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19.10.2024
09:35 Uhr

Polizeieinsatz bei Lesung von Martin Sellner in Neu-Ulm

Am Freitagabend kam es in Neu-Ulm zu einem bemerkenswerten Vorfall: Die Polizei stĂŒrmte eine Lesung des rechten Autors Martin Sellner, konnte jedoch dessen Festnahme nicht realisieren, da dieser unbemerkt entkam. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die zunehmenden Spannungen zwischen konservativen Akteuren und staatlichen Behörden.

Flucht mit Covid-Maske

Die Lesung, die sich thematisch mit dem kontroversen Thema der Remigration beschĂ€ftigte, wurde bereits im Vorfeld von der Stadt Ulm kritisch beĂ€ugt. Ulms OberbĂŒrgermeister Martin Ansbacher hatte im Vorfeld ein Aufenthaltsverbot fĂŒr Sellner in der Stadt angekĂŒndigt. Sellner, der als ehemaliger Sprecher der IdentitĂ€ren Bewegung bekannt ist, hatte seine Lesung jedoch in das benachbarte Neu-Ulm verlegt.

Als die Polizei den Veranstaltungsort betrat, war Sellner bereits untergetaucht. In einem spÀteren Beitrag auf der Plattform X erklÀrte Sellner, dass ihm eine Covid-Maske bei der Flucht geholfen habe. Er soll den Polizeieinsatz von einem versteckten Ort aus beobachtet und die Lesung nach dem Abzug der Beamten fortgesetzt haben.

Reaktionen und Konsequenzen

Der Polizeieinsatz fĂŒhrte zur RĂ€umung des Veranstaltungsortes, wobei etwa 40 GĂ€ste das GebĂ€ude verlassen mussten. Zwei Personen erhielten Platzverweise. Die Polizei begrĂŒndete die Auflösung der Veranstaltung mit dem Fehlen einer Schankgenehmigung und mangelnden Fluchtwegen.

Sellner kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf und sprach von "massiver, ungerechtfertigter Repression" gegen die Meinungsfreiheit. Er forderte die RĂŒckgabe seiner beschlagnahmten Erlöse aus dem Buchverkauf und bezeichnete die Aktion als Diebstahl.

Politische und gesellschaftliche Spannungen

Neu-Ulms OberbĂŒrgermeisterin Katrin Albsteiger hingegen lobte das Vorgehen der Polizei. Sie betonte, dass die Beamten "konsequent, professionell und mit dem richtigen GespĂŒr" gehandelt hĂ€tten. Die Veranstaltung wurde zudem von bis zu 80 Gegendemonstranten begleitet, die mit Antifa-Transparenten und Regenbogenflaggen gegen Sellner und seine Ansichten protestierten.

Auch in Ulm versammelten sich etwa 100 Demonstranten, um gegen Rechts zu protestieren. Die Demonstrationen zeigten Transparente mit Aufschriften wie "Keine BĂŒhne den Rechten" und "Refugees Welcome".

Weitere PlÀne und internationale Dimensionen

Sellner kĂŒndigte an, seine Lesereise in der Schweiz fortzusetzen, obwohl das Bundesamt fĂŒr Polizei (Fedpol) ein Einreiseverbot fĂŒr den Zeitraum vom 10. bis 27. Oktober ausgesprochen hatte. Bereits im MĂ€rz war es zu einer Ă€hnlichen Situation gekommen, als Sellner trotz eines Einreiseverbots medienwirksam mit einem Schlauchboot ĂŒber den Bodensee in die Schweiz gelangte.

Dieser Vorfall zeigt einmal mehr die tiefen gesellschaftlichen und politischen GrĂ€ben, die sich in Deutschland auftun. WĂ€hrend konservative Stimmen wie Sellner immer wieder auf staatliche Repression stoßen, feiern linke und progressive KrĂ€fte solche EinsĂ€tze als Erfolg im Kampf gegen Rechts.

Die Frage bleibt, wie lange die deutsche Gesellschaft diese Spaltung noch ertragen kann und welche Konsequenzen dies fĂŒr die Meinungsfreiheit und die politische Kultur im Land haben wird.

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