
„Niedrige Inflation“? Das eigentliche Problem sitzt bei der Fed
2,7 Prozent Inflation im Dezember, 0,3 Prozent Plus zum Vormonat, Energie und Lebensmittel deutlich teurer – und die Federal Reserve erklärt implizit weiter, sie habe die Lage im Griff. Genau hier liegt der Kern des Problems. Nicht im Weißen Haus, nicht in Wahlkampfparolen, sondern bei einer Notenbank, die seit Jahren zu spät reagiert, zu lange beschwichtigt und ihre eigenen Zielmarken systematisch relativiert.

Denn 2,7 Prozent sind keine Punktlandung. Sie liegen klar über dem offiziellen Ziel von 2,0 Prozent – und das nun schon seit geraumer Zeit. Die Kerninflation von 2,6 Prozent verharrt ebenfalls über der Zielmarke. Wer daraus Stabilität ableitet, betreibt monetäre Schönfärberei. Inflation ist nicht besiegt, sie ist lediglich verlangsamt – und genau dieser Unterschied wird politisch und kommunikativ verwischt.
Die große Lebenslüge der Zentralbanker
Die Fed verkauft seit Jahren ein Narrativ: Inflation sei ein vorübergehendes Phänomen, ausgelöst durch externe Schocks, Lieferkettenprobleme, Energiepreise. Das klang 2021 vielleicht noch plausibel. 2026 ist diese Erklärung schlicht nicht mehr haltbar. Wenn Energiepreise, Lebensmittel und Dienstleistungen dauerhaft teurer bleiben, dann ist das keine Episode – dann ist es monetäre Realität.
Das eigentliche Versagen der Fed liegt nicht in einzelnen Zinsentscheidungen, sondern in ihrer Glaubwürdigkeitskrise. Eine Zentralbank, die jahrelang Inflation unterschätzt, sie erst als „transitory“ abtut und später hektisch gegensteuert, darf sich nicht wundern, wenn ihre Aussagen kaum noch Vertrauen genießen. Preisstabilität lebt nicht von Modellen, sondern von Erwartungsmanagement. Und genau dieses Management ist der Fed entglitten.
Inflation trifft dort, wo die Fed nicht hinschaut
Besonders perfide ist der Fokus auf aggregierte Indizes. Der Consumer Price Index wird zur Beruhigungstablette, während die realen Belastungen ausgeblendet werden. Erdgas, Strom, Lebensmittel – also genau die Posten, die Haushalte nicht vermeiden können – steigen deutlich stärker als der Durchschnitt. Die Fed weiß das. Sie ignoriert es trotzdem.
Das Argument lautet stets: Energie und Lebensmittel seien volatil, man müsse auf die Kerninflation schauen. Doch wenn selbst diese über Monate hinweg oberhalb des Zielwertes bleibt, entlarvt sich diese Argumentation als Ausrede. Für die Menschen zählt nicht die akademische Bereinigung, sondern die Rechnung am Monatsende.
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Zinspolitik als Placebo
Die Leitzinsen sind hoch, ja. Aber hoch im Verhältnis wozu? Zu einer Inflation, die offiziell als „nahe am Ziel“ verkauft wird. Real bleibt die Geldpolitik damit erstaunlich weich. Die Fed bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Inflationsbekämpfung und Staatsfinanzierung – und entscheidet sich regelmäßig für den bequemeren Weg. Konsequente Straffung würde nicht nur Konsum bremsen, sondern auch Märkte, Staatshaushalt und Schuldenstruktur unter Druck setzen. Genau davor schreckt man zurück.
Das Ergebnis ist eine Politik des Hinauszögerns. Inflation wird nicht gelöst, sondern verwaltet. Sie wird akzeptiert, solange sie politisch erklärbar bleibt. Für eine Notenbank, die Stabilität garantieren soll, ist das ein Offenbarungseid.
Die systemische Konsequenz: Vertrauensverlust
Je länger die Fed an diesem Kurs festhält, desto größer wird der Schaden. Inflation ist nicht nur ein Preisphänomen, sie ist ein Vertrauensphänomen. Wenn Marktteilnehmer und Verbraucher glauben, dass die Zentralbank ihr eigenes Ziel nicht mehr ernst nimmt, passen sie ihr Verhalten an. Preise werden vorsorglich erhöht, Löhne nachgezogen, Verträge neu kalkuliert. Genau so verfestigt sich Inflation.
Die Fed hat dieses Risiko selbst geschaffen – durch Zögern, Beschwichtigen und kommunikative Akrobatik. Sie steht heute nicht als Hüterin der Stabilität da, sondern als Moderatorin eines Dauerzustands, den sie eigentlich beenden sollte.
Die Inflation ist nicht „niedrig“ – die Ansprüche der Fed sind es
2,7 Prozent Inflation sind kein Erfolg, sondern ein Eingeständnis. Ein Eingeständnis, dass die Fed ihr Ziel verfehlt und dieses Verfehlen rhetorisch normalisiert. Wer das kritisiert, greift nicht die Politik an, sondern das Herz des Geldsystems.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass Inflation existiert. Das eigentliche Problem ist eine Notenbank, die gelernt hat, mit ihr zu leben – und von der Öffentlichkeit erwartet, es ihr gleichzutun.
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