
Wenn ein gestrandeter Wal zum ârechtsextremen Kulturkampf" mutiert: Die absurde Welt der Amadeu-Antonio-Stiftung

Es gibt Momente, in denen man sich fragt, ob man die Schlagzeile richtig gelesen hat. Die Amadeu-Antonio-Stiftung, jene staatlich alimentierte NGO mit ausgeprĂ€gter Vorliebe fĂŒr die Etikettierung politischer Gegner, hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: Sogar die öffentliche Anteilnahme am Schicksal eines gestrandeten Buckelwals wird inzwischen als ârechtsextremer Kulturkampf" gebrandmarkt. Man muss diesen Satz tatsĂ€chlich zweimal lesen, um seine ganze AbsurditĂ€t zu erfassen.
Der Wal als angebliches âantidemokratisches Mobilisierungsmoment"
In einem Instagram-Post, der an intellektueller Verstiegenheit kaum zu ĂŒberbieten ist, erklĂ€rte die Stiftung den Fall des Buckelwals âTimmy" â auch bekannt als âHope" â zu einer âdeutschlandweiten ProjektionsflĂ€che" eines âverschwörungsideologischen, rechtsextremen Spektrums". Die Forderungen besorgter BĂŒrger, dem geschwĂ€chten Tier zu helfen, hĂ€tten sich angeblich âmit klassischer rechtsextremer Rhetorik" verbunden. Aus Tierschutz sei âSkepsis gegenĂŒber Wissenschaft und demokratischen Institutionen" geworden.
Wer sich nun fragt, wie um alles in der Welt die Sorge um einen verirrten MeeressĂ€uger plötzlich zur Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung mutieren konnte, dem sei gesagt: In der Logik dieser Stiftung ist offenbar alles, was nicht ihrem Weltbild entspricht, irgendwie ârechts". Die Wal-Anteilnehmer wĂŒrden, so die Stiftung weiter, an âWutbĂŒrger*innen-Gruppierungen vergangener Jahre" erinnern â an âQuerdenker*innen" oder die Bauernproteste gegen die einstige Ampelregierung. Dass die Bauern damals zu Recht fĂŒr ihre Existenz auf die StraĂe gingen, dĂŒrfte man in diesen Kreisen freilich anders sehen.
Wenn Empathie zum Verdachtsmoment wird
Was hier passiert, ist symptomatisch fĂŒr einen bestimmten Typus politisch-aktivistischer Organisationen, die jeden Funken zivilgesellschaftlichen Engagements, der nicht aus ihrem eigenen Milieu stammt, sofort unter Generalverdacht stellen. Ein Wal strandet vor der Insel Poel, Menschen empfinden MitgefĂŒhl, KI-generierte Songs verbreiten sich, sogar SĂ€ngerin Sarah Connor und Greenpeace Ă€uĂern sich â und schon wittert die Stiftung ârechtsextreme Vereinnahmung". Die schlichte Möglichkeit, dass Tierliebe ein zutiefst menschliches, parteiunabhĂ€ngiges GefĂŒhl sein könnte, scheint ihrem ideologischen Raster nicht zu passen.
Hintergrund war die Strandung des Buckelwals vor der mecklenburgischen KĂŒste. Fachleute hatten zunĂ€chst vor Rettungsversuchen gewarnt, da der Stress fĂŒr das geschwĂ€chte Tier erheblich sei. SchlieĂlich erlaubte die Landesregierung eine privat finanzierte Rettungsaktion, die Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) spĂ€ter als Erfolg verbuchte. Allerdings könnte das Tier laut Meeresbiologen mittlerweile bereits verendet sein. Backhaus, so die Stiftung in herrlichem Duktus, sei âeingeknickt vor dem rechtsextremen Mob".
Eine NGO mit selbsterklÀrtem Wahrheitsmonopol
Besonders pikant wird die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, in welchem Kontext die Stiftung selbst zuletzt in den Schlagzeilen stand. An einer Oberschule im sĂ€chsischen Schleife mussten zwei Mitarbeiterinnen der sozialistischen Jugendorganisation âDie Falken" einen Workshop abbrechen, nachdem sie MinderjĂ€hrigen pornografisches Material gezeigt hatten. Das Projekt wurde â man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen â von der Amadeu-Antonio-Stiftung finanziell gefördert. Eine Organisation, die sich anmaĂt, der âInitiative" zur Wal-Rettung mangelnde Expertise vorzuwerfen, wirft Fragen zu ihrer eigenen Eignung als moralische Richterin auf.
Dass diese Stiftung sich zu erheblichen Teilen aus öffentlichen Mitteln finanziert, also vom deutschen Steuerzahler bezahlt wird, dĂŒrfte vielen BĂŒrgern gehörig sauer aufstoĂen. WĂ€hrend Familien, MittelstĂ€ndler und Handwerksbetriebe unter explodierenden Kosten Ă€chzen, flieĂen Millionen in NGOs, deren primĂ€re TĂ€tigkeit darin zu bestehen scheint, halb Deutschland mit Etiketten wie ârechtsextrem", âverschwörungsideologisch" oder âantidemokratisch" zu versehen.
Die wahre Dimension der Entgleisung
Die eigentlich beunruhigende Botschaft hinter diesem grotesken Vorgang ist nicht der Inhalt eines einzelnen Instagram-Posts. Es ist die SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der eine staatlich geförderte Stiftung jegliche bĂŒrgerliche Regung, die nicht ihrem politischen Weltbild entspricht, in die rechtsextreme Ecke schiebt. Wenn schon die Anteilnahme an einem strandeten Wal als âantidemokratisches Mobilisierungsmoment" diffamiert wird, dann ist im Lande etwas gewaltig aus dem Lot geraten. Der Begriff âRechtsextremismus" wird durch solchen inflationĂ€ren Gebrauch nicht nur entwertet â er wird zur politischen Waffe gegen jeden missliebigen BĂŒrger.
Wer ehrliche Tierliebe nicht mehr von âKulturkampf" unterscheiden kann, dem ist der RealitĂ€tssinn schlicht abhandengekommen. Es wĂ€re an der Zeit, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz die staatliche Förderung solcher Organisationen einer grĂŒndlichen ĂberprĂŒfung unterzieht. Denn es kann nicht sein, dass deutsche Steuerzahler eine Stiftung mitfinanzieren, die ihnen am Ende vorwirft, schon das MitgefĂŒhl mit einem MeeressĂ€uger sei ein Akt der DemokratiegefĂ€hrdung.
Ein Land verliert seinen gesunden Menschenverstand
âTimmy" wird vermutlich in die Geschichte eingehen â nicht wegen seiner Rettung, sondern als Sinnbild fĂŒr eine politische Kultur, in der jede Empfindung, jeder BĂŒrger, jede unbequeme Meinung sofort in Schubladen gesteckt wird. Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack: Der Wal ist möglicherweise gestorben. Die ideologische Verirrung mancher steuergeldfinanzierter Organisationen lebt dagegen prĂ€chtig weiter. Und der gesunde Menschenverstand, der einst in Deutschland als selbstverstĂ€ndliche Tugend galt, scheint lĂ€ngst auf einer politischen Sandbank gestrandet zu sein â ohne Aussicht auf Rettung.










