
Rosinenpickerei auf der Schiene: Wenn der Wettbewerb die Provinz abhÀngt
Es ist ein LehrstĂŒck deutscher Verkehrspolitik â und es trĂ€gt den bitteren Beigeschmack jahrzehntelanger VersĂ€umnisse. Ab dem Jahr 2028 wollen private Konkurrenten der Deutschen Bahn in den Fernverkehr der Republik einsteigen. Was nach frischem Wind und gesundem Wettbewerb klingt, könnte sich fĂŒr Millionen BĂŒrger in der FlĂ€che als handfestes Problem entpuppen.
Die schöne neue Welt der privaten Anbieter
Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, schlĂ€gt Alarm. Seine Warnung ist unmissverstĂ€ndlich: Die neuen Wettbewerber wĂŒrden sich âdie Rosinen herauspickenâ und nur die lukrativen Strecken bedienen. BerlinâMĂŒnchen? SelbstverstĂ€ndlich. Doch wer von Norddeich, Cottbus oder anderen kleineren StĂ€dten aus reisen wolle, der schaue womöglich bald in die Röhre.
Die Zahlen sprechen fĂŒr sich: Der italienische Anbieter Italo wolle 2028 mit 30 ZĂŒgen einsteigen, Flixtrain plane 65 neue ZĂŒge, dazu komme die österreichische Westbahn. Insgesamt rechne Burkert mit rund 100 WettbewerbszĂŒgen, die sich kĂŒnftig auf den deutschen Schienen tummeln sollen. Zum Vergleich: Die Bahn fĂ€hrt derzeit mit etwa 400 ICE-ZĂŒgen.
âFĂŒr Bahnfahrende in den groĂen StĂ€dten möge das kĂŒnftige Angebot Vorteile haben â aber die meisten Kunden mĂŒssen dann erstmal sehen, wie sie zum nĂ€chsten Fernverkehrshalt kommen, weil ihre Stadt gar nicht mehr angefahren wird.â
Das Ende der Mischkalkulation
Bislang betreibe die Deutsche Bahn eine sogenannte Mischkalkulation. Im Klartext: Sie bediene gut ausgelastete Strecken ebenso wie jene, die kaum jemand nutzt. Die einen finanzieren die anderen. Doch genau dieses Modell stehe nun auf der Kippe. âAb 2028 ist das vorbeiâ, so Burkert wörtlich. Und damit auch die stillschweigende Garantie, dass selbst die Provinz an das Fernverkehrsnetz angeschlossen bleibt.
Burkerts Vorschlag klingt zunĂ€chst pragmatisch: Wer sich die attraktiven Trassen sichern wolle, solle gefĂ€lligst auch die weniger nachgefragten Verbindungen bedienen mĂŒssen. Sogenannte Paketlösungen. Doch ob sich ein gewinnorientierter italienischer oder österreichischer Anbieter freiwillig die unrentablen Strecken aufs Auge drĂŒcken lĂ€sst, darf bezweifelt werden.
Verkehrsminister Schnieder soll es richten
Die Forderung der Gewerkschaft richtet sich klar an die Politik. Von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erwarte man, âdass er die Steuerung ĂŒbernimmtâ. Eine bemerkenswerte Erwartungshaltung â schlieĂlich ist es ebenjene Politik, die das marode Schienennetz ĂŒber Jahrzehnte strĂ€flich vernachlĂ€ssigt hat. Der eigentliche Engpass, so brachte es DB-Chefin Evelyn Palla treffend auf den Punkt, sei nicht der Wettbewerb, sondern die Infrastruktur.
Wenn die Daseinsvorsorge unter die RĂ€der kommt
Auch der Bundesverband Schienennahverkehr warnt vor den Folgen. Mehr Fernverkehr durch neue Anbieter sei eine regelrechte âGefahrâ fĂŒr den Regionalverkehr. Denn der vertaktete Nah- und Regionalverkehr diene der Daseinsvorsorge und mĂŒsse vor VerdrĂ€ngung geschĂŒtzt werden. Bei Trassenkonflikten, so die Forderung, mĂŒsse der Nahverkehr vorrangig behandelt werden.
Hier offenbart sich das ganze Dilemma einer Politik, die seit Jahrzehnten am eigentlichen Problem vorbeiregiert. WĂ€hrend Milliarden in fragwĂŒrdige Prestigeprojekte und ideologische GroĂvorhaben flieĂen, blieb der Aus- und Neubau von Schienenverbindungen auf der Strecke. Burkert selbst beklagt, dass es seit Jahrzehnten kaum Investitionen ins Netz gegeben habe. Wer ein Verkehrssystem ĂŒber Generationen verkommen lĂ€sst, der darf sich nicht wundern, wenn am Ende die kleinen Leute auf dem Land den Preis zahlen.
Wettbewerb ja â aber nicht auf dem RĂŒcken der BĂŒrger
Es ist die altbekannte Geschichte: Die Gewinne werden privatisiert, die Lasten sozialisiert. WĂ€hrend internationale Anbieter sich die profitablen FiletstĂŒcke sichern, bleibt dem BĂŒrger in der FlĂ€che bestenfalls die Hoffnung, irgendwie zum nĂ€chsten Fernbahnhof zu gelangen. Ein âungesteuerter Wettbewerbâ, dessen Folgen sich, wie Palla warnt, am Ende womöglich fĂŒr die Mehrheit negativ auswirken könnten.
Die Quittung fĂŒr eine jahrzehntelange Fehlpolitik wird einmal mehr beim einfachen BĂŒrger eingereicht. Wer braucht schon einen verlĂ€sslichen Bahnanschluss in der Provinz, wenn die Hauptstrecken zwischen den Metropolen glĂ€nzen? In dieser Frage zeigt sich exemplarisch, wie sehr es in diesem Land an einer Politik mangelt, die das gesamte Volk im Blick behĂ€lt â und nicht nur die urbanen Zentren.
In Zeiten, in denen staatliche Strukturen ins Wanken geraten und politische Versprechen oftmals nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie stehen, lohnt der Blick auf wahre BestĂ€ndigkeit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrtausende bewiesen, dass sie ihren Wert unabhĂ€ngig von politischen Launen und gebrochenen Versprechen bewahren. Als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bieten sie einen verlĂ€sslichen Anker â ganz im Gegensatz zu so manchem Fahrplan der Deutschen Bahn.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geĂ€uĂerten EinschĂ€tzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eigenstĂ€ndig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.
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