Kettner Edelmetalle
10.09.2026
11:53 Uhr
KI-generiert

Eklat auf der Wahlparty: AfD-Spitze zieht die Reißleine bei Streamer

Eklat auf der Wahlparty: AfD-Spitze zieht die Reißleine bei Streamer
Symbolbild: KI-generiert

Ein Video von der AfD-Wahlparty in Sachsen-Anhalt sorgt seit Tagen fĂŒr Aufsehen – jetzt reagiert die Parteispitze. Alice Weidel und Tino Chrupalla kĂŒndigten am Donnerstag an, den Umgang mit dem Streamer „Aktivist Mann“ in der nĂ€chsten Sitzung des Bundesvorstands auf die Tagesordnung zu setzen. Auslöser: Der Internet-Aktivist ging auf der Feier eine Politikredakteurin des „Spiegel“ verbal an.

Was auf dem Video zu sehen ist

Die Aufnahmen zeigen, wie der Streamer der Journalistin Ann-Katrin MĂŒller sein Mikrofon entgegenhĂ€lt und ruft: „Sind Sie Deutsche? Identifizieren Sie sich als Deutsche?“ Die Redakteurin antwortet auf keine der Fragen. Dann folgt der Zuruf: „Tun Sie was fĂŒr die Deutschen, die hier seit Jahrtausenden leben!“

Weidel und Chrupalla teilten mit, das Video habe auch innerhalb der Partei „fĂŒr große Irritationen gesorgt“. Der Streamer sei auch andere Medienvertreter „verbal aggressiv“ angegangen.

„Ein zivilisierter Umgang miteinander versteht sich in einer kultivierten Gesellschaft eigentlich von selbst.“

Das gelte auch bei Meinungsverschiedenheiten, so die beiden Vorsitzenden. Beleidigungen und verbales BedrĂ€ngen verbiete sich fĂŒr Medienschaffende – „auch und gerade gegenĂŒber Vertretern anderer Medien“. Bei kĂŒnftigen Parteiveranstaltungen werde man solches Verhalten nicht tolerieren, „und zwar ohne Ansehen der Person“.

Die Reihen schließen sich – gegen den Provokateur

Auch andere Abgeordnete gingen auf Distanz. Der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Jan Nolte, schrieb, der Streamer sei am Abend auch im Hotel aufgefallen, in dem die Wahlparty ausklang: Er habe versucht, HintergrundgesprĂ€che mit Journalisten mitzufilmen, und sei „jedem auf die Nerven“ gegangen. Es sei unangenehm, wenn dieser Auftritt mit der Partei in Verbindung gebracht werde.

Sein VorgĂ€nger RĂŒdiger Lucassen wurde noch deutlicher. Wer Journalisten auf AfD-Veranstaltungen „unflĂ€tig und pöbelnd“ bedrĂ€nge, mĂŒsse laut seiner Aussage gegenĂŒber dem „Pioneer“ umgehend die Zugangsberechtigung verlieren. Beatrix von Storch mahnte, man mĂŒsse besser sein als jene, die selbst anpöbeln – wer sich genauso verhalte, gehöre nicht dazu.

Der Landesverband Sachsen-Anhalt erklĂ€rte ĂŒber einen Sprecher, man habe von der Szene erst spĂ€ter erfahren, hĂ€tte vor Ort aber sofort eingegriffen. Beim Sicherheitsdienstleister sei keine Meldung eingegangen. Die Partei bedauere die VorfĂ€lle ausdrĂŒcklich – auch weil sie Meinungs- und Pressefreiheit als zentrales Fundament der Demokratie verteidigen wolle.

Warum der Zeitpunkt so brisant ist

Der Eklat fÀllt in eine Phase, in der die AfD sich in Sachsen-Anhalt im Triumph sonnt. Medienberichten zufolge wurde die Partei bei der Landtagswahl mit rund 43,8 Prozent mit Abstand stÀrkste Kraft, verpasste die absolute Mehrheit aber. Die CDU von MinisterprÀsident Sven Schulze holte demnach kein einziges Direktmandat.

Wer politisch Verantwortung ĂŒbernehmen will, wird an seinem Stil gemessen – daran fĂŒhrt kein Weg vorbei. Aus Sicht unserer Redaktion ist die klare Abgrenzung der Parteispitze deshalb weniger Taktik als schlichte Notwendigkeit: Wer Pressefreiheit einfordert, muss sie auch gegenĂŒber unbequemen Journalisten gewĂ€hren.

Ein LehrstĂŒck ĂŒber Debattenkultur

Bleibt die unbequeme Frage: Wie viel Rohheit ertrĂ€gt eine politische Öffentlichkeit, in der Empörung lĂ€ngst zur WĂ€hrung geworden ist? Kritiker der etablierten Medien beklagen seit Jahren einseitige Berichterstattung – doch niemand gewinnt eine Debatte, indem er sein GegenĂŒber niederschreit.

FĂŒr die AfD dĂŒrfte der Vorgang zur Stilfrage mit Signalwirkung werden. Ob der Bundesvorstand tatsĂ€chlich Zugangsregeln fĂŒr Streamer beschließt, ist offen. AngekĂŒndigt ist die Debatte.

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