
Streamer wollte Beweise â und bekam die falsche Antwort

Ein linker Streamer namens Marcant zieht nach Köthen, um Vorurteile zu widerlegen. Auf dem Marktplatz der Stadt in Sachsen-Anhalt trifft er auf eine junge Frau mit Kopftuch. Ihre Antwort auf seine Frage nach der Gewalt in der Stadt dĂŒrfte ihm nicht gefallen haben â das Video verbreitete sich am 3. September 2026 rasant in den sozialen Netzwerken.
Die Frage war klar â die Antwort unbequem
Köthen sei laut dem Streamer die ârechteste Stadt Sachsen-Anhaltsâ. Er habe BĂŒrger befragt, die berichteten, sie wĂŒrden âimmer von den AuslĂ€ndern angepöbeltâ. Dann wandte er sich an seine GesprĂ€chspartnerin Selal und wollte wissen, von wem die Gewalt in Köthen ausgehe â und ob Gewalt ĂŒberhaupt ein Problem sei.
Ihre Antwort: Ja, Gewalt sei ein Problem. Zugleich betonte sie, man dĂŒrfe nicht behaupten, allein AuslĂ€nder seien das Problem. Sichtbar um Ausgleich bemĂŒht, sagte sie:
âEs ist wirklich nie einseitig. Es gibt immer zwei Seiten der Geschichte.â
âIch kann Leute verstehen, die die AfD wĂ€hlenâ
Dann kam der Satz, der das Interview kippen lieĂ. Sie selbst verstehe die AfD nicht, erklĂ€rte die junge Frau â aber: âIch kann Leute verstehen, die die AfD wĂ€hlen, aufgrund dieser Auseinandersetzungen mit den AuslĂ€ndern.â
AnschlieĂend schilderte sie ihren eigenen Heimweg nach Feierabend gegen 21 Uhr. Am Markt stĂŒnden Jugendliche, âgröĂtenteils Afghanenâ, beziehungsweise eine âAuslĂ€ndergruppe, die dann hinterherpfeifen und hinterher starrenâ. Blöde SprĂŒche bekĂ€men dem Bericht zufolge auch Ă€ltere deutsche Damen zu hören. Und auf die Frage, ob nicht doch die Deutschen schuld seien, antwortete sie: âMan muss da wirklich realistisch sein und sagen: Nein, leider, leider nicht.â
Ein Muster, das sich wiederholt
Es ist offenbar nicht die erste Panne dieser Art. Zuletzt habe ein Sprecher der Gruppe âWidersetzenâ dem Streamer im Interview bestĂ€tigt, er wĂŒrde nicht fĂŒr Deutschland, sondern fĂŒr Ghana kĂ€mpfen â womit er genau jenes Argument stĂŒtzte, das eigentlich entkrĂ€ftet werden sollte. Zuvor habe ein syrischer FlĂŒchtling erklĂ€rt, die meisten Syrer kĂ€men âwegen der Sozialleistungenâ.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart sich hier ein Grundproblem der politischen Debatte in Deutschland: Wer mit vorgefertigter Antwort losfÀhrt, riskiert, dass die RealitÀt nicht mitspielt. Und die RealitÀt schildern in diesem Fall keine WahlkÀmpfer, sondern eine junge Frau mit Kopftuch, die abends allein nach Hause geht.
Warum Köthen ein besonderes Pflaster ist
Der Ort ist kein Zufall. Im September 2018 starb in Köthen ein 22-jĂ€hriger Deutscher nach einer Auseinandersetzung mit zwei afghanischen Asylsuchenden; Ermittler nannten damals Herzversagen als Todesursache, gegen die TatverdĂ€chtigen erging Haftbefehl. Tausende demonstrierten â die Stadt wurde bundesweit zum Symbol.
Die Brisanz steigt durch den Kalender: Am 6. September 2026 wÀhlt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In Umfragen lag die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Medienberichten zufolge bei rund 41 bis 43 Prozent, die CDU deutlich dahinter. Wer den Erfolg der Partei nur mit Empörung erklÀren will, wird an SÀtzen wie jenen von Köthen nicht vorbeikommen.
FĂŒr viele BĂŒrger ist die innere Sicherheit lĂ€ngst kein Randthema mehr. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist ein Rekordniveau erfasster Straftaten und deutlich mehr Messerangriffe aus. Wer darĂŒber spricht, betreibt keine Hetze â sondern Bestandsaufnahme.










