Kettner Edelmetalle
29.01.2026
06:32 Uhr

GrĂŒne im Wahlkampfmodus: Wie eine Partei mit Falschbehauptungen Politik macht

GrĂŒne im Wahlkampfmodus: Wie eine Partei mit Falschbehauptungen Politik macht
Symbolbild: KI-generiert

Es ist ein Schauspiel, das man in der deutschen Politik leider nur allzu gut kennt: Eine Partei, die sich sonst als moralische Instanz geriert und lautstark gegen vermeintliche Desinformation wettert, greift selbst tief in die Trickkiste der Verdrehungen und Halbwahrheiten. Die GrĂŒnen haben in den vergangenen Tagen eindrucksvoll demonstriert, wie man einen sachlichen Vorschlag der politischen Konkurrenz in ein Zerrbild verwandelt, das mit der RealitĂ€t nur noch wenig gemein hat.

Der eigentliche Vorschlag: Differenziert und familienfreundlich

Was war geschehen? Die Mittelstandsunion unter FĂŒhrung der CDU-Politikerin Gitta Connemann hatte einen Parteitagsantrag mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" eingebracht. Der Kern des Vorschlags: Der pauschale Rechtsanspruch auf Teilzeit soll eingeschrĂ€nkt werden – wohlgemerkt nicht abgeschafft. FĂŒr Menschen mit triftigen GrĂŒnden wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder beruflicher Weiterbildung soll der Anspruch weiterhin bestehen bleiben. Es geht also mitnichten darum, Familien oder pflegende Angehörige zu benachteiligen, sondern darum, jene FĂ€lle einzudĂ€mmen, in denen Teilzeit ohne erkennbaren gesellschaftlichen Mehrwert beansprucht wird.

Man mag zu diesem Vorschlag stehen, wie man will. Die SPD-MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig etwa kritisierte, der Staat solle nicht zwischen guten und schlechten GrĂŒnden unterscheiden. Ihr Parteikollege Alexander Schweitzer merkte an, er kenne niemanden, der weniger arbeite, um mehr Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen. Das sind legitime EinwĂ€nde, die sich mit dem tatsĂ€chlichen Inhalt des Antrags auseinandersetzen.

Die grĂŒne Verdrehungsmaschinerie lĂ€uft auf Hochtouren

Ganz anders hingegen die GrĂŒnen. Die Bundesvorsitzende Franziska Brantner wetterte in den sozialen Medien gegen die Mittelstandsunion und suggerierte dabei geschickt, der Vorschlag richte sich gegen MĂŒtter, VĂ€ter und pflegende Angehörige. „Anstatt dem Land mit irgendwelchen Pflichtmaßnahmen stĂ€ndig eine angeblich fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen, sollte die Union lieber dafĂŒr sorgen, denen, die wollen – MĂŒttern, VĂ€tern oder pflegenden Angehörigen – Arbeit in Vollzeit zu ermöglichen", so Brantner. Eine rhetorisch geschickte Formulierung, die jedoch am Kern des Vorschlags vorbeigeht – denn genau diese Gruppen sind von der geplanten EinschrĂ€nkung explizit ausgenommen.

Noch weiter ging die Co-Vorsitzende der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, die auf der Plattform X behauptete, der WirtschaftsflĂŒgel der CDU zeige mit dem Begriff „Lifestyle-Teilzeit" vor allem eines: „keine Ahnung von der LebensrealitĂ€t von Frauen und Ă€lteren Menschen". Auch hier wird suggeriert, der Vorschlag ziele auf Frauen und Ältere ab – was schlicht nicht der Wahrheit entspricht.

Der Gipfel der Verdrehung

Den Vogel schoss jedoch der gesundheitspolitische Sprecher der GrĂŒnen, Janosch Dahmen, ab. Er behauptete allen Ernstes, die CDU wolle „Teilzeit-Arbeit" abschaffen, und folgerte daraus: „Familien haben von der Union nichts zu erwarten." Diese Aussage ist so weit von der RealitĂ€t entfernt, dass man sich fragen muss, ob hier bewusste IrrefĂŒhrung oder schlichte Unkenntnis am Werk ist. Vermutlich ersteres, denn die GrĂŒnen verstehen ihr politisches Handwerk durchaus.

Die Doppelmoral der selbsternannten WahrheitshĂŒter

Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man bedenkt, mit welcher Vehemenz die GrĂŒnen sonst gegen vermeintliche Falschinformationen vorgehen. Sie waren es, die den Digital Services Act der EU vorangetrieben haben, der soziale Medien zu schĂ€rferer Kontrolle von Inhalten verpflichtet. Sie sind es, die regelmĂ€ĂŸig strengere Gesetze gegen sogenannte Hassrede fordern. Und sie sind es, die ein Verbot der AfD unter anderem mit dem Argument begrĂŒnden, diese verbreite Desinformation.

Nun aber verbreiten ausgerechnet die GrĂŒnen selbst an vorderster Front nachweislich falsche Behauptungen ĂŒber einen politischen Vorschlag der Konkurrenz. Die Ironie könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein. Oder sollte man besser von Heuchelei sprechen?

Wahlkampf als ErklÀrung, nicht als Entschuldigung

Die ErklĂ€rung fĂŒr dieses Verhalten liegt auf der Hand: 2026 stehen fĂŒnf Landtagswahlen an. Bereits in wenigen Wochen mĂŒssen die GrĂŒnen in Baden-WĂŒrttemberg den Posten des MinisterprĂ€sidenten verteidigen – gegen die CDU unter Landeschef Manuel Hagel. In dieser Situation scheint jedes Mittel recht zu sein, um den politischen Gegner in ein schlechtes Licht zu rĂŒcken.

Doch Wahlkampf rechtfertigt keine Falschbehauptungen. Wer fĂŒr sich in Anspruch nimmt, die Demokratie gegen Populisten und Desinformation zu verteidigen, der muss sich an den eigenen MaßstĂ€ben messen lassen. Die GrĂŒnen versagen in dieser Hinsicht auf ganzer Linie. Sie betreiben genau jene Polarisierung, die sie anderen vorwerfen, und untergraben damit das Vertrauen in den politischen Diskurs.

Es bleibt zu hoffen, dass die WĂ€hler diese Taktik durchschauen. Denn eine Partei, die mit Falschbehauptungen Wahlkampf macht, hat das Vertrauen der BĂŒrger nicht verdient – ganz gleich, welche hehren Ziele sie sonst zu verfolgen vorgibt.

Wissenswertes zum Thema