Kettner Edelmetalle
01.10.2026
21:43 Uhr
KI-generiert

Zins-Poker in Washington: Jobdaten stark – und trotzdem keine Erhöhung?

Zins-Poker in Washington: Jobdaten stark – und trotzdem keine Erhöhung?
Symbolbild: KI-generiert

An diesem Freitag veröffentlicht das US-Arbeitsministerium den Arbeitsmarktbericht für September, und die Wall Street wartet nervös darauf. Christopher Hodge, US-Chefökonom der französischen Investmentbank Natixis, nimmt den Erwartungen schon vorab etwas Luft: Selbst ein überraschend starker Jobbericht mache eine Zinserhöhung der Fed im Oktober nicht automatisch wahrscheinlicher. Entscheidend sei etwas anderes.

Nach dem Job-Feuerwerk droht die Ernüchterung

Der August hatte die Märkte kalt erwischt. Laut offiziellen Zahlen entstanden außerhalb der Landwirtschaft 162.000 neue Stellen, erwartet hatten Volkswirte nur rund 55.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent.

Ein solches Tempo hält Hodge nicht für dauerhaft. Für September rechnet er mit etwa 60.000 neuen Jobs, der Dreimonatsschnitt läge damit bei 81.000. Die Rekordzuwächse im Gastgewerbe und bei den Kommunen würden sich nach seiner Einschätzung wieder normalisieren. In Industrie und Bau erwartet er dagegen weiter solides Wachstum. Der Grund ist der Bauboom bei Rechenzentren, mit dem die KI-Euphorie Beton und Stahl verschlingt.

Die Angst der Arbeitnehmer

Unter der robusten Oberfläche sieht der Ökonom Risse. Die Löhne stiegen nur verhalten, und in Umfragen zeigten sich viele Beschäftigte skeptisch, ob es genug Stellen gebe. Dass die Arbeitslosenquote trotzdem so stabil blieb, liege vor allem an einem schrumpfenden Arbeitskräfteangebot.

Normalisiere sich die Erwerbsbeteiligung weiter, dürfte die Quote laut Hodge auf gerundet 4,2 Prozent steigen. Beunruhigen müsse das niemanden. Klingt paradox? Am US-Arbeitsmarkt ist das derzeit eher die Regel als die Ausnahme.

Inflation bleibt der Endgegner

Was das für die Notenbank bedeutet, liegt auf der Hand. Die Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh hatte Mitte September zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren die Zinsen erhöht, und zwar auf eine Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent. Medienberichten zufolge rechnen 16 von 18 Notenbankern bis Jahresende mit mindestens einem weiteren Schritt.

Die Gründe sind bekannt: Trumps Importzölle, der Ölpreisschock infolge des Kriegs mit dem Iran und Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz. Ausgerechnet der Präsident, der niedrigere Preise versprochen hatte, liefert damit die Zutaten für hartnäckige Teuerung.

Natixis zufolge hat die Inflation für die Fed weiterhin oberste Priorität. Falkenhaft würde es nach Hodges Einschätzung erst, wenn ein heißlaufender Arbeitsmarkt zusätzlichen Preisdruck erzeugt. Deshalb schaut er vor allem auf die Stundenlöhne. Für September rechnet er hier mit einem eher müden Plus von rund 0,3 Prozent zum Vormonat.

Die Formel für eine Zinserhöhung

Starke Jobzahlen allein reichen aus Hodges Sicht also nicht. Damit der Druck wächst, müssten drei Dinge zusammenkommen:

  • eine höhere Erwerbsbeteiligung,
  • eine stabile Arbeitslosenquote,
  • spürbar steigende Löhne.

Fielen die Daten dagegen deutlich schwächer aus, würde die Latte für eine noch akzeptable Inflationszahl am 14. Oktober tiefer liegen.

Midterms als heimlicher Taktgeber

Im Offenmarktausschuss sieht Hodge eine echte Spaltung darüber, wohin sich die Inflation tatsächlich bewegt. Solange die Verbraucherpreise nicht überraschend und auf breiter Front zulegten, sei eine Pause im Oktober der bequemste Weg. Im Dezember könne man die Lage dann neu bewerten.

Pikant ist der Kalender. Weniger als eine Woche nach der Oktober-Sitzung wählen die Amerikaner bei den Midterms ihren Kongress neu. Politisch kompromittiert sei die Fed nicht, betont Hodge. Stehe die Entscheidung aber auf der Kippe, sei eine Pause wohl der klügste Weg, um politischen Gegenwind zu vermeiden. Beobachter dürften sich ihren Teil denken: Die viel beschworene Unabhängigkeit der Notenbank bekommt in Wahlkampfzeiten offenbar einen Fahrplan.

Was das für Sparer bedeutet

Die Inflation sitzt fest, die Notenbank zögert, und die Politik gibt den Takt vor. Für Anleger diesseits des Atlantiks ist das ein Warnsignal, zumal auch in Europa die Staatsverschuldung weiter steigt. Wer sein Erspartes vor schleichender Entwertung schützen will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Sie hängen nicht vom Wohlwollen einer Zentralbank ab.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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