Kettner Edelmetalle
03.10.2026
11:30 Uhr
KI-generiert

„Vertrauen zerstört“: Lilly-Chef rechnet mit der Merz-Regierung ab!

„Vertrauen zerstört“: Lilly-Chef rechnet mit der Merz-Regierung ab!
Symbolbild: KI-generiert

Für den Pharmastandort Deutschland ist das eine schallende Ohrfeige. In einem Interview mit einer großen deutschen Wirtschaftszeitung wirft Dave Ricks, Chef des US-Pharmariesen Eli Lilly, der Politik in Berlin Wortbruch vor. Die Folgen sind längst sichtbar: Das Milliardenwerk im rheinland-pfälzischen Alzey entsteht nur noch in halber Größe.

Ein Versprechen, das nicht gehalten wurde

Ende 2023 kündigte Lilly an, rund 2,3 Milliarden Euro in Alzey zu investieren. Dort sollen unter anderem die gefragten Abnehmspritzen produziert werden, nach Unternehmensangaben mit bis zu 1.000 Arbeitsplätzen. Damals warb die Ampel-Regierung mit ihrer Pharmastrategie um Investoren aus aller Welt.

Ricks sagt, er habe sich auf das Ziel der Vorgängerregierung verlassen, Deutschland zum attraktivsten Investitionsstandort Europas zu machen. Anfang Juni 2026 dann die Kehrtwende: Lilly halbierte die Investition. Das Werk soll 2027 trotzdem in Betrieb gehen, allerdings nur im Mindestumfang. Seine Bilanz fällt bitter aus:

„Dieses Versprechen wurde gebrochen. Das sagt mir: Für Deutschland ist die Pharmaindustrie im Vergleich zu anderen Branchen nicht wichtig.“

Und noch knapper: „Mein Vertrauen ist zerstört.“

Streitpunkt Zwangsrabatt

Im Mittelpunkt des Streits steht der Herstellerabschlag. Das ist ein Pflichtrabatt, den Pharmafirmen den gesetzlichen Krankenkassen auf ihre Medikamente gewähren müssen. Mit dem GKV-Spargesetz der schwarz-roten Koalition steigt er zum Jahreswechsel von 7 auf 15,5 Prozent. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) beziffert die Mehrbelastung der Branche allein für 2027 auf rund 4,1 Milliarden Euro.

Ricks verlangt deshalb, den Zwangsrabatt ganz abzuschaffen. Wörtlich sagte er: „so einfach ist das.“ Außerdem solle Deutschland mit seiner Politik dafür sorgen, dass etwa 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung in Medikamente fließen.

Die Standortklausel als Trostpflaster

Die Bundesregierung setzt auf eine sogenannte Standortklausel. Ein Fachgremium unter Leitung von IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis und IW-Direktor Michael Hüther legte dazu am 29. September seine Vorschläge vor. Wer in Deutschland forscht, klinische Studien durchführt, investiert, produziert und nach Tarif bezahlt, könnte den Abschlag demnach wieder auf bis zu 7 Prozent senken.

Das Muster ist bemerkenswert. Erst wird der Rabatt mehr als verdoppelt, dann soll die teilweise Rücknahme als Entgegenkommen gelten. Ricks überzeugt das nicht. Man spreche nun davon, gegenüber der Ausgangslage etwas besser zu werden. „Das begeistert mich nicht gerade.“

Kassen gegen Konzerne

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen die Sache ganz anders. Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband hatte die sogenannte Lex Lilly schon früher scharf kritisiert. Höhere Beiträge für Versicherte, mit denen am Ende höhere Pharmagewinne finanziert würden, seien aus ihrer Sicht keine gute Gesundheitspolitik.

Diese Sorge ist berechtigt, denn die Beiträge belasten Arbeitnehmer und Betriebe schon heute stark. Aus Sicht unserer Redaktion liegt die Ursache aber tiefer. Der Staat stopft Löcher, statt das Kassensystem grundlegend zu reformieren. Auch der vfa kritisiert, dass die neuen Belastungen mit keiner strukturellen Reform der GKV-Finanzierung verbunden seien.

Europa verliert den Anschluss

Ricks geht es nicht nur um Alzey. Er sieht den gesamten europäischen Pharmastandort in Gefahr:

„Als ich in der Branche anfing, war Europa führend in der Pharmaindustrie, heute nicht mehr. Dafür war nicht Pech verantwortlich, sondern schlechte Politik.“

Er warnt, dass Europa bei Forschung und Investitionen noch weiter hinter die USA und China zurückfallen könnte. Die Politik müsse den Wert von Innovation stärker anerkennen und bereit sein, für neue Medikamente auch zu bezahlen.

Für Bundeskanzler Friedrich Merz ist das eine unangenehme Botschaft. Er hatte eine Wirtschaftswende und mehr Verlässlichkeit für Investoren versprochen. Wenn ein Konzernchef nun öffentlich sagt, sein Vertrauen sei zerstört, stellt sich eine Frage: Wie viele Unternehmen ziehen ihre Konsequenzen still und leise, ohne vorher ein Interview zu geben?

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