
Anleihe-Beben: IWF beruhigt – doch Gold erzählt eine andere Geschichte

Der Internationale Währungsfonds sieht keinen Grund zur Sorge. Die weltweiten Anleihemärkte funktionierten trotz des kräftigen Renditeanstiegs weiterhin „geordnet“, erklärte IWF-Sprecherin Julie Kozack am Donnerstag in Washington. Am selben Tag kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen Berichten zufolge auf 5,34 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002.
Da stellt sich eine einfache Frage: Wenn alles in Ordnung ist, warum muss man es dann eigens betonen?
Der stärkste Zinsschub dieses Jahrhunderts
Die Zahlen sind deutlich. Medienberichten zufolge legten die Renditen der US-Zehnjährigen im dritten Quartal so stark zu wie in keinem Vierteljahr seit der Jahrtausendwende. Der Verkaufsdruck blieb nicht auf Amerika begrenzt. Er erfasste auch Frankreich, Großbritannien und Japan.
In Deutschland lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen laut Marktdaten zuletzt bei rund 3,5 Prozent. Für einen Staat, der unter Kanzler Friedrich Merz ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen auf Pump aufgelegt hat, ist das keine Randnotiz. Jeder zusätzliche Zehntelprozentpunkt erhöht die Zinslast, die am Ende der Steuerzahler schultert.
Dazu kommt Druck von der Energieseite. Der IWF räumte selbst ein, dass Diesel, Benzin und Kerosin infolge des Iran-Konflikts und knapper Raffineriekapazitäten um 60 bis 97 Prozent teurer seien als vor dem Krieg. Die Inflation in der Eurozone zog im September Berichten zufolge spürbar an.
Der Risikoaufschlag kehrt zurück
Bemerkenswert ist, dass die Laufzeitprämien in allen großen Industrieländern steigen. Das ist der Aufschlag, den Anleger für das Risiko verlangen, einem Staat über viele Jahre Geld zu leihen. Die Treiber dahinter:
- hartnäckige Inflation,
- stark wachsender Finanzierungsbedarf der Regierungen,
- sich verschlechternde Staatshaushalte.
Man kann es nüchtern so sagen: Der Markt funktioniert, aber er will mehr Geld für das Risiko. Geordnet heißt eben nicht risikofrei. Wie schnell solche Risikoaufschläge eskalieren können, zeigte die britische Anleihekrise im Herbst 2022. Aktuell richten Investoren ihren Blick Berichten zufolge besonders auf Frankreich, wo sich der Renditeabstand weiter ausweitet.
Gold trotzt dem klassischen Lehrbuch
Nach gängiger Lehre müssten steigende Renditen Gold belasten. Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Bringen Staatsanleihen mehr, wird das Halten von Barren und Münzen relativ teurer.
Doch Gold hält sich erstaunlich gut. Die US-Renditen stehen auf dem höchsten Niveau seit gut zwei Jahrzehnten, die Geldpolitik zieht an, der Dollar ist fester geworden. Trotzdem notiert die Unze weiter klar über 4.000 US-Dollar, zuletzt bei knapp 4.190 Dollar. Die Realrenditen von 2,24 Prozent bremsen zwar. Einbrechen lassen sie den Preis aber nicht.
Warum das kein Zufall ist
Der Grund liegt im Wesen des Metalls. Gold hat keinen staatlichen Emittenten, kein Haushaltsdefizit und keinen Refinanzierungsbedarf. Es ist auf keine Regierung angewiesen, die immer neue Schulden aufnehmen muss, um alte zu bedienen.
Entscheidend ist deshalb, warum die Renditen steigen. Sind höhere Zinsen ein attraktives Konkurrenzangebot zu Gold? Oder zeigen sie vor allem ein wachsendes Misstrauen gegenüber der Solidität der Staatsfinanzen? Trifft eher das Zweite zu, wirken hohe Renditen für Gold weit weniger bedrohlich, als es das Lehrbuch nahelegt.
Fazit: Der Markt muss nicht brechen
Damit Gold profitiert, muss der Anleihemarkt nicht zusammenbrechen. Es reicht, wenn immer mehr Anleger sich fragen, wie verlässlich er bleibt, während Regierungen in Washington, Paris und Berlin zu immer höheren Zinsen immer mehr Schulden aufnehmen.
Wer sein Vermögen gegen diese Entwicklung absichern möchte, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.










