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16.09.2026
05:54 Uhr
KI-generiert

ZDF verkaufen? Weimer bringt das Undenkbare ins Spiel

ZDF verkaufen? Weimer bringt das Undenkbare ins Spiel
Symbolbild: KI-generiert

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) hat bei einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin eine Debatte losgetreten, die in den Sendezentralen von Mainz und MĂŒnchen fĂŒr Schnappatmung sorgen dĂŒrfte: Eine Privatisierung des ZDF hĂ€lt er offenbar fĂŒr denkbar. Zugleich brachte er die Fusion mehrerer ARD-Anstalten ins GesprĂ€ch. Das berichteten Teilnehmer der Veranstaltung ĂŒbereinstimmend gegenĂŒber Nachrichtenagenturen.

„Duopol“ aus Big Tech und Beitragsfunk

Weimer kritisierte den Berichten zufolge in seiner Festrede vor allem die gewachsenen Doppelstrukturen – nicht nur zwischen ARD und ZDF, sondern auch innerhalb der beiden Senderfamilien. Seine Diagnose fĂŒr den deutschen Medienmarkt: Es entstehe ein Duopol aus Technologiekonzernen und öffentlich-rechtlichem Rundfunk.

Besonders deutlich wurde er demnach mit Blick auf die privaten MedienhĂ€user. Die „RTLs dieser Welt“ stĂŒnden, so wird er zitiert, „mit dem RĂŒcken zur Wand“. Wer mit einem Milliardenbudget aus Zwangsabgaben konkurriert, hat es im Werbemarkt naturgemĂ€ĂŸ schwer.

Aus neun mach vier: Das „Kleeblatt“-Modell

Auch die kleinteilige ARD-Struktur stellte der Medienstaatsminister zur Debatte. Intendanten hĂ€tten ihm in GesprĂ€chen eingerĂ€umt, dass Radio Bremen und der SaarlĂ€ndische Rundfunk nicht zwingend eigenstĂ€ndige Anstalten bleiben mĂŒssten. Denkbar seien grĂ¶ĂŸere regionale VerbĂŒnde.

Weimer skizzierte laut Teilnehmern ein „Kleeblatt im System“ mit nur noch vier oder fĂŒnf Rundfunkanstalten statt der heutigen neun. Das wĂ€re kein Sparprogramm mehr, das wĂ€re ein Umbau mit der Abrissbirne.

Worum es finanziell wirklich geht

Die Dimensionen erklÀren, warum das Thema so hitzig verhandelt wird. Nach Angaben des Beitragsservice lagen die ErtrÀge aus dem Rundfunkbeitrag im Jahr 2025 bei rund 8,72 Milliarden Euro. Davon entfielen demnach rund 6,07 Milliarden Euro auf die neun ARD-Anstalten, 2,23 Milliarden Euro auf das ZDF und rund 255 Millionen Euro auf das Deutschlandradio.

Der monatliche Beitrag liegt weiterhin bei 18,36 Euro je Haushalt – gut 220 Euro im Jahr, unabhĂ€ngig davon, ob jemand das Programm ĂŒberhaupt einschaltet. Gegen die ausgebliebene Erhöhung auf 18,94 Euro haben ARD und ZDF Medienberichten zufolge Verfassungsbeschwerde eingelegt. Man klagt sich also das Geld herbei, das die LĂ€nder nicht bewilligen wollten.

Reformstaatsvertrag: zu zaghaft fĂŒr den Minister

Beschlossen ist bislang ein weit vorsichtigerer Umbau. Der Reformstaatsvertrag der LĂ€nder trat Anfang 2026 in Kraft, er soll ARD, ZDF und Deutschlandradio verschlanken und zu mehr Kooperation zwingen. An den neun Anstalten und am eigenstĂ€ndigen ZDF rĂŒttelt er nicht.

Weimer hĂ€lt das angesichts von Plattformkonkurrenz, internationalen Tech-Konzernen und neuen Medienangeboten offenbar fĂŒr unzureichend. Aus Sicht vieler Beitragszahler kommt der Vorstoß spĂ€t, aber nicht zu spĂ€t: Kritik an Doppelstrukturen und Kostenexplosion begleitet den Beitragsfunk seit Jahren.

Der Haken: Der Bund entscheidet gar nicht

Ob daraus Politik wird, ist völlig offen. Rundfunk ist in Deutschland LĂ€ndersache. Ein Bundesminister kann die Debatte anstoßen – ĂŒber Privatisierung oder Fusionen entscheiden aber 16 Staatskanzleien, von denen viele ihre eigene Landesanstalt hĂŒten wie einen Kronjuwel.

Bleibt die Frage, die sich viele BĂŒrger stellen: Wie lange lĂ€sst sich ein System mit Milliardenetat verteidigen, wenn das Publikum lĂ€ngst abwandert?

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