
Gewalt in Arztpraxen: Lauterbach und Buschmann wollen Strafrecht verschÀrfen
Die zunehmende Gewalt in deutschen Arztpraxen hat niedergelassene Ărzte dazu veranlasst, einen Hilferuf an die Politik zu richten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Justizminister Marco Buschmann (FDP) haben nun angekĂŒndigt, das Strafrecht zu verschĂ€rfen, um das medizinische Personal besser zu schĂŒtzen.
Steigende Gewalt gegen medizinisches Personal
Wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Dienstag erklĂ€rte, mĂŒsse Gewalt und Gewaltandrohungen gegen Ărzte und PflegekrĂ€fte stĂ€rker bestraft werden. âUns droht so schon ein ganz massiver Arztmangel, Praxen können nicht wieder besetzt werden,â sagte Lauterbach. Gemeinsam mit dem Justizministerium arbeite man bereits an einem entsprechenden Gesetz.
Belastende Arbeitsbedingungen
Der Vorstandsvorsitzende der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, beklagte ebenfalls einen Anstieg von Gewalt gegenĂŒber Ărzten und PflegekrĂ€ften. âAggressives Verhalten, verbale Bedrohungen bis zu TĂ€tlichkeiten sind ein wachsendes Problem in den Arztpraxen,â sagte Gassen. Besonders betroffen seien oft die Arzthelferinnen.
Ein nationenĂŒbergreifendes PhĂ€nomen
Gassen wies darauf hin, dass die Aggressionen nicht nur von einer bestimmten Gruppe ausgingen. âZu den ĂbeltĂ€tern gehören Menschen mit Migrationshintergrund, FlĂŒchtlinge und Deutsche,â sagte er. Auch die Anzahl der Begleitpersonen, die oft fĂŒr Unruhe sorgten, sei ein wachsendes Problem.
Umfrageergebnisse bestÀtigen den Trend
Eine Umfrage der Ărztekammer Westfalen-Lippe (ĂKWL) im Mai zeigte, dass mehr als die HĂ€lfte der befragten Ărzte bereits Gewalt im Praxisalltag erfahren haben. Diese Entwicklung trage zweifellos zum FachkrĂ€ftemangel bei, so der Verband der niedergelassenen Ărzte.
Strafrechtliche Konsequenzen gefordert
KBV-Chef Gassen forderte, dass das Gesetz von Justizminister Marco Buschmann zum besseren Schutz von EinsatzkrĂ€ften auch auf Arztpraxen ausgeweitet werde. âEs sei ĂŒberfĂ€llig, das Strafgesetz an der Stelle zu verschĂ€rfen,â betonte Gassen.
Effektive Strafverfolgung notwendig
Die BundesĂ€rztekammer unterstĂŒtzt das Vorhaben und fordert neben schĂ€rferen Strafen auch eine effektive Verfolgung und AufklĂ€rung der Straftaten. âWir brauchen dringend AufklĂ€rungskampagnen, die deutlich machen, dass diese Menschen Retter und Helfer sind,â hieĂ es in einer Stellungnahme.
GrĂŒnde fĂŒr die Gewaltbereitschaft
Der Psychologe Michael Wiens kommentierte, dass Menschen in Stress- und Notsituationen oft mit Wut und AggressivitĂ€t reagieren wĂŒrden. âEmotionen haben immer eine Signalfunktion, dass bestimmte BedĂŒrfnisse nicht erfĂŒllt sind,â sagte Wiens.
PrĂ€ventive MaĂnahmen in Praxen
Ein niedergelassener Arzt im Ruhrgebiet berichtete, dass er seine Praxis mit Ăberfallknöpfen ausgestattet habe und plane, Selbstverteidigungs- und Deeskalationskurse fĂŒr sein Personal anzubieten. Auch PanikrĂ€ume fĂŒr Mitarbeiter seien denkbar.
Ein Vorfall in Berlin
Ein Vorfall in einer Berliner Notaufnahme in der Silvesternacht 2023 zeigt, dass auch Alkohol und Ungeduld eine Rolle spielen können. Mehrere alkoholisierte MĂ€nner griffen einen Arzt und einen Pfleger an, weil ihnen die Wartezeit zu lang war. Die Zahl der Rohheitsdelikte in medizinischen Einrichtungen ist laut einer âSpiegelâ-Umfrage seit 2019 um 20 Prozent gestiegen.
Die geplanten GesetzesĂ€nderungen von Lauterbach und Buschmann könnten ein wichtiger Schritt sein, um das medizinische Personal besser zu schĂŒtzen und die Arbeitsbedingungen in Arztpraxen zu verbessern.










