Kettner Edelmetalle
04.08.2026
17:27 Uhr
KI-generiert

Wenn Vermieten zur Zumutung wird: Wie der Staat den Wohnungsmarkt selbst ruiniert

Wenn Vermieten zur Zumutung wird: Wie der Staat den Wohnungsmarkt selbst ruiniert
Symbolbild: KI-generiert

Drei Jahre keine Miete, ein zermĂŒrbender Rechtsstreit, am Ende die Privatinsolvenz des Mieters – und ein Vermieter, der auf rund 100.000 Euro Anwaltskosten sitzenbleibt. Was klingt wie ein juristisches Kuriosum, ist in Deutschland lĂ€ngst zur bitteren RealitĂ€t einer ganzen EigentĂŒmergeneration geworden. Der betreffende Mietnomade war, man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen, selbst Rechtsanwalt. Er kannte die Klaviatur der Verfahrensverzögerung. Sein Vermieter denkt inzwischen darĂŒber nach, das Kapitel Vermietung endgĂŒltig zu schließen.

Sechs von zehn Privatvermietern wollen raus

Er ist damit alles andere als allein. Einer Umfrage unter 26.000 privaten Vermietern zufolge erwĂ€gen sechzig Prozent, ihre Objekte abzustoßen. Sechzig Prozent! Das ist kein Stimmungstief, das ist eine KapitulationserklĂ€rung eines ganzen Marktsegments. Und man sollte sich klarmachen, um wen es hier geht: Nicht um anonyme Fondsmanager in GlaspalĂ€sten, sondern um Handwerksmeister, Ärzte, Beamte, Rentner – Menschen, die ĂŒber Jahrzehnte gespart, gebaut, saniert haben. Sie besitzen deutlich mehr als die HĂ€lfte aller Mietwohnungen in diesem Land. Wenn sie gehen, kollabiert das Fundament.

Ein Jahrhundert Mieterschutz – und immer noch kein Ende

Der Blick zurĂŒck ist lehrreich. Bereits 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, erließ die Reichsregierung eine allgemeine Mieterschutzverordnung – nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern um die Kriegsbereitschaft der Bevölkerung zu stabilisieren. 1936 folgte ein Mietenstoppgesetz im Zuge der Kriegsvorbereitung, das in abgewandelter Form bis 1990 in der DDR fortwirkte. In der Bundesrepublik markierten die WohnraumkĂŒndigungsschutzgesetze der frĂŒhen Siebzigerjahre die nĂ€chste Etappe. Jedes Mal lautete die BegrĂŒndung gleich: Schutz des kleinen Mannes vor dem bösen „Miethai“.

Das Muster wiederholt sich mit erstaunlicher ZuverlĂ€ssigkeit. Und jedes Mal verschiebt sich die Balance ein StĂŒck weiter – zulasten derer, die Wohnraum ĂŒberhaupt erst bereitstellen.

Hubigs nÀchste VerschÀrfungsrunde

Justizministerin Stefanie Hubig legt nun nach. Geplant sei ein deutlich strengerer Preisdeckel fĂŒr möblierte Wohnungen, dazu eine neue Schonfrist bei Nichtzahlung der Miete. Letzteres bedeutet im Klartext: RĂ€umungsverfahren, die schon heute Monate bis Jahre verschlingen, werden weiter bĂŒrokratisiert. Das Risiko des Zahlungsausfalls landet noch stĂ€rker beim EigentĂŒmer. ZusĂ€tzlich sollen die Anpassungsmöglichkeiten bei Indexmieten und die Preisgestaltung bei KurzzeitvertrĂ€gen beschnitten werden.

„Ein Misstrauensvotum gegen die Millionen vermietenden Privatpersonen“ – so bewertet Kai Warnecke, PrĂ€sident von Haus & Grund Deutschland, die PlĂ€ne.

Treffender lĂ€sst es sich kaum formulieren. Wer Eigentum grundsĂ€tzlich als verdĂ€chtig behandelt, muss sich nicht wundern, wenn EigentĂŒmer die Lust verlieren. Hinzu kommt ein Dickicht klimapolitischer Vorschriften, das sich in Wortungeheuern wie dem „Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz“ manifestiert. Man reibt sich die Augen: Da wurde tatsĂ€chlich ein Gesetz erfunden, das die Aufteilung von CO₂-Kosten zwischen Mieter und Vermieter regelt. BĂŒrokratie als Selbstzweck, in Reinform.

Die Rechnung zahlt am Ende der Mieter

Der Deutsche Mieterbund beklagt bereits jetzt ein Defizit von 1,4 Millionen Wohnungen. 400.000 neue Einheiten pro Jahr mĂŒssten bis 2030 entstehen. Erreicht wird davon nicht annĂ€hernd die HĂ€lfte. Selbst die großen Konzerne kĂ€mpfen: Vonovia schrieb 2024 fast eine Milliarde Euro Verlust und kehrte erst 2025 in die schwarzen Zahlen zurĂŒck. Wenn nun parallel die privaten Anbieter das Feld rĂ€umen, ist der Ausgang absehbar. Knappheit treibt Preise. Immer. Überall. Politische Wunschdenkerei Ă€ndert daran nichts.

Und so entsteht ein Paradox, das eigentlich keines ist: Je lauter der Staat den Mieterschutz beschwört, desto hĂ€rter trifft es die Mieter. Wer keine Wohnung findet, hat vom besten KĂŒndigungsschutz der Welt nichts. Ein Mieterschutz, der ĂŒber das Ziel hinausschießt, verwandelt Vermietung in ein FrustgeschĂ€ft – und FrustgeschĂ€fte werden aufgegeben.

Was es brÀuchte

Entlastung statt GĂ€ngelung. Schnelle, bezahlbare RĂ€umungsverfahren statt jahrelanger Prozesslotterie. Und vor allem: staatliche ZurĂŒckhaltung, damit marktwirtschaftliche Mechanismen ĂŒberhaupt wieder greifen können. Doch von einer Regierung, die parallel ein 500-Milliarden-Sondervermögen auflegt und Klimaziele ins Grundgesetz schreibt, ist ordnungspolitische Demut kaum zu erwarten. Stattdessen wird weiter reguliert, gedeckelt und umverteilt – auf Kosten jener, die noch Substanz besitzen.

Wer sein Vermögen langfristig sichern will, kommt an dieser Erkenntnis nicht vorbei: Wo der Zugriff des Gesetzgebers auf eine Anlageklasse Jahr fĂŒr Jahr wĂ€chst, sinkt deren VerlĂ€sslichkeit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen keine Mietnomaden, keine Mietpreisbremse und kein Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz. Sie liegen im Tresor – unbeeindruckt von MinisterialentwĂŒrfen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio erfĂŒllen sie genau jene Funktion, die Immobilien fĂŒr viele einst hatten: greifbare Substanz jenseits politischer WillkĂŒr.


Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Leserin und jeder Leser ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr getroffene Anlageentscheidungen selbst. FĂŒr steuerliche oder juristische Fragen empfehlen wir ausdrĂŒcklich die Konsultation eines qualifizierten Steuer- oder Rechtsberaters. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den wird nicht ĂŒbernommen.

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