Kettner Edelmetalle
08.04.2026
06:30 Uhr

Wirtschaftsministerin Reiche rechnet mit der Energiewende ab: „Das Land wird ruiniert"

Es sind Worte, die man von einer amtierenden Bundeswirtschaftsministerin so nicht erwartet hĂ€tte – und die dennoch lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig waren. Katherina Reiche hat in einem bemerkenswerten Gastbeitrag fĂŒr die Frankfurter Allgemeine Zeitung die deutsche Energiepolitik einer schonungslosen Generalabrechnung unterzogen. Ihr Befund ist vernichtend: Die Energiewende, wie sie ĂŒber Jahre hinweg betrieben wurde, drohe das Land zu ruinieren, das sie zu retten vorgebe.

Der Irankrieg als Brandbeschleuniger einer schwelenden Krise

Auslöser fĂŒr Reiches ungewöhnlich scharfe Intervention sind die jĂŒngsten Verwerfungen auf den globalen EnergiemĂ€rkten. Die Sperrung der Straße von Hormus infolge des Irankonflikts hat die Preise fĂŒr Öl, FlĂŒssiggas und Diesel in kĂŒrzester Zeit massiv in die Höhe getrieben. FĂŒr Wirtschaft und Verbraucher gleichermaßen ein schwerer Belastungstest – und ein Weckruf, den die Ministerin offenbar nicht ungehört verhallen lassen will.

Doch Reiche belĂ€sst es nicht bei der Analyse der akuten Krise. Sie wendet sich mit bemerkenswerter Deutlichkeit gegen jene Stimmen, die reflexartig einen noch schnelleren Ausbau von Wind- und Solarenergie als Allheilmittel propagieren. Viele forderten den sofortigen Ausstieg aus Öl und Gas, man mĂŒsse nur die Erneuerbaren schneller ausbauen – und schon wĂ€re alles gelöst. Reiches Antwort darauf fĂ€llt so knapp wie entlarvend aus: So einfach sei das eben nicht.

Die große Illusion der grĂŒnen Zahlenspiele

Was die Ministerin dann an Zahlen auf den Tisch legt, dĂŒrfte so manchem Energiewende-Enthusiasten die Schamesröte ins Gesicht treiben. Deutschlands Gesamtenergiebedarf liege bei rund 2.900 Terawattstunden – fĂŒr Strom, WĂ€rme, MobilitĂ€t und Industrieprozesse zusammengenommen. Davon entfalle lediglich ein knappes Sechstel auf den Stromsektor. Und selbst dort stammten nur etwas mehr als die HĂ€lfte aus erneuerbaren Quellen. Bezogen auf den gesamten Energieverbrauch liege der Anteil der Erneuerbaren bei gerade einmal knapp einem FĂŒnftel.

Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Nach ĂŒber zwei Jahrzehnten milliardenschwerer Subventionen, nach Hunderttausenden von WindrĂ€dern und Solaranlagen, nach der Zerstörung ganzer Landschaften und der Vertreibung von Industrie ins Ausland – nach all dem decken die Erneuerbaren gerade einmal rund 20 Prozent des deutschen Energiebedarfs. Wer angesichts dieser Bilanz noch von einer Erfolgsgeschichte spricht, der hat entweder den Bezug zur RealitĂ€t verloren oder betreibt bewusste TĂ€uschung.

Ehrgeizige Ziele, desaströse Ergebnisse

Reiche kritisiert, dass politische Zielmarken ĂŒber Jahre hinweg die tatsĂ€chlichen Probleme des Systems ĂŒberdeckt hĂ€tten. 80 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren bis 2030, KlimaneutralitĂ€t bis 2045 – schöne Zahlen, die das schlechte Gewissen besĂ€nftigten, wie sie es formuliert. Doch wĂ€hrend sich die Politik an diese Ziele klammerte, explodierten die Strompreise. Deutsche Haushalte zahlen mittlerweile bis zu 37 Cent pro Kilowattstunde – gut neun Cent ĂŒber dem EU-Durchschnitt. Die Industrie blute aus, die Deindustrialisierung beschleunige sich.

Es ist eine BankrotterklĂ€rung, die hier schwarz auf weiß steht. Und sie kommt nicht von irgendeinem Oppositionspolitiker oder einem notorischen Energiewende-Kritiker, sondern von der amtierenden Wirtschaftsministerin selbst. Das allein zeigt, wie dramatisch die Lage offenbar geworden ist.

36 Milliarden Euro Systemkosten – und es wird schlimmer

Im Zentrum von Reiches Kritik stehen die versteckten Folgekosten des gegenwĂ€rtigen Systems. Wind und Sonne schickten bekanntlich keine Rechnung – dieser Satz gehört zum Standardrepertoire jedes GrĂŒnen-Politikers. Das Gesamtsystem allerdings, so Reiche, schicke sehr wohl eine Rechnung. Und was fĂŒr eine.

EEG-Kosten, KapazitĂ€tsreserve, Netzreserve, Redispatch-Kosten, Netzsubventionen, Subventionen fĂŒr die Senkung der Energiepreise – all das summiere sich auf Systemkosten von ĂŒber 36 Milliarden Euro pro Jahr. Heruntergerechnet auf den einzelnen BĂŒrger seien das 430 Euro fĂŒr jeden Deutschen. Wohlgemerkt: fĂŒr jeden, vom SĂ€ugling bis zum Greis.

Besonders scharf fĂ€llt Reiches Kritik an den EntschĂ€digungsmechanismen aus. Fast drei Milliarden Euro wĂŒrden allein dafĂŒr gezahlt, dass WindrĂ€der und Solaranlagen abgeregelt werden mĂŒssten, weil die Netze den Strom schlicht nicht aufnehmen könnten. Eine derart privilegierte Behandlung gebe es in keiner anderen Branche. Es existiere keine andere Industrie, die eine ĂŒber 20 Jahre garantierte Finanzierung erhalte und sogar dann EntschĂ€digung kassiere, wenn ihr Produkt nicht gebraucht werde.

Man stelle sich das einmal in einem anderen Wirtschaftszweig vor: Ein BĂ€cker, der dafĂŒr bezahlt wird, dass er seine Brötchen nicht verkauft. Ein Autohersteller, der Subventionen erhĂ€lt, obwohl seine Fahrzeuge auf dem Hof stehen bleiben. Absurd? In der deutschen Energiewirtschaft ist genau das bittere RealitĂ€t.

Die Kernkraft-LĂŒge und ihre Folgen

Reiche benennt auch die Ursachen dieser Misere – und scheut dabei nicht vor unbequemen Wahrheiten zurĂŒck. Deutschland habe 20 Gigawatt gesicherte, CO2-arme Kernkraft abgeschaltet. Dazu kĂ€men massive, politisch getriebene Netzinvestitionen und ein Marktdesign, das die RealitĂ€t ignoriere. Das Problem sei strukturell.

Hier lohnt ein Blick zurĂŒck: Es war die schwarz-gelbe Koalition unter Angela Merkel, die nach der Fukushima-Katastrophe 2011 in einer beispiellosen Panikreaktion den Atomausstieg beschloss. Die GrĂŒnen und ihre medialen VerbĂŒndeten hatten jahrelang Stimmung gegen die Kernenergie gemacht – und die Union knickte ein. Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke wurden dann im April 2023 unter der Ampelregierung abgeschaltet, obwohl mitten in einer Energiekrise selbst Experten dringend davon abrieten. Es war ein ideologischer Triumph ĂŒber die ökonomische Vernunft – und Deutschland zahlt den Preis dafĂŒr bis heute.

Bis 2035: 90 Milliarden Euro jÀhrlich

Der Ausblick, den Reiche zeichnet, ist alles andere als beruhigend. Bis 2035 wĂŒrden die Systemkosten auf 90 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen. Eine Zahl, die man sich vergegenwĂ€rtigen muss: Das entspricht in etwa dem gesamten Bundeshaushalt fĂŒr Bildung und Forschung, Verteidigung und Entwicklungshilfe zusammengenommen. Und das Jahr fĂŒr Jahr, ohne dass ein Ende absehbar wĂ€re.

Gleichzeitig verweist die Ministerin auf die natĂŒrlichen und strukturellen Grenzen des Standorts Deutschland. Begrenzte Gasvorkommen, die nicht einmal in der Krise genutzt werden sollten, begrenzte Wasserkraft, deutlich weniger Sonnenstunden als SĂŒdeuropa und große Entfernungen zwischen Erzeugung und Verbrauch – all das mache eine rein auf Erneuerbaren basierende Energieversorgung zu einer Illusion.

KI und Rechenzentren brauchen billigen Strom – den Deutschland nicht liefern kann

Mit Blick auf die industrielle Zukunft verschĂ€rft Reiche ihre Warnung noch einmal. Die neue industrielle Revolution – KĂŒnstliche Intelligenz, Rechenzentren, elektrifizierte Industrie – brauche große Mengen preiswerten Stroms. Wenn Deutschland diesen nicht liefern könne, verliere man Investitionen, Innovation und SouverĂ€nitĂ€t.

Es ist die zentrale Frage unserer Zeit: Kann sich ein Industrieland wie Deutschland eine Energiepolitik leisten, die auf Wunschdenken statt auf physikalischen und ökonomischen RealitĂ€ten basiert? Die Antwort liegt auf der Hand – und Reiche spricht sie endlich aus. WĂ€hrend andere Nationen pragmatisch auf einen breiten Energiemix setzen, hat sich Deutschland in eine ideologische Sackgasse manövriert, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt.

Dass diese Worte ausgerechnet von einer Ministerin der neuen Großen Koalition kommen, lĂ€sst hoffen – und beunruhigt zugleich. Denn die Frage bleibt: Werden den Worten auch Taten folgen? Oder bleibt es bei einer weiteren Diagnose, der keine Therapie folgt? Die deutschen BĂŒrger und Unternehmen, die unter den höchsten Energiepreisen Europas Ă€chzen, können sich weitere Jahre des Zögerns schlicht nicht mehr leisten.

In Zeiten derartiger wirtschaftlicher Unsicherheit und explodierender Energiekosten zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie in Krisenzeiten ihren Wert bewahren – unabhĂ€ngig davon, welche energiepolitischen Experimente Regierungen gerade durchfĂŒhren.

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