
Teilzeit-Debatte: Union erntet Sturm der Entrüstung – doch hat sie nicht recht?

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ist kaum im Amt, da entfacht bereits ein Streit, der die Gemüter erhitzt. Der Wirtschaftsflügel der CDU wagt es, ein Tabu anzusprechen: den Rechtsanspruch auf Teilzeit. Was folgt, ist ein Aufschrei der üblichen Verdächtigen – allen voran Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD.
Der Vorstoß der Mittelstands-Union
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) hat einen Antrag für den CDU-Bundesparteitag formuliert, der es in sich hat. Der Rechtsanspruch auf Teilzeit soll künftig nur noch bei Vorliegen besonderer Gründe gewährt werden. Als legitime Gründe nennt die MIT die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen sowie berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungen. Ein durchaus vernünftiger Ansatz, möchte man meinen – schließlich kämpft Deutschland mit einem dramatischen Fachkräftemangel und einer Wirtschaft, die dringend mehr Arbeitskraft benötigt.
Doch kaum ist der Vorschlag auf dem Tisch, hagelt es Kritik von allen Seiten. Selbst aus den eigenen Reihen der CDU regt sich Widerstand. Man fragt sich unweigerlich: Hat Deutschland verlernt, unbequeme Wahrheiten zu diskutieren?
Schwesigs Konter: Typisch SPD?
Ministerpräsidentin Schwesig ließ es sich nicht nehmen, der Union via Stern eine Breitseite zu verpassen. „Die CDU ist nicht klug beraten, wenn sie ständig verkündet, dass die Menschen in Deutschland nicht genug arbeiten", so die SPD-Politikerin. Der Staat solle nicht zwischen „guten und schlechten Gründen" für Teilzeit unterscheiden.
Eine bemerkenswerte Aussage. Denn genau hier liegt der Kern des Problems: Wenn der Staat nicht mehr zwischen sinnvollen und weniger sinnvollen Entscheidungen differenzieren darf, wozu brauchen wir dann überhaupt noch politische Gestaltung? Schwesig fordert stattdessen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein Argument, das man seit Jahrzehnten hört – ohne dass sich substanziell etwas verbessert hätte.
Die unbequeme Realität
Deutschland leistet sich einen der großzügigsten Sozialstaaten der Welt. Gleichzeitig sinkt die durchschnittliche Arbeitszeit kontinuierlich. Während andere Nationen ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, diskutiert man hierzulande über die Vier-Tage-Woche und das Recht auf Faulheit – pardon, auf „Work-Life-Balance". Die Produktivität stagniert, die Wirtschaft schwächelt, und die Antwort der politischen Linken lautet: Bloß keine Einschränkungen!
„Dann werden sich mehr Menschen für eine Vollzeitstelle entscheiden"
– so Schwesigs optimistische Prognose. Doch die Erfahrung zeigt: Ohne Anreize oder sanften Druck ändert sich wenig. Die Hoffnung auf freiwillige Mehrarbeit ist naiv, wenn gleichzeitig jede Forderung nach mehr Leistung als Angriff auf die Arbeitnehmer gebrandmarkt wird.
Ein überfälliger Diskurs
Die Union hat mit ihrem Vorstoß einen wunden Punkt getroffen. Ja, es gibt legitime Gründe für Teilzeit – niemand bestreitet das. Doch ein pauschaler Rechtsanspruch ohne jede Einschränkung ist ein Luxus, den sich eine alternde Gesellschaft mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung schlicht nicht mehr leisten kann. Es ist höchste Zeit, dass Deutschland diese Debatte führt – auch wenn es wehtut.










