
Feuer nach dem Wahlsieg: Bekennerschreiben nennt AfD-Politiker

In der Altmark ist ein ĂŒber 200 Jahre altes StĂŒck Vereinsgeschichte in Flammen aufgegangen. In der Nacht zum 11. September brannte das SchĂŒtzenhaus in Klötze (Sachsen-Anhalt) nieder. Zwei Tage spĂ€ter tauchte im Netz ein anonymer Text auf, dessen Verfasser behaupten, das Feuer gelegt zu haben â als Ziel nennen sie einen AfD-Bundestagsabgeordneten.
100 Feuerwehrleute, sechsstelliger Schaden
Eine Polizeistreife entdeckte den Brand gegen 3.55 Uhr. Mehr als 100 Feuerwehrleute kÀmpften gegen die Flammen, der Versammlungsraum des Vereins wurde vollstÀndig zerstört. Die Polizei geht nach Medienberichten von einem Schaden im sechsstelligen Bereich aus.
Vernichtet wurde dabei nicht nur Inventar. Berichten aus der Region zufolge fielen dem Feuer auch historische Dokumente aus der mehr als zwei Jahrhunderte alten Geschichte des SchĂŒtzenvereins zum Opfer. Was Generationen bewahrt haben, war in einer Nacht Asche.
âFROHES NEUESâ in roter Farbe
An dem GebĂ€ude fanden die Ermittler einen mehrere Meter langen Schriftzug in roter Farbe: âFROHES NEUESâ. Laut Polizei war das Graffito am Vorabend noch nicht vorhanden. Zeugen berichteten zudem von einem niedergetretenen Zaun auf dem verschlossenen VereinsgelĂ€nde.
Am 13. September erschien auf zwei Internetplattformen des linken Spektrums derselbe anonyme Text. Darin heiĂt es:
âIn der Nacht auf den 11. September haben wir im Vereinsheim und Trainingsplatz des SchĂŒtzenvereins in Klötze einen Brand gelegt.â
Zur BegrĂŒndung verweisen die Verfasser auf den AfD-Abgeordneten Thomas Korell, der in dem Verein trainiert. Auch âbewaffneten Nazisâ lasse sich âdas Handwerk legenâ, behaupten sie weiter. Die Polizei bestĂ€tigte, das Schreiben sei bekannt und werde in die Ermittlungen einbezogen. Eine Brandstiftung könne derzeit weder bestĂ€tigt noch ausgeschlossen werden. Laut einem Bericht der âBildâ befasst sich inzwischen der Staatsschutz mit dem Fall.
FĂŒnf Tage nach dem politischen Erdbeben
Das Feuer brach fĂŒnf Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aus. Die AfD wurde dort mit 43,8 Prozent der Zweitstimmen mit Abstand stĂ€rkste Kraft, die CDU stĂŒrzte nach offiziellen Zahlen auf 17,2 Prozent ab â ein Minus von rund 20 Punkten. Im Wahlkreis Gardelegen-Klötze erreichte die AfD 42,0 Prozent; das Direktmandat ging mit 41,5 Prozent der Erststimmen an ihren Kandidaten Sebastian Koch.
Korell gehört dem Verein tatsĂ€chlich an. Nach Angaben regionaler Medien ist er dort unregelmĂ€Ăig aktiv, besitzt eine Waffenbesitzkarte und mehrere Langwaffen â alles legal, alles behördlich registriert.
Eine Statistik, die niemand gern zitiert
Wer glaubt, Gewalt von links sei ein RandphÀnomen, sollte in den amtlichen Zahlen nachlesen. Laut Verfassungsschutzbericht stieg die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten 2025 um 38,9 Prozent auf 8.133 Delikte. Die linksextremistischen Gewalttaten schnellten demselben Bericht zufolge um 60,9 Prozent auf 856 nach oben.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall Klötze ein Klima, in dem politische Gegnerschaft fĂŒr manche offenbar zur Lizenz fĂŒr Zerstörung wird. Kritiker bemĂ€ngeln seit Jahren, dass PrĂ€ventionsprogramme und öffentliche Debatten den Linksextremismus kleinreden. FĂŒr viele BĂŒrger auf dem Land ist ein SchĂŒtzenhaus kein politisches Symbol, sondern Heimat, Tradition, Ehrenamt.
Die Ermittlungen laufen. Bis zu einer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung gilt fĂŒr jeden Beschuldigten die Unschuldsvermutung â auch fĂŒr die anonymen Verfasser, deren Behauptungen bislang unbewiesen sind.
Dieser Beitrag gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.










