
Silber knapp unter 68 Dollar: Sechstes Defizitjahr in Folge!

Der Silberpreis hat Ende August die Marke von 68 US-Dollar je Unze angekratzt â angetrieben von einer Entscheidung aus Washington. Das US-Finanzministerium kĂŒndigte am 19. August 2026 an, seine RĂŒckkĂ€ufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Gleichzeitig steuert der Silbermarkt laut Branchendaten auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu.
Wenn der Staat seine eigenen Schulden zurĂŒckkauft
Die Zahlen sind bemerkenswert: Das Ceiling fĂŒr sogenannte LiquiditĂ€ts-RĂŒckkĂ€ufe bei Papieren mit 10 bis 30 Jahren Laufzeit steigt von 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation â wirksam vom 9. September bis zum Refinanzierungstermin am 4. November 2026.
Der Auslöser? Die Rendite 30-jĂ€hriger US-Staatsanleihen war am 18. August auf 5,33 Prozent geschossen â den höchsten Stand seit Juni 2007. Berichten zufolge steht dahinter die Sorge um einen Schuldenberg jenseits der 40-Billionen-Dollar-Grenze.
Die Mechanik dahinter ist simpel: Sinken die Renditen am langen Ende, schrumpft der Zinsvorteil von Anleihen â und die OpportunitĂ€tskosten fĂŒr zinslose Edelmetalle fallen. Silber profitiert. Ein Muster, das Anleger seit Jahrzehnten kennen.
Die Fed schlĂ€gt zurĂŒck â mit der ersten Zinserhöhung seit 2023
Doch der Gegenwind kam prompt. Das am 19. August veröffentlichte Protokoll der Fed-Sitzung vom 28./29. Juli zeigte ein Votum von 9 zu 3 fĂŒr unverĂ€nderte Zinsen â drei regionale NotenbankprĂ€sidenten wollten erhöhen. Viele Teilnehmer hĂ€tten weitere Straffungen fĂŒr nötig erachtet, falls die Inflation nicht nachgebe.
Und genau das geschah: Medienberichten zufolge hob die Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh am 16. September den Leitzins auf 4 Prozent an â die erste Erhöhung seit Sommer 2023, und das gegen den ausdrĂŒcklichen Willen des WeiĂen Hauses. FĂŒr zinslose Metalle ist das kurzfristig Ballast.
Das physische Fundament: Die Tresore leeren sich
Nur: Das Defizit interessiert sich nicht fĂŒr Fed-Protokolle. Silver Institute und Metals Focus erwarten fĂŒr 2026 das sechste Minusjahr in Serie, veröffentlichte SchĂ€tzungen reichen von rund 46 bis 67 Millionen Unzen. In den COMEX-Lagern lagen am 19. August 337,3 Millionen Unzen â davon nur 99,5 Millionen Unzen "registered", also tatsĂ€chlich fĂŒr Futures-Lieferungen verfĂŒgbar.
Dazu kommen Störungen, die mit Geldpolitik nichts zu tun haben: Chinas seit 1. Januar 2026 geltende Exportlizenzpflicht verengt den Kreis der AusfĂŒhrer. In Mexiko steht die Terronera-Mine von Endeavour Silver seit dem 12. August wegen einer Blockade still. Und Peru, Produzent von rund 130 Millionen Unzen jĂ€hrlich, kĂ€mpft mit einer Energiekrise.
Ein Manager des Produzenten Americas Gold and Silver verwies laut dem Bericht auf die strukturelle Schwachstelle â hier in deutscher Ăbersetzung:
Siebzig Prozent des Silbers fallen als Nebenprodukt anderer Minen an, ein erheblicher Teil davon in Kupferminen. Und Kupferminen sind derzeit durch die SchwefelsÀure-Versorgung eingeschrÀnkt.
Was Anleger daraus mitnehmen sollten
Silber bleibt ein nervöses Metall: Vom Rekordhoch bei ĂŒber 121 Dollar im Januar 2026 ging es laut Marktberichten um fast die HĂ€lfte nach unten, ehe die Erholung einsetzte. Wer schwache Nerven hat, ist hier falsch.
Doch das grundlegende Bild bleibt: Staaten, die ihre eigenen Anleihen stĂŒtzen mĂŒssen, wĂ€hrend die Industrie mehr Silber verbraucht, als aus dem Boden kommt. Auch in Berlin wird mit 500 Milliarden Euro Sondervermögen krĂ€ftig auf Pump geplant. Physische Edelmetalle sind kein Renditeversprechen â aber eine Versicherung gegen die Sorglosigkeit der Finanzpolitik.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss eigenstĂ€ndig recherchieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Entscheidungen selbst.
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