
Warsh-Schock am Goldmarkt: Dritte Verlustwoche in Folge!

Gold, Silber und Platin geraten erneut unter Druck. Am Freitag fiel der Goldpreis im asiatischen Handel auf 4.184,33 US-Dollar je Unze und steuert damit auf die dritte Verlustwoche in Folge zu. Schuld sind ein Dollar nahe dem Jahreshoch und eine US-Notenbank, die unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh plötzlich die Muskeln spielen lÀsst.
Beim Silber fiel der RĂŒckgang noch deutlicher aus: Minus 1,5 Prozent auf 64,83 Dollar je Unze. Platin verlor 1,3 Prozent auf 1.674,47 Dollar, Palladium 0,8 Prozent auf 1.268,65 Dollar.
Der neue Fed-Chef zeigt ZĂ€hne
Auslöser war Warshs erste Zinssitzung als Fed-Vorsitzender. Den Leitzins lieĂ die Notenbank zwar unverĂ€ndert. Brisanter waren aber die veröffentlichten Projektionen: Neun der 19 Fed-Mitglieder rechnen damit, dass die Zinsen noch in diesem Jahr steigen mĂŒssen.
Die MĂ€rkte reagierten prompt. Laut dem FedWatch-Tool der Börse CME preisen HĂ€ndler inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent fĂŒr eine Zinserhöhung im Dezember ein. Vor der Sitzung lag der Wert noch bei 61 Prozent.
Hintergrund ist die Inflation, die der Iran-Krieg angeheizt hat. Weltweit erhöhen immer mehr Notenbanken deshalb die Zinsen oder kĂŒndigen solche Schritte zumindest an.
Friedensdeal verpufft, der Dollar ĂŒbernimmt
Dabei hatte zuletzt ausgerechnet die Geopolitik fĂŒr RĂŒckenwind gesorgt. Das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hatte Gold kurzzeitig nach oben getrieben. Inzwischen fahren Ăltanker wieder durch die StraĂe von Hormus, und Washington teilte mit, die Blockade gegen den Iran am Donnerstag aufgehoben zu haben. Die Erholung hielt jedoch nicht lange.
Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, sieht die Ursache vor allem im Dollar. Der habe, angetrieben vom neuen harten Kurs der Fed, den Goldpreis aus dem Rampenlicht verdrÀngt. Seine Bilanz:
âDie feste Haltung des neuen Vorsitzenden hat den geopolitischen RĂŒckenwind praktisch neutralisiert und alle daran erinnert, dass die Geldpolitik nach wie vor den Ton angibt."
Der Mechanismus dahinter ist einfach. Gold wird in Dollar gehandelt und wird deshalb fĂŒr KĂ€ufer in Euro, Yen oder Franken teurer, wenn die US-WĂ€hrung aufwertet. AuĂerdem wirft Gold keine Zinsen ab. Steigen die Renditen, wĂ€chst der Druck auf das Edelmetall.
Goldman Sachs senkt die Prognose, bleibt aber optimistisch
Auch die Wall Street hat ihre Erwartungen angepasst. Goldman Sachs rechnet fĂŒr Dezember jetzt mit einem Goldpreis von 4.900 Dollar je Unze. Bisher hatte die Bank 5.400 Dollar vorhergesagt. Als Grund nennt sie, dass sie in diesem Jahr keine Zinssenkung der Fed mehr erwartet.
Die gesenkte Prognose liegt allerdings noch immer rund 17 Prozent ĂŒber dem aktuellen Kurs. Nach einem Abgesang auf das gelbe Metall sieht das nicht aus.
Ruhiger war es zum Wochenausklang in Asien: Die MĂ€rkte in Festlandchina und Hongkong blieben wegen des Drachenbootfests geschlossen. Damit fehlten zwei der wichtigsten physischen Goldnachfrager im Handel.
Was Edelmetall-Anleger jetzt wissen sollten
Kurzfristig bestimmen Zinsfantasien und DollarstÀrke den Markt. Silber schwankt dabei traditionell stÀrker als Gold, nach oben wie nach unten. Langfristig orientierte Anleger sollten sich von solchen AusschlÀgen aber nicht verunsichern lassen.
Die GrĂŒnde, Edelmetalle zu halten, sind nicht verschwunden. Die Inflation zwingt Notenbanken weltweit zum Handeln, der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass, und Staaten diesseits wie jenseits des Atlantiks nehmen immer mehr Schulden auf. Auch in Berlin wird mit Sondervermögen in Milliardenhöhe geplant. Wer sein Vermögen breit streut, kann physisches Gold und Silber als sinnvolle Beimischung zur Absicherung betrachten. RĂŒcksetzer wie der aktuelle bieten dafĂŒr womöglich eine Gelegenheit.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.










