
Catcalling-Verbot: Wenn der Staat zum Benimmlehrer wird
Die deutsche Politik hat offenbar keine drĂ€ngenderen Probleme mehr. WĂ€hrend die KriminalitĂ€t auf den StraĂen explodiert, Messerangriffe zur traurigen NormalitĂ€t geworden sind und die innere Sicherheit vor dem Kollaps steht, beschĂ€ftigen sich unsere Justizminister mit der brennenden Frage, ob anzĂŒgliche Rufe unter Strafe gestellt werden sollten. Eine Mehrheit der LĂ€nder-Justizminister zeigt sich laut einer Erhebung des "Spiegel" offen fĂŒr ein Verbot des sogenannten Catcallings.
Die neue PrioritÀtensetzung der deutschen Justiz
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) möchte das Strafrecht erweitern, um verbale sexuelle BelĂ€stigungen zu ahnden. Im Koalitionsvertrag hĂ€tten SPD und Union vereinbart, eine solche Erweiterung zu prĂŒfen. Sieben BundeslĂ€nder sprechen sich bereits fĂŒr ein gesetzliches Verbot aus - darunter die SPD-gefĂŒhrten LĂ€nder Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und das Saarland sowie die CDU-regierten LĂ€nder Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und ThĂŒringen.
Die niedersĂ€chsische Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) beklagt, es sei nicht nachvollziehbar, dass man fĂŒr das Zeigen eines Mittelfingers bestraft werde, nicht aber fĂŒr "ĂŒbelste verbale und non-verbale sexuelle BelĂ€stigungen". Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Ist das wirklich das drĂ€ngendste Problem unserer Zeit?
Wenn Symbolpolitik wichtiger wird als echte Sicherheit
WĂ€hrend unsere Politiker ĂŒber die strafrechtliche Verfolgung von Pfiffen und anzĂŒglichen Bemerkungen debattieren, erleben wir auf deutschen StraĂen eine Explosion der GewaltkriminalitĂ€t. Die zugenommene KriminalitĂ€t in Deutschland und die vielen Messermorde und Attacken sind auf unsere aktuelle Fehlpolitik zurĂŒckzufĂŒhren - und wir sollten das keinesfalls lĂ€nger akzeptieren. Es handelt sich hierbei nicht nur um die Meinung unserer Redaktion, sondern auch um die Meinung eines GroĂteils des deutschen Volkes.
"Ein neuer Straftatbestand gegen Catcalling ist der falsche Weg. Nicht jede verbale GrenzĂŒberschreitung ist ein Fall fĂŒr die Strafjustiz", teilte die sĂ€chsische Justizministerin Constanze Geiert (CDU) mit.
Immerhin zeigen drei BundeslÀnder - Berlin, Bremen und Sachsen - noch einen Rest von Vernunft und lehnen das Verbot ab. Sie bezweifeln zu Recht, dass das Strafrecht das richtige Mittel sei.
Die praktischen Probleme einer Gesinnungsjustiz
Bayern bringt die praktischen Schwierigkeiten auf den Punkt: Wie soll man im Gesetz eine "klare Grenze" zwischen "unangebrachten, aber noch zulĂ€ssigen ĂuĂerungen" und "unzulĂ€ssigen BelĂ€stigungen" ziehen? Diese Frage offenbart das grundlegende Problem solcher Vorhaben: Sie öffnen der WillkĂŒr TĂŒr und Tor.
Was heute noch als harmloser Flirtversuch durchgehen könnte, wĂ€re morgen vielleicht schon strafbar. Die Grauzone zwischen sozial ungeschicktem Verhalten und strafwĂŒrdiger BelĂ€stigung ist riesig. Soll kĂŒnftig jeder Mann, der einer Frau ein Kompliment macht, befĂŒrchten mĂŒssen, vor dem Richter zu landen?
Die wahren Probleme werden ignoriert
Es ist bezeichnend fĂŒr den Zustand unserer Politik, dass man sich lieber mit solchen NebenschauplĂ€tzen beschĂ€ftigt, als die wirklichen Probleme anzugehen. Die Justiz ist bereits jetzt ĂŒberlastet, Verfahren ziehen sich ĂŒber Jahre hin, schwere StraftĂ€ter kommen mit BewĂ€hrungsstrafen davon - aber wir sollen neue Ressourcen fĂŒr die Verfolgung von verbalen GrenzĂŒberschreitungen aufwenden?
Der gescheiterte Vorstoà Niedersachsens im Bundesrat wurde im Februar abgelehnt - angeblich wegen "parteipolitischen GeplÀnkels" kurz vor der Bundestagswahl. Vielleicht war es aber auch einfach ein seltener Moment der Vernunft in der deutschen Politik.
Ein gefĂ€hrlicher Weg in den Ăberwachungsstaat
Die Ausweitung des Strafrechts auf immer mehr Lebensbereiche ist ein gefĂ€hrlicher Trend. Wo frĂŒher gesellschaftliche Normen und soziale Kontrolle fĂŒr angemessenes Verhalten sorgten, soll heute der Staat mit der Strafrechtskeule eingreifen. Das ist nicht nur unverhĂ€ltnismĂ€Ăig, sondern auch ein weiterer Schritt in Richtung eines Ăberwachungsstaates, in dem jede ĂuĂerung strafrechtliche Konsequenzen haben könnte.
Wir brauchen keine neuen StraftatbestĂ€nde fĂŒr verbale Entgleisungen. Wir brauchen Politiker, die wieder fĂŒr Deutschland und nicht gegen Deutschland regieren. Die sich um die echten Probleme kĂŒmmern: explodierende KriminalitĂ€t, unkontrollierte Migration, wirtschaftlicher Niedergang. Stattdessen bekommen wir Symbolpolitik, die von den wahren Herausforderungen ablenkt.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt und dieses unsinnige Vorhaben im Sande verlĂ€uft. Deutschland hat wahrlich wichtigere Probleme zu lösen als die strafrechtliche Verfolgung von anzĂŒglichen Bemerkungen.










