Kettner Edelmetalle
03.10.2026
09:20 Uhr
KI-generiert

Bahn-Debakel im September: Fast jeder zweite ICE kommt zu spät!

Im September kamen bei der Deutschen Bahn nur 52,4 Prozent der Fernzüge pünktlich an. Das teilte der bundeseigene Konzern Anfang Oktober mit. Es ist der zweitschlechteste Monatswert des Jahres 2026. Gleichzeitig ist seit Freitag mit Berlin–Hannover eine der wichtigsten ICE-Strecken des Landes gesperrt, und zwar für rund 14 Monate.

Die Quote ist schon geschönt

Schlimm genug ist die Zahl ohnehin. Sie wird aber noch schlechter, wenn man weiß, wie sie zustande kommt. Bei der Bahn gilt ein Zug als pünktlich, solange er weniger als sechs Minuten zu spät ist. Züge, die ganz ausfallen, zählen in dieser Statistik überhaupt nicht.

Die sogenannte Reisendenpünktlichkeit erfasst auch Ausfälle und verpasste Anschlüsse. Sie lag laut Nachrichtenagentur dpa bei 58,6 Prozent und damit ebenfalls niedrig. Als Gründe nennt der Konzern viele Störungen an der Technik und zahlreiche Baustellen auf Hauptstrecken und an Knotenpunkten. Zwischen Berlin und Wolfsburg hätten die ICE wegen des schlechten Zustands der Strecke vielerorts langsamer fahren müssen.

Das 60-Prozent-Ziel ist kaum noch zu schaffen

Bahnchefin Evelyn Palla hatte für 2026 mindestens 60 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr angekündigt. Nach Angaben der dpa ist schon jetzt absehbar, dass dieses Ziel verfehlt wird. Palla selbst sagt, für das Problem gebe es nur langfristige Lösungen. Laut Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns sollen es bis 2029 mindestens 70 Prozent sein.

Das klingt bescheiden, und der Blick ins Ausland macht es nicht besser. Die Schweizerischen Bundesbahnen kamen 2025 auf 94,1 Prozent, obwohl dort schon ab drei Minuten Verspätung gezählt wird. Die Österreichischen Bundesbahnen erreichten im Fernverkehr 81,6 Prozent bei fünf Minuten Toleranz. Deutschland, das sich gern als Land der Ingenieure sieht, liegt deutlich hinter seinen Nachbarn.

80 Minuten Umweg: Die Fahrgäste tragen die Last

Seit Freitag ist die Strecke Hannover–Berlin für eine umfassende Sanierung gesperrt. Die Arbeiten sollen bis Mitte Dezember 2027 dauern. Die Fernzüge fahren so lange über Braunschweig und Magdeburg und brauchen dadurch rund 80 Minuten länger.

Pendler, Geschäftsreisende und Familien verlieren damit über ein Jahr lang viel Zeit. Und es bleibt nicht bei dieser einen Strecke. Laut Bahn sollen in den kommenden Jahren mehr als 40 Abschnitte mit zusammen über 4.000 Kilometern auf diese Weise saniert werden. Diese Generalsanierungen werden sich bis weit in die 2030er-Jahre ziehen.

Selbst der Minister zweifelt am Konzept

Auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), seit dem Sommer im Amt, sieht das Vorgehen kritisch. Im ARD-Interview bemängelte er die Korridorsanierungen. Die Bahn habe zu oft versprochen, dass die Strecken nach dem Umbau ohne Störungen laufen, und dieses Versprechen nicht gehalten. Auf der Strecke Hamburg–Berlin, die mehr als zehn Monate gesperrt war, habe die Pünktlichkeit nach der Sanierung Medienberichten zufolge nur bei 25 Prozent gelegen.

„Da muss man erkennen, dass das Konzept so nicht funktioniert hat.“

Bilger will bald einen Vorschlag für ein neues Konzept vorlegen. Außerdem verhandle er mit der Bahn über eine „Leistungsvereinbarung“ für die nächsten fünf Jahre. Es gehe um mehr als 80 Milliarden Euro, also etwa doppelt so viel wie in den fünf Jahren davor.

Viele Milliarden, aber keine Garantie

Für viele Bürger ist das ein bekanntes Muster. Der Steuerzahler gibt immer mehr Geld, und die Fahrgäste warten trotzdem am Bahnsteig. Kritiker sehen im Zustand der Schiene das Ergebnis jahrzehntelanger Vernachlässigung. Das Problem ist demnach seit Langem bekannt und wurde immer wieder verschoben.

Bezahlt wird die Sanierung zu einem großen Teil mit Schulden, etwa über das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur. Diese Schulden müssen künftige Generationen tragen. Umso wichtiger ist die Frage, ob das Geld diesmal auch wirklich zu pünktlichen Zügen führt. Die Zahlen vom September geben dafür bisher wenig Grund zur Hoffnung.

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