Kettner Edelmetalle
05.12.2023
07:33 Uhr

Schufa-Score: Ein Spielball der Wirtschaft oder ein notwendiges Übel?

Die Schufa, Deutschlands grĂ¶ĂŸte Wirtschaftsauskunftei, steht unter Beschuss. Wie Recherchen von NDR und SZ aufdeckten, nutzen viele Unternehmen den sogenannten Schufa-Score, um zu entscheiden, ob sie mit potenziellen Kunden GeschĂ€ftsbeziehungen eingehen und unter welchen Bedingungen. Dieser Einsatz des Schufa-Scores könnte nun durch den EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) eingeschrĂ€nkt werden. Doch ist diese Praxis wirklich so verwerflich, wie sie auf den ersten Blick erscheint?

Die Schufa und ihre Rolle in der Wirtschaft

Der Schufa-Score ist eine Zahl, die die BonitĂ€t eines Verbrauchers bewertet. Unternehmen, insbesondere Energieversorger, nutzen diesen Score, um die ZahlungsfĂ€higkeit von Neukunden zu beurteilen. Ein guter Score kann zu attraktiven SondervertrĂ€gen mit gĂŒnstigeren Konditionen fĂŒhren, wĂ€hrend ein schlechter Score oft nur die teurere Grundversorgung ermöglicht.

Die Schufa selbst bewirbt den Einsatz ihrer Scores in der Energieversorgerbranche ausdrĂŒcklich. Sie seien wichtig fĂŒr ein "optimales Risikomanagement im Onboarding", also bei der Beurteilung der BonitĂ€t bislang unbekannter Kunden.

Kritik an der Schufa-Praxis

Die Kritik an dieser Praxis ist laut und deutlich. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland (SoVD) bezeichnet das Vorgehen der Energieversorger als "im höchsten Maße unsozial und unsolidarisch". Matthias Spielkamp von der Nichtregierungsorganisation Algorithmwatch Ă€ußert ebenfalls Bedenken: "Man kann sich durchaus fragen, wie gerecht es ist, wenn gerade die Ärmsten der Gesellschaft einen Nachteil davon haben bei grundlegenden Dingen wie etwa der Energieversorgung."

"Anbieter mĂŒssen sagen, wie der Score in die Entscheidung eingeflossen ist, von wem der Score kommt. Und die Anbieter der Scores mĂŒssen sagen, welche Informationen da reingekommen sind mit welcher Gewichtung. Damit Verbraucherinnen ihre Scores verstehen können." - Johannes MĂŒller, Verbraucherzentrale Bundesverband

Die Zukunft der Schufa

Der EuGH könnte die Verwendung des Schufa-Scores und vergleichbarer BonitĂ€tsbewertungen deutlich einschrĂ€nken. Der Generalanwalt am EuGH stellte in seinem SchlussplĂ€doyer im MĂ€rz 2023 fest, dass der Schufa-Score nicht maßgeblich sein dĂŒrfe, wenn Unternehmen ĂŒber Vertragsbeziehungen entscheiden. Er darf also kein K.O.-Kriterium sein.

Die Schufa bereitet sich offenbar auf eine solche EinschrĂ€nkung vor. Sie arbeitet zusammen mit anderen Wirtschaftsauskunfteien auf eine Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) hin, die den Einsatz solcher Bewertungen weiterhin ermöglichen soll.

Fazit

Die Debatte um den Schufa-Score zeigt auf, dass es eine Balance zwischen den Interessen der Wirtschaft und den Rechten der Verbraucher geben muss. Es bleibt abzuwarten, wie der EuGH entscheiden wird und welche Auswirkungen dies auf die GeschÀftspraktiken der Unternehmen und die BonitÀtsbewertung der Verbraucher haben wird.

WĂ€hrend die Schufa und andere Wirtschaftsauskunfteien eine wichtige Rolle in der Wirtschaft spielen, dĂŒrfen sie nicht das Recht haben, ĂŒber das Schicksal von Verbrauchern zu entscheiden. Es ist an der Zeit, dass die Politik eingreift und die Rechte der Verbraucher stĂ€rkt.

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