
Adenauer-Satz im ARD-Studio: Publikum lacht, CDU wirkt ratlos

Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat sich am Dienstagabend bei âMaischbergerâ in der ARD ein Schlagabtausch ĂŒber die sogenannte Brandmauer entwickelt. Bernd Baumann, parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der AfD-Bundestagsfraktion, traf auf Nathanael Liminski (CDU), den Chef der nordrhein-westfĂ€lischen Staatskanzlei. Am Ende lachte ein groĂer Teil des Studiopublikums â ausgelöst von einem Verweis auf Konrad Adenauer.
Der Moment, der die Sendung prÀgte
Liminski hatte laut dem Sendungsbericht angedeutet, auch die Linke mĂŒsse ihren Beitrag leisten, um eine AfD-Regierung in Magdeburg zu verhindern. Seine Partei habe bereits bewiesen, dass sie andere zu einem ârichtigen Arbeitsprogramm fĂŒr das Landâ bewegen könne â gemeint war offenbar das Arrangement von CDU und Linkspartei in ThĂŒringen.
Baumann deutete das als Einladung an die Linkspartei und antwortete:
âIch stelle mir vor, ihr ParteigrĂŒnder Konrad Adenauer hĂ€tte mit den Linken paktiert, wie Sie es in den LĂ€ndern ja machen. Konrad Adenauer wĂ€re heute auf unserer Seite.â
Ein Teil des Publikums lachte â doch die Pointe traf einen empfindlichen Nerv. Denn der erste Bundeskanzler stand fĂŒr scharfe Abgrenzung nach links. Dass ausgerechnet ein AfD-Politiker die CDU an ihre eigene GrĂŒndungsgeschichte erinnert, offenbart, wie sehr die Union in der Defensive steckt.
Ăber 40 Prozent: Ein politisches Beben zeichnet sich ab
Der Grund fĂŒr die NervositĂ€t liegt in den Zahlen. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewĂ€hlt, und die Umfragen weisen der AfD laut Medienberichten zwischen 41 und 43 Prozent aus. Eine absolute Mehrheit der Sitze gilt damit als nicht mehr ausgeschlossen.
Zum Vergleich: 2016 kam die Partei auf 24,3 Prozent, 2021 auf 20,8 Prozent. Der Verfassungsschutz des Landes stuft die AfD dort als âgesichert rechtsextremistischâ ein. Baumann gab sich im Studio dennoch siegessicher: Die Mehrheit der BĂŒrger wolle, dass seine Partei regiere, man sei doppelt so stark wie die CDU. Spitzenkandidat ist Ulrich Siegmund.
Was der MDR-Journalist ĂŒber Siegmund sagte
Ein in der Sendung anwesender MDR-Journalist bewertete Siegmund als nicht weniger radikal als Björn Höcke, aber geschickter im Auftreten â er komme âsmart rĂŒberâ und lĂ€chle Kritik weg.
Koalition? Baumann setzt auf ĂberlĂ€ufer
Ein BĂŒndnis mit der CDU unter Landeschef Sven Schulze nannte Baumann ânicht vernĂŒnftigâ; die Union habe sich zu stark auf die Brandmauer festgelegt. Stattdessen hoffe er darauf, dass einzelne CDU-Politiker die Seiten wechseln könnten. Auch eine mögliche Enthaltung des BSW im dritten Wahlgang, die Sahra Wagenknecht laut Maischberger erwĂ€gen könnte, wies er zurĂŒck â das wĂ€re ânoch schlimmer, als mit der CDU zu koalierenâ.
Liminski wiederum distanzierte sich vom Begriff Brandmauer selbst: Er sei âvöllig ĂŒberdehnt und völlig ĂŒberbewertetâ. Eine Mauer halte einen Brand nur auf, gelöscht werden mĂŒsse der Brandherd. Eine Zusammenarbeit in Sachsen-Anhalt schloss er trotzdem aus.
Symbolpolitik statt Antworten?
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Abend vor allem eines: Die etablierten Parteien streiten ĂŒber Begriffe, wĂ€hrend viele BĂŒrger in Ostdeutschland auf Antworten zu Wirtschaft, Energiepreisen, Migration und innerer Sicherheit warten. Wer WĂ€hler zurĂŒckgewinnen will, braucht Politik â keine Abgrenzungsrhetorik.
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