Kettner Edelmetalle
20.02.2026
19:29 Uhr

Martensteins Hamburger Rede: Ein Weckruf, der nicht weit genug ging

Der Kolumnist Harald Martenstein hat mit seiner vielbeachteten Rede in Hamburg einen Nerv getroffen – und doch, so scheint es, nur die halbe Wahrheit ausgesprochen. Was er sagte, war mutig. Was er verschwieg, wĂ€re notwendig gewesen. Denn die Diagnose der deutschen Misere verlangt mehr als elegante Rhetorik; sie verlangt schonungslose Klarheit.

Der richtige Befund – aber nur zur HĂ€lfte

Martenstein legte in seiner Ansprache den Finger in eine offene Wunde: Jene politischen KrĂ€fte, die lautstark das Verbot einer demokratisch legitimierten Partei fordern, treten dabei selbst genau jene Prinzipien mit FĂŒĂŸen, die sie angeblich verteidigen wollen. Grundgesetz und demokratische Spielregeln werden von denjenigen ausgehöhlt, die sich als deren HĂŒter inszenieren. Eine Partei, die auf legalem Wege fĂŒr legale politische Ziele eintritt, soll aus dem politischen Wettbewerb gedrĂ€ngt werden – nicht mit besseren Argumenten, sondern mit dem Instrumentarium der Ausgrenzung und Diffamierung. Soweit, so treffend.

Doch was Martenstein offenbar nicht ausfĂŒhren wollte oder konnte: Die inhaltlichen Positionen der AfD sind keineswegs jenes demokratiegefĂ€hrdende Gift, als das sie von Medien und politischen Gegnern permanent dargestellt werden. Im Gegenteil. Sie adressieren exakt jene Probleme, die Millionen Deutsche Tag fĂŒr Tag am eigenen Leib erfahren.

Die brennenden Fragen, die niemand stellen will

Man muss sich die Lage einmal nĂŒchtern vor Augen fĂŒhren. Eine außer Kontrolle geratene Migrationspolitik hat die innere Sicherheit in Deutschland auf ein Niveau sinken lassen, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wĂ€re. Messerangriffe, GewaltkriminalitĂ€t, ĂŒberforderte Kommunen – die Symptome sind unĂŒbersehbar, doch die etablierten Parteien weigern sich beharrlich, die Ursachen beim Namen zu nennen. Wer es dennoch tut, wird reflexartig in die rechtsextreme Ecke gestellt. Ein Mechanismus, der so durchschaubar wie wirksam ist.

Die Energiepreise? Durch eine ideologiegetriebene Klima- und Energiepolitik in Höhen geschossen, die ganze Industriezweige zur Abwanderung treiben. Die BĂŒrokratie? Ein Moloch, der jede unternehmerische Initiative im Keim erstickt. Die Staatsverschuldung? Astronomisch – und durch das jĂŒngst beschlossene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz wird sie noch weiter explodieren. Generationen werden die Zinslast dieser Politik schultern mĂŒssen. Und das, obwohl der Kanzler einst versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen. Versprechen gebrochen, Vertrauen verspielt.

Zensur statt Debatte

Besonders beunruhigend ist die schleichende EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit. Ein Zensur- und Überwachungsregime, das den Kern jeder funktionierenden Demokratie – den freien Wettstreit der Ideen – immer weiter aushöhlt. Wer unbequeme Wahrheiten ausspricht, riskiert gesellschaftliche Ächtung, berufliche Konsequenzen oder gar juristische Verfolgung. Ist das noch die freiheitliche Grundordnung, auf die sich die Gegner der AfD so gerne berufen?

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Deutschland die AfD braucht – sondern ob diese Republik es sich leisten kann, die einzige Partei mundtot zu machen, die die drĂ€ngendsten Probleme des Landes ĂŒberhaupt noch beim Namen nennt.

Das Publikum: Ein Spiegelbild der Selbstgerechtigkeit

Bezeichnend war auch die Reaktion des Hamburger Publikums. Die fassungslosen, teils wĂŒtenden Gesichter jener Zuhörer, die es offenbar nicht ertragen konnten, mit der RealitĂ€t konfrontiert zu werden, sprachen BĂ€nde. Ein Milieu, das sich moralisch ĂŒberlegen fĂŒhlt, aber keinen einzigen Migranten in den eigenen vier WĂ€nden beherbergen wĂŒrde – diese Doppelmoral ist symptomatisch fĂŒr den Zustand der deutschen Debattenkultur. Man predigt Toleranz und praktiziert Ausgrenzung. Man fordert Vielfalt und duldet keine abweichende Meinung.

Martenstein hat Mut bewiesen, keine Frage. Seine Rede war rhetorisch brillant und taktisch klug. Doch Klugheit allein reicht nicht mehr. Deutschland braucht Politiker und Publizisten, die bereit sind, die ganze Wahrheit auszusprechen – auch wenn sie unbequem ist. Auch wenn sie den Beifall der Feuilletons kostet. Denn die Probleme dieses Landes lösen sich nicht durch elegante Reden, sondern durch entschlossenes Handeln. Und solange die etablierten Parteien dazu nicht willens oder in der Lage sind, wird die Sehnsucht der BĂŒrger nach einer echten Alternative weiter wachsen – ob es dem politischen Establishment gefĂ€llt oder nicht.

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