Kettner Edelmetalle
09.04.2026
05:29 Uhr

Waffenruhe am seidenen Faden: Israels Großangriff im Libanon erschüttert fragilen Frieden

Kaum war die Tinte unter der Waffenruhe-Vereinbarung zwischen Washington und Teheran getrocknet, da zerbarsten die Hoffnungen auf eine Beruhigung der Lage im Nahen Osten wie Glas auf Beton. Israels massive Luftangriffe auf den Libanon – mit mindestens 182 Toten, darunter zahlreiche Zivilisten – haben die ohnehin brüchige Feuerpause in eine existenzielle Krise gestürzt. Was als diplomatischer Durchbruch gefeiert werden sollte, droht sich als bloße Fußnote der Geschichte zu erweisen.

Teheran stellt Washington vor die Wahl

Die Reaktion aus dem Iran ließ nicht lange auf sich warten. Außenminister Abbas Araghtschi formulierte auf der Plattform X ein Ultimatum, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: Die USA müssten sich entscheiden – „entweder Waffenruhe oder Fortsetzung des Krieges via Israel". Beides gleichzeitig sei nicht zu haben. Eine Ansage, die den fundamentalen Widerspruch in der amerikanischen Nahostpolitik schonungslos offenlegt.

Irans Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf ging noch weiter und stellte den Sinn der gesamten Verhandlungen mit Washington infrage. Die Amerikaner hätten ihre Zusagen gebrochen, noch bevor die eigentlichen Gespräche überhaupt begonnen hätten. Auch Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die israelischen Angriffe in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister als unvereinbar mit der Waffenruhe-Vereinbarung und drohte mit Konsequenzen.

Trump zwischen Drohgebärden und Diplomatie

US-Präsident Donald Trump reagierte auf seine ganz eigene Art. Auf seiner Plattform Truth Social verkündete er in der Nacht zum Donnerstag, sämtliche Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden rund um den Iran stationiert bleiben, bis das – wie er es in Großbuchstaben nannte – „WIRKLICHE ABKOMMEN" vollständig eingehalten werde. Es werde alles bereitgehalten, was für die „tödliche Verfolgung und Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei. Worte, die kaum geeignet erscheinen, Vertrauen aufzubauen.

Gleichzeitig sollen am Samstag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad direkte Verhandlungen stattfinden. Trump entsendet dafür eine hochrangige Delegation um Vizepräsident JD Vance, den Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner. Grundlage soll ein von Teheran vorgelegter Zehn-Punkte-Plan sein – dessen Inhalt allerdings bereits für erhebliche Verwirrung sorgt. Trump selbst warf der „New York Times" und CNN vor, über einen „komplett erfundenen" Plan berichtet zu haben.

Der Streit um den Libanon: Wer hat Recht?

Im Kern des Konflikts steht eine scheinbar simple, aber explosive Frage: Ist der Libanon Teil der Waffenruhe oder nicht? Die Positionen könnten kaum weiter auseinanderliegen. US-Vizepräsident Vance erklärte in Budapest unmissverständlich, der Libanon sei nicht in der Vereinbarung inbegriffen. Es handele sich um ein „Missverständnis" des Iran. „Weder wir noch die Israelis haben gesagt, dass dies Teil der Waffenruhe sein würde", so Vance.

Doch diese Darstellung steht im direkten Widerspruch zu den Angaben des Vermittlers Pakistan, demzufolge die Feuerpause ausdrücklich auch den Libanon einschließe. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron pochte in Telefonaten sowohl mit Trump als auch mit Peseschkian darauf, dass die Waffenruhe auch im Libanon eingehalten werden müsse. Israels Angriffe stellten eine direkte Bedrohung für die gerade erzielte Vereinbarung dar.

Man muss kein Diplomat sein, um zu erkennen: Wenn die beteiligten Parteien nicht einmal darüber einig sind, was genau vereinbart wurde, steht das gesamte Konstrukt auf tönernen Füßen.

182 Tote und ein nationaler Trauertag

Die menschlichen Kosten des israelischen Großangriffs sind verheerend. Mindestens 182 Menschen kamen nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums ums Leben, als Israel am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardierte – darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Israels Militär erklärte, der Angriff habe Kommandeuren und militärischer Infrastruktur der Hisbollah gegolten. Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam rief einen nationalen Trauertag aus; alle Verwaltungseinrichtungen sollten geschlossen bleiben, die Flaggen auf halbmast gesetzt werden.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Angriffe scharf. Hunderte Zivilisten, darunter auch Kinder, seien getötet und verletzt worden. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, nannte das Ausmaß der Zerstörung „schlichtweg entsetzlich". Ein solches Blutbad nur wenige Stunden nach Vereinbarung einer Waffenruhe sei kaum zu fassen. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher brachte es auf den Punkt: „Dies ist keine Waffenruhe. Dies ist keine Zurückhaltung."

Hisbollah schwört Vergeltung – Netanjahu hält den Finger am Abzug

Die Spirale der Gewalt dreht sich derweil ungebremst weiter. Die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz beschoss nach eigenen Angaben in der Nacht einen Kibbuz im Norden Israels und kündigte an, die Angriffe fortzusetzen, bis die „israelisch-amerikanische Aggression" aufhöre. Gleichzeitig droht der Iran weiterhin der Schifffahrt in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus. Wegen Minengefahr müssten Schiffe sich mit den Revolutionsgarden abstimmen, hieß es in einer Mitteilung der iranischen Hafenbehörde. Nur zwei Öltanker hätten die Meerenge seit Beginn der Waffenruhe passiert.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ seinerseits keinen Zweifel daran, dass er die Waffenruhe lediglich als taktische Pause betrachtet. Die Feuerpause sei „nicht das Ende des Kampfes", sondern eine „Station auf dem Weg zum Erreichen aller unserer Ziele". Israel habe weiter den „Finger am Abzug" und sei bereit, jederzeit die Kämpfe wieder aufzunehmen.

Ein schmales Fenster, das sich rapide schließt

Chinesische Staatsmedien mahnten, das „schmale Fenster" der zweiwöchigen Waffenruhe zu nutzen. Die staatliche „China Daily" kommentierte, die Feuerpause sei „kein Frieden, sondern eine Gelegenheit". Die Versuchung, die Pause militärisch zur Neuaufstellung zu nutzen, sei groß. Bei falschen Entscheidungen drohe eine viel längere und schädlichere Krise.

Was wir hier beobachten, ist ein geopolitisches Pulverfass, das jederzeit explodieren kann. Die Waffenruhe, die Vizepräsident Vance selbst als „fragil" bezeichnete, hängt an einem seidenen Faden. Und während die Diplomaten noch über Zehn-Punkte-Pläne streiten, sterben im Libanon Menschen. Es ist ein Trauerspiel, das einmal mehr zeigt, wie wenig internationale Vereinbarungen wert sind, wenn die beteiligten Parteien nicht einmal über deren Inhalt einig sind.

Für Europa und insbesondere für Deutschland hat diese Eskalation unmittelbare Konsequenzen. Die Bedrohung der Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt – treibt die Energiepreise in die Höhe und verschärft die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage. In Zeiten, in denen die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg bringt und die Inflation den Bürgern das Leben schwer macht, ist eine weitere Energiepreiskrise das Letzte, was Deutschland gebrauchen kann. Es zeigt sich einmal mehr: Wer in unsicheren Zeiten sein Vermögen schützen will, tut gut daran, auf bewährte Werte wie physische Edelmetalle zu setzen – denn Gold und Silber haben in Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte noch jede Krise überdauert.

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