Kettner Edelmetalle
08.04.2026
18:30 Uhr

Journalistenpreis fĂŒr Berlins Queer-Beauftragten: Wenn der Feind der Pressefreiheit geehrt wird

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Mann, der Journalistinnen als „HĂŒndinnen" beschimpfte, der Strafanzeigen gegen Medienschaffende wegen ihrer Berichterstattung erstattete und der ein ganzes Magazin öffentlich als „Schundblatt" diffamierte – ausgerechnet dieser Mann soll nun einen Journalistenpreis erhalten. Die Realsatire, die sich in der Bundeshauptstadt Berlin mittlerweile als politischer Alltag tarnt, hat damit einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der PreistrÀger und seine Verdienste um die Pressefreiheit

Alfonso Pantisano, seines Zeichens Queer-Beauftragter des Landes Berlin und SPD-Mann, wurde von den Werken der Diakonie in Baden und WĂŒrttemberg mit deren jĂ€hrlichem Journalistenpreis ausgezeichnet. Der Anlass: ein Text ĂŒber das Leben der Kinder italienischer Gastarbeiter. Im Juli soll die feierliche Ehrung stattfinden, garniert mit einem Preisgeld von 2.500 Euro. Die Jury schwĂ€rmte, der Autor schaffe es, „das Schicksal seiner eigenen Familie packend nachzuzeichnen, aufzuklĂ€ren und zu sensibilisieren".

Packend nachzeichnen – das kann Pantisano zweifellos. Allerdings weniger in literarischer Hinsicht als vielmehr, wenn es darum geht, missliebige Journalisten ins Fadenkreuz zu nehmen. Denn was die Jury offenbar geflissentlich ĂŒbersah, ist ein Vorleben, das mit journalistischer WertschĂ€tzung so viel gemein hat wie ein Zensor mit einem Verleger.

„HĂŒndinnen" und „Notdurft" – Pantisanos Vokabular gegenĂŒber der Presse

Die Entgleisungen des Berliner Queer-Beauftragten gegenĂŒber Medienvertretern sind dokumentiert und bundesweit bekannt geworden. Journalistinnen des feministischen Magazins Emma bezeichnete er als „HĂŒndinnen", deren journalistische Arbeit verglich er mit „Notdurft". Das Magazin selbst sei ein „Schundblatt" und „nichts wert". Man stelle sich nur einen Moment lang vor, ein konservativer Politiker hĂ€tte sich derart vulgĂ€r ĂŒber eine feministische Publikation geĂ€ußert – der mediale Sturm der EntrĂŒstung wĂ€re orkanartig gewesen, RĂŒcktrittsforderungen hĂ€tten sich ĂŒberschlagen, und sĂ€mtliche Talkshows der Republik hĂ€tten tagelang ĂŒber nichts anderes gesprochen.

Doch bei Pantisano? Stille. Mehr noch: ein Journalistenpreis. Die Ironie könnte kaum bitterer schmecken.

Anzeigen gegen Journalisten – im Namen des Staates

Was als verbale Entgleisung hĂ€tte abgetan werden können, erhielt durch Pantisanos weiteres Vorgehen eine weitaus bedrohlichere Dimension. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt als Queer-Beauftragter erstattete er Strafanzeigen gegen Journalisten – und zwar wegen deren Berichterstattung. Der konkrete Anlass: Das Medium Nius hatte eine Dokumentation unter dem Titel „Trans ist Trend" veröffentlicht, die verschiedene Aspekte des Transgender-Themas kritisch beleuchtete. Pantisano erstattete daraufhin Anzeigen wegen Volksverhetzung.

Das Brisante daran: Er tat dies nicht als Privatperson, sondern in seiner offiziellen Funktion als Vertreter der Berliner Landesregierung. Die Senatsverwaltung bestĂ€tigte dies seinerzeit. Ein staatlicher Beauftragter, der seine Amtsgewalt nutzt, um kritische Berichterstattung juristisch zu bekĂ€mpfen – in einer funktionierenden Demokratie sollte so etwas eigentlich alle Alarmglocken schrillen lassen. Stattdessen gibt es einen Preis.

Die Diakonie als willfÀhrige Preisverleiher

Dass ausgerechnet eine kirchliche Organisation einem Mann einen Journalistenpreis verleiht, dessen VerhĂ€ltnis zur Pressefreiheit bestenfalls als gestört bezeichnet werden kann, wirft Fragen auf, die weit ĂŒber den Einzelfall hinausreichen. Die evangelische Diakonie, einst HĂŒterin christlicher Werte und NĂ€chstenliebe, scheint sich in den vergangenen Jahren zunehmend dem Zeitgeist anzubiedern. Statt kritisch zu prĂŒfen, wen man da eigentlich ehrt, wird offenbar nur noch geschaut, ob die ideologische Grundierung stimmt.

Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte deutsche Institutionenlandschaft zieht: Wer die richtigen Schlagworte bedient, wer sich im Kosmos der IdentitĂ€tspolitik heimisch fĂŒhlt und wer die passenden Netzwerke pflegt, der wird belohnt – ungeachtet seines tatsĂ€chlichen Verhaltens gegenĂŒber demokratischen Grundprinzipien. Die Pressefreiheit, jene vierte Gewalt, die in einer Demokratie als unverzichtbare Kontrollinstanz fungiert, wird dabei zur Verhandlungsmasse degradiert.

Ein Symptom einer tieferen Krise

Der Fall Pantisano ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer beunruhigenden Entwicklung in Deutschland. Die Schaffung immer neuer Beauftragtenposten – vom Queer-Beauftragten ĂŒber den Antirassismus-Beauftragten bis hin zu diversen weiteren Sonderbeauftragten – hat eine Parallelstruktur geschaffen, die sich zunehmend verselbststĂ€ndigt. Diese Posten, finanziert vom Steuerzahler, dienen nicht selten weniger der Lösung realer Probleme als vielmehr der ideologischen Durchdringung des öffentlichen Raums.

WĂ€hrend in deutschen StĂ€dten die KriminalitĂ€t steigt, wĂ€hrend Messerangriffe zum traurigen Alltag geworden sind, wĂ€hrend die Wirtschaft schwĂ€chelt und der Mittelstand unter der Steuerlast Ă€chzt, leistet sich Berlin einen Queer-Beauftragten, der seine Arbeitszeit offenbar damit verbringt, Journalisten einzuschĂŒchtern und sich anschließend dafĂŒr feiern zu lassen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Ist das die PrioritĂ€tensetzung, die sich die BĂŒrger dieses Landes wĂŒnschen?

Die Antwort dĂŒrfte fĂŒr die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Deutschen eindeutig ausfallen. Doch in den Echokammern der Berliner Politblase scheint man davon nichts zu hören – oder nichts hören zu wollen. Stattdessen verleiht man sich gegenseitig Preise, klopft sich auf die Schulter und feiert die eigene moralische Überlegenheit. Es ist eine geschlossene Veranstaltung, bei der die Eintrittskarte nicht Leistung heißt, sondern Gesinnung.

Pressefreiheit als Einbahnstraße

Was der Fall Pantisano in aller Deutlichkeit offenbart, ist ein zutiefst selektives VerstĂ€ndnis von Pressefreiheit, das sich in bestimmten politischen Kreisen etabliert hat. Berichterstattung, die den eigenen Narrativen dient, wird bejubelt und prĂ€miert. Berichterstattung, die unbequeme Fragen stellt oder Themen kritisch beleuchtet, die als ideologisch sakrosankt gelten, wird mit Strafanzeigen und öffentlicher Diffamierung beantwortet. Es ist eine Pressefreiheit nach Gutsherrenart – gewĂ€hrt wird sie nur dem, der brav im Gleichschritt marschiert.

Dass ein solcher Mann nun ausgerechnet einen Journalistenpreis erhĂ€lt, ist nicht nur eine Farce – es ist eine Ohrfeige fĂŒr jeden Journalisten, der unter schwierigen Bedingungen versucht, seiner Aufgabe als kritischer Beobachter nachzukommen. Es ist eine Verhöhnung all jener Medienschaffenden, die sich nicht einschĂŒchtern lassen und die auch dann berichten, wenn es unbequem wird.

Deutschland braucht keine Beauftragten, die die Presse bekĂ€mpfen. Deutschland braucht eine freie, unabhĂ€ngige und mutige Presse, die sich von niemandem – und schon gar nicht von staatlich alimentierten Ideologen – den Mund verbieten lĂ€sst. Dass diese Erkenntnis bei den Verantwortlichen der Diakonie offenbar noch nicht angekommen ist, spricht BĂ€nde ĂŒber den Zustand unserer Institutionen.

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