
Strom-Stopp im Ortenaukreis: Selbst der Europa-Park steht auf der Bremse

Rust/Ortenaukreis â Deutschlands gröĂter Freizeitpark will wachsen, doch das Stromnetz macht nicht mit. Seit Ende August 2026 ist bekannt: Im 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz weiter Teile des Ortenaukreises herrscht ein Engpass. Neue AnschlĂŒsse mit mehr als einem Megawatt Leistung sind nur noch eingeschrĂ€nkt möglich â betroffen sind Industrie, Gewerbe und auch der Europa-Park in Rust.
Wenn die Steckdose zum Standortrisiko wird
Die Botschaft des Netzbetreibers klingt harmlos, ist aber wirtschaftspolitischer Sprengstoff: Bestandskunden bleiben versorgt, KrankenhĂ€user und kritische Einrichtungen haben gesicherte KapazitĂ€ten, Privathaushalte dĂŒrfen weiter WĂ€rmepumpe und Wallbox anmelden. Wer aber neu und groĂ bauen will, muss warten.
Betroffen sind laut den vorliegenden Informationen vor allem Industrieprojekte, gröĂere Logistikstandorte und Schnellladeparks. Betriebserweiterungen können sich verzögern â oder schlicht an fehlender Anschlussleistung scheitern. FĂŒr eine Exportregion im Herzen Badens ist das kein Detail, sondern ein handfester Nachteil im Standortwettbewerb.
Achterbahnen, WĂ€rmepumpen, LadesĂ€ulen â der Hunger wĂ€chst
Der Europa-Park zĂ€hlt zu den gröĂten Stromverbrauchern der Region. Wie viel Energie Achterbahnen, Hotels und Restaurants tatsĂ€chlich schlucken, will das Unternehmen Medienberichten zufolge nicht beziffern. Klar ist nur: Es wird mehr.
Denn der Park elektrifiziert. ZusĂ€tzliche WĂ€rmepumpen sind geplant, die Ladeinfrastruktur fĂŒr Autos und Reisebusse soll wachsen â aktuell stehen auf dem GelĂ€nde 133 Ladepunkte bereit, davon sechs Schnellladepunkte. Bereits angeschobene Projekte wie der neue Weltraum-Themenbereich seien vom Engpass nach Unternehmensangaben aber nicht gefĂ€hrdet.
Aus der Unternehmenskommunikation des Parks heiĂt es dazu gegenĂŒber dem SWR:
Eine langfristig leistungsfĂ€hige und zukunftssichere Energieinfrastruktur ist fĂŒr die weitere Entwicklung des Standorts von groĂer Bedeutung.
Man arbeite an eigenen Lösungen: Photovoltaik auf DĂ€chern und ParkflĂ€chen, Blockheizkraftwerke, ein Wasserkraftwerk an der Elz, dazu werde der Einsatz von Batteriespeichern geprĂŒft. Von Politik, Behörden und Netzbetreibern erwarte der Park nach eigenen Angaben "koordiniertes Handeln".
50 Prozent Zusatznachfrage â in einem einzigen Jahr
Die Ursachen benennt der Netzbetreiber Netze BW erstaunlich offen. Seit 2024 sei die Zahl der Anschlussanfragen sprunghaft gestiegen, getrieben von ElektromobilitĂ€t, KI-Rechenzentren und Industrie. Allein 2025 seien im Ortenaukreis Neuanfragen fĂŒr Strombezug eingegangen, die rund 50 Prozent der heutigen regionalen Spitzenleistung entsprĂ€chen. Der Engpass lasse sich jedoch nicht auf einen einzelnen Anschlussnehmer zurĂŒckfĂŒhren.
Und die Lösung? Sie kommt â irgendwann. Im Raum Lahr sollen erste Verbesserungen ab 2032 spĂŒrbar sein, der vollstĂ€ndige Ausbau ist zwischen 2035 und 2037 vorgesehen. Parallel verstĂ€rkt TransnetBW die Badische Rheinschiene zwischen Karlsruhe-Daxlanden und Eichstetten; im Ortenaukreis wird eine 220-Kilovolt-Verbindung auf 380 Kilovolt hochgerĂŒstet, ein genehmigter Abschnitt zwischen MeiĂenheim und Ringsheim verlĂ€uft auch durch Rust.
Elf Jahre Wartezeit â ein Kommentar in Zahlen
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall Rust das Grundproblem der deutschen Energiewende: Der Verbrauch wurde per Gesetz elektrifiziert, der Netzausbau aber hinkt um mehr als ein Jahrzehnt hinterher. Wer Unternehmen zur Elektrifizierung drĂ€ngt und ihnen gleichzeitig den Anschluss verweigert, produziert Investitionsstau â nicht Klimaschutz.
Kritiker der Planungspraxis fragen zu Recht: Warum dauert eine Hochspannungsleitung in Deutschland lĂ€nger als der Bau eines kompletten Freizeitparks? FĂŒr Anleger ist das ein Warnsignal, wie verwundbar Infrastruktur und Standort geworden sind â ein Grund mehr, Vermögen breit zu streuen und physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung zu prĂŒfen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren.










