
Nur noch 17 Prozent: Der deutsche Staat hat sein wichtigstes Kapital verspielt – das Vertrauen
Es ist eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Gerade einmal 17 von 100 Bürgern trauen dem deutschen Staat noch zu, seine ureigenen Aufgaben zu erfüllen. 79 Prozent halten ihn schlicht für überfordert. Was die aktuelle Forsa-Erhebung im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes zutage fördert, ist kein Stimmungstief mehr – es ist ein Offenbarungseid. Befragt wurden 2.018 repräsentativ ausgewählte Menschen ab 14 Jahren, die statistische Fehlertoleranz liegt bei rund 2,5 Prozentpunkten. An der Aussage ändert das nichts: Die Bürger haben den Glauben an die Institutionen verloren, die sie mit einer der höchsten Abgabenlasten der westlichen Welt finanzieren.
Vom Musterschüler zum Sanierungsfall: 39 Punkte in sechs Jahren
Noch 2020 attestierten 56 Prozent der Befragten dem Staat Handlungsfähigkeit. Ein solider, wenn auch kein glänzender Wert. Was danach folgte, ist ein Absturz ohne Fallschirm: 2025 waren es noch 23 Prozent, jetzt sind es 17. Minus 39 Prozentpunkte in sechs Jahren – kein Dax-Konzern würde einen derartigen Reputationsverlust überleben. Der Beamtenbund lässt diese Bürgerbefragung seit 2007 durchführen, sie ist also kein Zufallsprodukt, sondern ein Langzeit-EKG. Und die Kurve zeigt seit der Corona-Zeit, den Energie-Experimenten und der Migrationskrise steil nach unten.
Besonders aufschlussreich ist der Blick in die Milieus. Unter Beamten selbst glauben immerhin 36 Prozent an einen funktionierenden Staat – wer im Maschinenraum sitzt, sieht die Sache offenbar milder. Bei den Selbständigen, also jenen, die täglich mit Formularen, Fristen und Finanzämtern ringen und dabei die Wertschöpfung dieses Landes stemmen, sind es magere 10 Prozent. Im Osten liegt der Wert bei 14, im Westen bei 17 Prozent. Und während Unionsanhänger noch auf 38 Prozent kommen, sind es bei AfD-Anhängern sagenhafte 2 Prozent. Zwei. Prozent. Wer glaubt, man könne mit Ausgrenzung und moralischen Belehrungen ein solches Misstrauen wegmoderieren, hat die Lage nicht verstanden.
Rente, Wirtschaft, Straßen: Die Kernaufgaben liegen brach
Die Bürger sind erstaunlich nüchtern in ihren Erwartungen. 55 Prozent halten die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme für sehr wichtig, 54 Prozent Wachstum und Arbeitsplätze, 53 Prozent funktionierende Verkehrswege. Klassische Staatsaufgaben also, nichts Exotisches. Doch gute Leistungen erkennen in diesen drei Feldern nur 11, 11 und 15 Prozent. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft dort am weitesten, wo Bürger und Betriebe jeden Tag darauf angewiesen sind.
Bei der offenen Frage nach dem größten Problemfeld nennen 26 Prozent Rente und soziale Sicherung, 18 Prozent die Steuer- und Finanzpolitik, 16 Prozent die Asylpolitik. Letzterer Wert sank binnen eines Jahres von 30 auf 16 Prozent – was Optimisten als Entspannung lesen mögen, dürfte eher Ausdruck einer resignierten Gewöhnung sein. Es folgen Bildung mit 14, Gesundheit mit 13 und Infrastruktur mit 10 Prozent.
Behörden im Sinkflug – Politiker im Keller
51 Prozent bescheinigen dem öffentlichen Dienst eine sinkende Leistungsfähigkeit, nur 10 Prozent sehen Fortschritte. Die Wünsche der Bürger sind dabei bemerkenswert bescheiden und praktisch:
- 86 Prozent verlangen einfachere Vorschriften
- 78 Prozent kürzere Bearbeitungszeiten
- 72 Prozent mehr digitale Behördendienste
Die Digitalisierung bekommt die Schulnote 4,0, die Bundesministerien mit 4,2 sogar noch weniger. Ein Land, das sich für eine Hochtechnologienation hält, verwaltet sich also auf dem Niveau eines knapp bestandenen Nachschreibetermins.
Und dann der Ansehensvergleich, der wie ein Urteil wirkt: Feuerwehrleute 94 Prozent, Krankenpflegekräfte 91 Prozent, Polizisten 80 Prozent – Politiker sieben Prozent. Wer täglich anpackt, genießt Respekt. Wer Sonntagsreden hält, nicht. dbb-Chef Volker Geyer warnte, ein derartiger Vertrauensverlust sei eine Gefahr für die Demokratie. Er hat recht – nur richtet sich die Gefahr nicht gegen die Bürger, sondern gegen jene, die diesen Zustand herbeiregiert haben.
Vertrauen ist die Währung, die kein Sondervermögen zurückkaufen kann. Wer sie einmal entwertet hat, steht wie ein Notenbanker vor einer Hyperinflation: Das Papier ist noch da, der Glaube daran nicht mehr.
Was folgt daraus für den Einzelnen?
Die neue Koalition aus Union und SPD hat mit 500 Milliarden Euro Sondervermögen und einer im Grundgesetz zementierten Klimaneutralität bereits die Weichen gestellt – finanziert über Schulden, die kommende Generationen abtragen müssen, und über eine Geldentwertung, die niemand offen benennen mag. Wer glaubt, ein Staat, dem nur 17 Prozent seiner Bürger Handlungsfähigkeit zutrauen, werde ausgerechnet die Kaufkraft ihrer Ersparnisse zuverlässig schützen, ist ein unverbesserlicher Optimist. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind kein Allheilmittel, aber sie kennen keinen Behördenstau, keine Digitalisierungsnote 4,0 und keine politische Mehrheit, die über ihren Wert abstimmt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen erfüllen sie genau das, was der Staat gerade nicht mehr leistet: Verlässlichkeit.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder und stellt weder eine Anlage-, Rechts- noch Steuerberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Bei individuellen Fragen sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.










