
Thyssenkrupp zerlegt sich weiter: Material-Sparte soll noch 2026 ausgegliedert werden
Was einst als stolzer Industriegigant die deutsche Wirtschaftskraft symbolisierte, wird StĂŒck fĂŒr StĂŒck filetiert. Der Essener Traditionskonzern Thyssenkrupp prĂŒft offenbar, sein milliardenschweres HandelsgeschĂ€ft â die Sparte Materials Services â noch in diesem Jahr auszugliedern. Ob Abspaltung, Börsengang oder Verkauf: Alle Optionen liegen auf dem Tisch. Ein weiteres Kapitel in der schleichenden Auflösung eines deutschen Industriedenkmals.
Lopez krempelt den Konzern um â mit brachialer Konsequenz
Seit Miguel Lopez Mitte 2023 das Ruder bei Thyssenkrupp ĂŒbernahm, gleicht der Konzernumbau einer kontrollierten Sprengung. Das WasserstoffgeschĂ€ft mit der Tochter Nucera wurde bereits an die Börse gebracht, die RĂŒstungsschmiede TKMS folgte. Parallel verhandelt Lopez mit dem indischen Stahlriesen Jindal Steel International ĂŒber einen Verkauf der Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe. Und nun also Materials Services â eine Sparte mit 11,4 Milliarden Euro Umsatz und ĂŒber 15.000 BeschĂ€ftigten.
Drei mit der Angelegenheit vertraute Personen hĂ€tten gegenĂŒber der Nachrichtenagentur Reuters bestĂ€tigt, dass ein Börsengang bereits im Herbst möglich sei. Voraussetzung wĂ€re allerdings, dass die Sparte im laufenden Quartal ihre Leistungskennzahlen verbessere. GeprĂŒft werde zudem eine Umwandlung der Rechtsform in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) â ein bewĂ€hrtes Instrument, um bei einem Anteilsverkauf dennoch die Kontrolle zu behalten.
Die Börse jubelt â doch was bleibt von Thyssenkrupp?
An den FinanzmĂ€rkten wurden die PlĂ€ne mit Wohlwollen aufgenommen. Die Thyssenkrupp-Aktie legte zeitweise um mehr als vier Prozent zu. Marc TĂŒngler, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Schutzgemeinschaft fĂŒr Wertpapierbesitz, bezeichnete die Ausgliederung als den ânĂ€chsten logischen Schritt" und lobte Lopez dafĂŒr, dass er tue, was er ankĂŒndige. Dies sei keineswegs die Auflösung von Thyssenkrupp, sondern der richtige Weg fĂŒr die einzelnen Einheiten und ihre Mitarbeiter, die so eine eigene IdentitĂ€t erhielten.
Man darf sich allerdings die Frage stellen, was am Ende von diesem einst so mĂ€chtigen Konzern ĂŒbrig bleibt. Ein Rumpfgebilde ohne eigene operative Substanz? Eine Holding-HĂŒlle, die sich selbst ĂŒberflĂŒssig gemacht hat? Die Euphorie der Börsianer sollte nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass hier ein StĂŒck deutscher Industriegeschichte zerlegt wird â und das in einer Zeit, in der Deutschland seine industrielle Basis dringender denn je brĂ€uchte.
KI als HoffnungstrĂ€ger fĂŒr die Material-Sparte
Finanzchef Axel Hamann setzt bei Materials Services verstĂ€rkt auf KĂŒnstliche Intelligenz. Die Sparte, die Logistik- und Verarbeitungsdienstleistungen fĂŒr Materialien wie Stahl und Kunststoffe anbietet, sei im gesamten Konzern diejenige mit den meisten KI-AktivitĂ€ten. Im Fokus stĂŒnden dabei die Optimierung der Lieferketten und des Kundenservice. Ob das ausreicht, um in einem zunehmend konsolidierten Markt zu bestehen, bleibt abzuwarten.
Konsolidierungswelle in der Branche
Denn die Konkurrenz schlĂ€ft nicht. Der deutsche StahlhĂ€ndler Klöckner & Co ist Ziel einer 2,4 Milliarden Dollar schweren Ăbernahme durch den US-Konkurrenten Worthington Steel. Die beiden Rivalen Ryerson und Olympic Steel haben sich erst kĂŒrzlich zusammengeschlossen. Die Branche befindet sich in einer Phase massiver UmwĂ€lzungen â und Thyssenkrupp sieht darin nach eigener Aussage eher eine Chance als ein Risiko.
Ein Unternehmenssprecher betonte, man sei zuversichtlich, dass Materials Services erfolgreich an den Kapitalmarkt gebracht werden könne â âauch in einem herausfordernden Umfeld". Wann genau dies geschehe, hĂ€nge vom Marktumfeld ab.
Ein Symptom fĂŒr Deutschlands industriellen Niedergang
Der Umbau bei Thyssenkrupp ist symptomatisch fĂŒr den Zustand der deutschen Industrie insgesamt. WĂ€hrend die Stahlproduktion hierzulande auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise gefallen ist, wĂ€hrend Energiekosten explodieren und die BĂŒrokratie jedes unternehmerische Handeln erstickt, zerlegen sich die verbliebenen Industriekonzerne in ihre Einzelteile. Die politischen Rahmenbedingungen â jahrelang geprĂ€gt von ideologiegetriebener Energiepolitik und einer Regulierungswut ohnegleichen â haben ihren Teil dazu beigetragen, dass Standort Deutschland fĂŒr die Schwerindustrie zunehmend unattraktiv wird.
Dass ausgerechnet ein indischer Konzern die deutsche Stahlsparte ĂŒbernehmen könnte, wĂ€hrend das HandelsgeschĂ€ft an die Börse wandert und die RĂŒstungstochter bereits eigenstĂ€ndig agiert, zeichnet ein ernĂŒchterndes Bild. Friedrich Merz und seine neue Regierung stehen vor der Herkulesaufgabe, den industriellen Ausverkauf Deutschlands zu stoppen â sofern sie es denn wirklich wollen. Die bisherigen Signale, darunter ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das vor allem neue Schulden bedeutet, stimmen nicht gerade optimistisch.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und industrieller UmbrĂŒche erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung â unabhĂ€ngig von Konzernumbauten, Börsenturbulenzen und politischen Fehlentscheidungen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschlieĂlich der allgemeinen Information. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener sorgfĂ€ltiger Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.










