozonschicht in der StratosphĂ€re angreifen und so mehr UV-Strahlung zur ErdoberflĂ€che durchlassen. Der tatsĂ€chliche Treibhauseffekt funktioniert grundlegend anders: Treibhausgase wie CO2 und Methan absorbieren die von der ErdoberflĂ€che abgestrahlte WĂ€rmestrahlung und verhindern so deren Entweichen ins Weltall. Die AtmosphĂ€re wird also nicht „dĂŒnner" – im Gegenteil, sie wird durch die Anreicherung mit Treibhausgasen gewissermaßen „dichter" fĂŒr WĂ€rmestrahlung.

Weder Lehrerin noch ARD korrigierten den Fehler

Was diesen Vorfall von einer bloßen WissenslĂŒcke zu einem regelrechten Skandal erhebt, ist die Reaktion der Beteiligten – oder besser gesagt: das vollstĂ€ndige Ausbleiben einer solchen. Die Lehrerin, die sich im Vorfeld noch kĂ€mpferisch gegeben und angekĂŒndigt hatte, dem CDU-Kandidaten wegen der traditionell skeptischen Haltung seiner Partei zur Gesamtschule kritische Fragen stellen zu wollen, zeigte sich nach Hagels Antwort schlicht „beeindruckt". Beeindruckt! Man fragt sich unwillkĂŒrlich, ob die PĂ€dagogin selbst den Unterschied zwischen Treibhauseffekt und Ozonloch kennt – oder ob hier eine ideologische SolidaritĂ€t am Werk war, die Fakten zur Nebensache degradiert.

Noch schwerer wiegt das Versagen der ARD-Redaktion. Der Beitrag wurde am Montag im Mittagsmagazin ausgestrahlt – ohne jegliche Richtigstellung, ohne einordnenden Kommentar der Sprecherin. Weder die SchĂŒler in der Klasse noch die Zuschauer zu Hause erfuhren, dass ihnen soeben eine wissenschaftlich unhaltbare ErklĂ€rung als Wahrheit prĂ€sentiert wurde. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der sich so gerne als Bollwerk gegen Desinformation inszeniert und fĂŒr den der deutsche BĂŒrger monatlich 18,36 Euro ZwangsgebĂŒhren entrichten muss, versagte hier auf ganzer Linie bei seiner ureigensten Aufgabe: der korrekten Information der Öffentlichkeit.

Ein Symptom fĂŒr ein tieferliegendes Problem

Man könnte diesen Vorfall als amĂŒsante Randnotiz abtun – wĂ€re er nicht so symptomatisch fĂŒr den Zustand der deutschen Politik. Hier steht ein Mann, der MinisterprĂ€sident werden will, vor Schulkindern und kann eine naturwissenschaftliche Grundlage nicht korrekt wiedergeben, auf deren Basis seine eigene Partei milliardenschwere Klimapolitik betreibt. Die CDU unter Friedrich Merz hat die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert und ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen auf den Weg gebracht, das Generationen von Steuerzahlern belasten wird. Doch ihr Spitzenkandidat in Baden-WĂŒrttemberg versteht offenbar nicht einmal die physikalischen Grundlagen, die als BegrĂŒndung fĂŒr diese epochalen Ausgaben herangezogen werden.

Das ist kein Kavaliersdelikt. Es wirft die fundamentale Frage auf, wie informiert politische EntscheidungstrĂ€ger tatsĂ€chlich ĂŒber die Themen sind, ĂŒber die sie Gesetze verabschieden und Milliarden verteilen. Wenn ein Spitzenkandidat den Treibhauseffekt nicht vom Ozonloch unterscheiden kann, wie fundiert sind dann seine Positionen zur CO2-Bepreisung? Wie belastbar seine Urteile ĂŒber Energiepolitik, Industrietransformation oder die Zukunft des Automobilstandorts Baden-WĂŒrttemberg?

Die CDU und ihr Personalproblem

Der Fall Hagel reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie von Kompetenzdefiziten innerhalb der Union. Seit dem Ende der Ära Merkel – die bekanntlich promovierte Physikerin war, den Treibhauseffekt also vermutlich hĂ€tte erklĂ€ren können, auch wenn ihre politischen Entscheidungen Deutschland in vielen anderen Bereichen schwer geschadet haben – scheint die Partei zunehmend auf glatte OberflĂ€chen statt auf inhaltliche Tiefe zu setzen. Junge, telegene Kandidaten werden nach vorne geschoben, deren grĂ¶ĂŸte Qualifikation offenbar darin besteht, in Talkshows eine gute Figur zu machen. Dass dahinter substanzielles Wissen steckt, wird stillschweigend vorausgesetzt – und allzu selten ĂŒberprĂŒft.

Baden-WĂŒrttemberg, einst Hochburg deutscher Ingenieurskunst und technologischer Innovation, hĂ€tte einen MinisterprĂ€sidenten verdient, der zumindest die naturwissenschaftlichen Grundlagen beherrscht, die in jeder Realschule gelehrt werden. Stattdessen droht dem LĂ€ndle ein Regierungschef, der „Alright, oder?" fragt, nachdem er Schulkindern Unsinn erzĂ€hlt hat. Dass die Lehrerin dies auch noch als beeindruckend empfand, sagt vielleicht mehr ĂŒber den Zustand des deutschen Bildungssystems aus als jede PISA-Studie.

Die BĂŒrger Baden-WĂŒrttembergs stehen vor einer Wahl, bei der sie sich fragen mĂŒssen, ob sie von Politikern regiert werden wollen, die nicht einmal Schulstoff der Mittelstufe beherrschen – oder ob es nicht an der Zeit wĂ€re, endlich wieder Kompetenz und Sachverstand in die Regierungsverantwortung zu bringen. Die Zeiten, in denen man sich solche WissenslĂŒcken leisten konnte, sind angesichts der gewaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen Deutschland steht, definitiv vorbei.

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