Kettner Edelmetalle
19.04.2026
11:40 Uhr

350.000 Euro in den Sand gesetzt: Berliner GrĂŒne scheitern an der eigenen Basis

350.000 Euro in den Sand gesetzt: Berliner GrĂŒne scheitern an der eigenen Basis

Es gibt Momente, in denen die politische RealitĂ€t hĂ€rter zuschlĂ€gt als jede Wahlniederlage. FĂŒr die Berliner GrĂŒnen war der vergangene Samstag ein solcher Moment. Ein Parteitag, der als kraftvolles Signal fĂŒr die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl inszeniert werden sollte, entpuppte sich als peinliches Desaster – und das vor allem deshalb, weil die eigenen Mitglieder schlicht nicht erschienen.

GĂ€hnende Leere statt grĂŒner Aufbruchstimmung

Die Zahlen sprechen eine unmissverstĂ€ndliche Sprache: Von rund 18.000 Berliner GrĂŒnen-Mitgliedern hĂ€tten mindestens 2.700 erscheinen mĂŒssen, um die geplante Landesmitgliederversammlung beschlussfĂ€hig zu machen. TatsĂ€chlich fanden sich am Samstagmorgen weniger als 1.000 Stimmberechtigte im Saal des Estrel-Hotels ein. Nicht einmal sechs Prozent der eigenen Parteibasis hielten es also fĂŒr nötig, bei der Aufstellung der Kandidatenliste dabei zu sein. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Partei, die vorgibt, Berlin umkrempeln zu wollen, schafft es nicht einmal, ihre eigenen Leute zu mobilisieren.

Besonders bitter: Die Veranstaltung soll nach Parteiangaben stolze 350.000 Euro gekostet haben. Umgerechnet auf die tatsĂ€chlich Anwesenden sind das 350 Euro pro Kopf – fĂŒr ein Event, das am Ende nicht einmal seinen eigentlichen Zweck erfĂŒllen konnte. In Zeiten, in denen viele Berliner Familien jeden Cent zweimal umdrehen mĂŒssen, wirkt diese Summe geradezu obszön.

Plan B: Vom Parteitag zum unverbindlichen „Stimmungsbild"

Die ParteifĂŒhrung musste improvisieren – und das in einer Weise, die das Wort „demokratische Legitimation" zur Farce werden lĂ€sst. Statt der geplanten Landesmitgliederversammlung tagte kurzerhand die Landesdelegiertenkonferenz und gab lediglich ein rechtlich unverbindliches „Stimmungsbild" fĂŒr die Listenaufstellung ab. Die tatsĂ€chlich gĂŒltige Kandidatenliste sollte dann am Sonntag von einer gesonderten Wahlversammlung beschlossen werden. Ein bĂŒrokratischer Eiertanz, der die ohnehin fragile GlaubwĂŒrdigkeit der Berliner GrĂŒnen weiter untergrĂ€bt.

Immerhin konnte Werner Graf als Spitzenkandidat nominiert werden. Der seit 2021 im Berliner Landesparlament sitzende Politiker erhielt 85,8 Prozent der Stimmen – allerdings ohne Gegenkandidaten. Ein Ergebnis, das sich leicht erzielen lĂ€sst, wenn niemand sonst antritt. Ob man das als Vertrauensbeweis oder als Ausdruck kollektiver GleichgĂŒltigkeit werten soll, sei dahingestellt.

Visionen statt Substanz

Was Graf inhaltlich zu bieten hatte, klang wie aus einem utopischen Bilderbuch: „Die Berliner*innen schwimmen in der Spree. Niemand stirbt mehr im Verkehr. Die Mieten sind gedeckelt. Statt leerer BĂŒros bauen wir bezahlbare Wohnungen." Die Energie sei „unabhĂ€ngig und frei". Man fragt sich unwillkĂŒrlich, ob der Spitzenkandidat vergessen hat, dass seine Partei in Berlin bereits mitregiert hat – und die Hauptstadt unter grĂŒner Beteiligung keineswegs zum Paradies geworden ist. Ganz im Gegenteil: Die Infrastruktur bröckelt, die KriminalitĂ€t steigt, und von bezahlbarem Wohnraum können die meisten Berliner nur trĂ€umen.

Bemerkenswert ist auch die rhetorische ZurĂŒckhaltung beim Thema Enteignung. Statt der gewohnten Enteignungsrhetorik war nur noch von „harten Regeln" fĂŒr Vermieter die Rede – obwohl die Partei das per Volksbegehren beschlossene Vorhaben „Deutsche Wohnen und Co. enteignen" nach wie vor umsetzen möchte. Man versucht offenbar, den radikalen Kern hinter weichgespĂŒlten Formulierungen zu verstecken. Ob die Berliner WĂ€hler auf dieses Manöver hereinfallen, darf bezweifelt werden.

Die Umfragen zeichnen ein ernĂŒchterndes Bild

Knapp fĂŒnf Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die CDU laut einer Civey-Umfrage im Auftrag des Tagesspiegel mit 23 Prozent deutlich vorn. Dahinter drĂ€ngen sich SPD, Linke und AfD mit jeweils 16 Prozent, gefolgt von den GrĂŒnen mit mageren 15 Prozent. Die einstige Berliner Boompartei ist damit auf dem Niveau einer Kleinpartei angekommen – und das in einer Stadt, die lange als grĂŒne Hochburg galt.

Dass dennoch sowohl ein schwarz-rot-grĂŒnes BĂŒndnis als auch eine rot-rot-grĂŒne Koalition rechnerisch möglich wĂ€re, zeigt vor allem eines: die Zersplitterung der Berliner Parteienlandschaft. FĂŒr die GrĂŒnen bedeutet das, dass sie trotz ihres desolaten Zustands als Juniorpartner in einer Koalition landen könnten – nicht aus eigener StĂ€rke, sondern schlicht, weil die Arithmetik es hergibt.

Ein Symptom des grĂŒnen Niedergangs

Der gescheiterte Parteitag in Berlin ist mehr als nur eine organisatorische Panne. Er ist ein Symptom fĂŒr den schleichenden Bedeutungsverlust einer Partei, die sich zunehmend von der LebensrealitĂ€t der Menschen entfernt hat. WĂ€hrend die BĂŒrger mit steigenden Lebenshaltungskosten, einer maroden Infrastruktur und wachsender Unsicherheit kĂ€mpfen, trĂ€umen die GrĂŒnen vom Schwimmen in der Spree und gendergerechter Sprache. Dass nicht einmal die eigene Basis bereit ist, fĂŒr solche Visionen an einem Samstagmorgen aufzustehen, sollte der ParteifĂŒhrung mehr zu denken geben als jede Wahlumfrage.

Deutschland braucht Parteien, die sich den realen Problemen stellen – der Sicherheitslage, der wirtschaftlichen WettbewerbsfĂ€higkeit, dem Erhalt traditioneller Werte und einer funktionierenden Infrastruktur. Wer stattdessen 350.000 Euro fĂŒr eine Veranstaltung ausgibt, zu der kaum jemand kommt, hat offenbar den Kontakt zur Wirklichkeit verloren. Die Berliner GrĂŒnen haben am Samstag unfreiwillig demonstriert, was viele BĂŒrger lĂ€ngst ahnen: Diese Partei hat fertig.

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