
Spritpreis-Explosion: Wie der Iran-Krieg deutsche Autofahrer zur Flucht ins Ausland treibt
WĂ€hrend an deutschen ZapfsĂ€ulen die Zwei-Euro-Marke beim Diesel bereits gefallen ist, tanken Autofahrer in Polen, Tschechien oder Ungarn zu Preisen, von denen man hierzulande nur noch trĂ€umen kann. Der Iran-Krieg hat die Kraftstoffpreise in ganz Europa in die Höhe getrieben â doch kein EU-Land trifft es so hart wie Deutschland. Und das hat GrĂŒnde, die weit ĂŒber den Nahostkonflikt hinausreichen.
Deutschland: Spitzenreiter bei den Preissteigerungen
Die Zahlen der EuropĂ€ischen Kommission sprechen eine unmissverstĂ€ndliche Sprache. Innerhalb von nur vier Wochen ist Benzin in Deutschland um 4,9 Prozent teurer geworden. Diesel legte sogar um 5,2 Prozent zu und durchbrach dabei die psychologisch wichtige Zwei-Euro-Grenze. Damit liegt die Bundesrepublik deutlich ĂŒber dem EU-Durchschnitt â ein trauriger Spitzenplatz, der allerdings niemanden ĂŒberraschen sollte, der die deutsche Steuerpolitik kennt.
Der Auslöser der aktuellen Preisrallye ist die Eskalation im Nahen Osten. Die StraĂe von Hormus, jene strategisch bedeutsame Meerenge, durch die ein GroĂteil des weltweiten Rohöls transportiert wird, ist vom Iran als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels teilweise blockiert worden. Weniger Ăl auf dem Weltmarkt bedeutet höhere Preise â eine simple Gleichung, die sich an jeder europĂ€ischen Tankstelle ablesen lĂ€sst.
Der eigentliche Preistreiber sitzt in Berlin
Doch warum trifft es ausgerechnet Deutschland so viel hĂ€rter als andere EU-Staaten? Die Antwort ist so simpel wie ernĂŒchternd: Steuern, Steuern und nochmals Steuern. Auf jeden einzelnen Liter Benzin entfallen hierzulande satte 65,4 Cent Energiesteuer. Dazu kommen 15,7 Cent COâ-Abgabe â jene ideologisch motivierte Klimaabgabe, die den deutschen BĂŒrger Jahr fĂŒr Jahr stĂ€rker belastet. Und als wĂ€re das nicht genug, schlĂ€gt der Staat obendrauf noch 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den gesamten Nettopreis. Der Staat verdient also prĂ€chtig an der Krise â wĂ€hrend der BĂŒrger bluten muss.
In Frankreich und Ăsterreich stiegen die Preise im selben Zeitraum lediglich um rund zwei Prozent. In der Slowakei und Ungarn betrug der Anstieg gerade einmal 0,1 Prozent. Ungarn und Kroatien haben staatliche Preisdeckel eingefĂŒhrt, die den BĂŒrgern spĂŒrbare Entlastung verschaffen. In Kroatien kostet der Liter Benzin derzeit 1,50 Euro, Diesel 1,55 Euro. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Warum ist eine solche pragmatische Lösung in Deutschland offenbar undenkbar?
Tanktourismus als Symptom einer verfehlten Politik
Die Konsequenz dieser Preispolitik lĂ€sst sich an der deutsch-polnischen Grenze in Echtzeit beobachten. WĂ€hrend in Frankfurt an der Oder die Tankstellen verwaist daliegen, bilden sich im benachbarten SĆubice lange Schlangen an jeder ZapfsĂ€ule. Deutsche Autofahrer fĂŒllen dort nicht nur ihre Tanks, sondern teilweise auch Kanister mit gĂŒnstigerem Sprit. Ein Bild, das an die HamsterkĂ€ufe vergangener Krisenzeiten erinnert â und das ein vernichtendes Urteil ĂŒber die WettbewerbsfĂ€higkeit des Standorts Deutschland darstellt.
Auch Luxemburg, Tschechien und Ăsterreich profitieren vom deutschen Tanktourismus. Die Kaufkraft flieĂt ab, die Wertschöpfung findet anderswo statt. Und die Bundesregierung? Sie schaut zu.
Tankstellenbetreiber sprechen Klartext: âRaubtierkapitalismus"
Bemerkenswert ist, dass selbst aus der Branche scharfe Kritik kommt. Tankstellenbetreiber bezweifeln offen, dass der jĂŒngste Preisanstieg durch den Iran-Krieg allein gerechtfertigt sei. Das Rohöl sei zu deutlich gĂŒnstigeren Preisen eingekauft und raffiniert worden, als es nun an der ZapfsĂ€ule verkauft werde. Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands bezeichnete die Situation als âRaubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert", der mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun habe. Das Wort âAbzocke" fiel ebenfalls.
Die TankstellenpĂ€chter selbst stehen dabei zwischen den Fronten. Sie haben keinerlei Einfluss auf die Preisgestaltung â die Preishoheit liegt bei den Mineralölgesellschaften â, bekommen aber den geballten Unmut der Kunden an der Kasse ab. Eine Situation, die symptomatisch ist fĂŒr ein Land, in dem die Lasten immer nach unten durchgereicht werden.
Ein Teufelskreis aus Steuerlast und Krisenprofiteuren
Die Niederlande halten mit durchschnittlich 2,07 Euro pro Liter Benzin den traurigen Rekord in der EU. Deutschland folgt mit 1,89 Euro auf den vorderen PlĂ€tzen. Am gĂŒnstigsten tankt man derzeit in Bulgarien. Wer also ins östliche oder sĂŒdöstliche Europa reist, kann nach wie vor erheblich sparen â ein schwacher Trost fĂŒr Pendler und Berufskraftfahrer, die tĂ€glich auf ihr Fahrzeug angewiesen sind und nicht einfach ĂŒber die Grenze ausweichen können.
Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis: Deutschland hat sich durch seine exzessive Steuer- und Abgabenpolitik in eine Position manövriert, in der jede externe Krise den BĂŒrger ĂŒberproportional hart trifft. Die COâ-Abgabe, einst als Instrument der Klimapolitik gepriesen, entpuppt sich in Krisenzeiten als zusĂ€tzlicher Brandbeschleuniger fĂŒr die Inflation. Und wĂ€hrend andere LĂ€nder pragmatisch mit Preisdeckeln reagieren, diskutiert man hierzulande vermutlich noch ĂŒber das korrekte Gendern von ZapfsĂ€ulen.
Es wĂ€re an der Zeit, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hier ein deutliches Signal setzt. Denn die MobilitĂ€t der BĂŒrger ist kein Luxus â sie ist die Grundlage einer funktionierenden Volkswirtschaft. Wer den Autofahrern immer tiefer in die Tasche greift, gefĂ€hrdet nicht nur den sozialen Frieden, sondern auch die wirtschaftliche Substanz dieses Landes.
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