
Putins Trumpfkarte: Wie der Iran-Krieg Russland zum lachenden Dritten macht
Während die Welt gebannt auf die Explosionen am Persischen Golf starrt, reibt sich ein Mann im Kreml die Hände. Wladimir Putin, der noch vor wenigen Monaten unter dem Druck westlicher Sanktionen und chinesischer Preisdiktate ächzte, erlebt eine geopolitische Wende, die ihm kein Stratege hätte besser inszenieren können. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die globalen Energiemärkte in ein Chaos gestürzt – und Russland sitzt plötzlich wieder am längeren Hebel.
Vom Bittsteller zum Preisgestalter
Die Ironie der Geschichte könnte kaum bitterer sein. Noch im Februar 2026, kurz vor Beginn der Angriffe auf den Iran, musste Russland sein Öl mit einem Abschlag von zwölf Euro pro Barrel unter dem Brent-Marktpreis an China verscherbeln. Peking hatte die Abhängigkeit Moskaus gnadenlos ausgenutzt. Es waren häufig nicht einmal die großen staatlichen Raffinerien, die sich trauten, russisches Öl abzunehmen – zu groß war die Angst vor westlichen Sanktionen. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Mit dem Wegfall iranischer Öllieferungen und der Blockade der Straße von Hormus hat sich das Blatt dramatisch gewendet. China, das täglich über 16 Millionen Barrel Öl verbraucht, aber nur gut fünf Millionen selbst fördert, steht plötzlich vor einem gewaltigen Versorgungsproblem. Die Angst vor Ölknappheit in Peking ist Putins beste Verhandlungswaffe. Dass Donald Trump die Sanktionen gegen Russland vorübergehend selbst aufgehoben hat, macht die Sache für den Kreml noch komfortabler. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass China künftig noch einmal bereit wäre, seine Einfuhren aus dem Nachbarland zu drosseln.
Die Pipeline-Diplomatie nimmt Fahrt auf
Im Gassektor zeichnet sich eine noch tiefgreifendere Verschiebung ab. Seit 2019 liefert die Pipeline „Sila Sibiri" – die Kraft Sibiriens – russisches Gas nach China. Eine zweite Pipeline war seit 2020 geplant, doch Unstimmigkeiten über die Finanzierung hatten das Megaprojekt jahrelang blockiert. Im September 2025 unterzeichneten beide Regierungen schließlich ein Memorandum zum Bau. Die aktuelle Energiekrise dürfte dieses Vorhaben nun massiv beschleunigen. Für China, das ohnehin steigende Gasimporte benötigt und teures Flüssiggas durch günstigeres Pipelinegas ersetzen möchte, ist das Projekt attraktiver denn je.
Indien: Der unterschätzte Partner
Doch nicht nur China rückt näher an Moskau. Indien, das knapp die Hälfte seines Öls über die Straße von Hormus bezog, wurde vom Ausfall der Lieferungen aus dem Nahen Osten schwer getroffen. Die Preise für Kochgas – in einem Land, in dem Millionen Restaurants davon abhängen – sind derart gestiegen, dass viele Betriebe ihre Speisekarten kürzen oder gleich ganz schließen mussten.
Was im Westen gerne übersehen wird: Indien und Russland verbindet eine jahrzehntelange strategische Partnerschaft, die bis in die Zeiten der Sowjetunion zurückreicht. Beim Indien-Russland-Gipfel im Dezember 2025 vereinbarten Putin und Premierminister Modi eine noch engere wirtschaftliche Kooperation mit dem Ziel, das Handelsvolumen bis 2030 auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. Putin habe dabei betont, dass Russland bereit sei, „die kontinuierlichen Öllieferungen für die schnell wachsende indische Wirtschaft fortzusetzen". Die gemeinsame Mitgliedschaft in den BRICS-Staaten gibt dieser Zusammenarbeit einen institutionellen Rahmen, der sie gegen äußeren Druck absichert.
Das Image der Golfstaaten und der USA als zuverlässige Energielieferanten ist erheblich angeschlagen. Die indisch-russische Energieachse erscheint vitaler denn je.
Deutschlands selbstverschuldete Energiemisere
Und Europa? Deutschland? Hier offenbart sich das ganze Ausmaß einer ideologiegetriebenen Energiepolitik, die man nur als historisches Versagen bezeichnen kann. Während Indien und China ihre Energiepolitik kühl an nationalen Interessen ausrichten, hat sich Deutschland systematisch seiner Handlungsoptionen beraubt. Der Ausstieg aus der Atomkraft, der geplante Kohleausstieg bis 2038, die überstürzte Abkehr von russischem Gas – all das hat den Spielraum der Bundesrepublik auf ein Minimum reduziert.
Man muss sich das einmal vor Augen führen: Seit den 1970er-Jahren wurde Deutschland von der Sowjetunion und später von Russland zuverlässig und zu günstigen Preisen mit Erdgas beliefert. Dann kam der Ukraine-Krieg, und der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen verkündete im März 2022, dass die Bundesrepublik bis Ende 2022 kein Öl und bis Mitte 2024 kein Gas mehr aus Russland beziehen wolle. Was ethisch nachvollziehbar gewesen sein mag, war energiepolitisch ein schwerer Fehler – einer, dessen Konsequenzen wir heute in voller Härte spüren.
Denn die russische Seite hatte nach diesem Beschluss keinerlei Interesse mehr an einer verlässlichen Versorgung Deutschlands. In Asien warteten zahlungskräftige Kunden, die zudem langfristige Verträge abschließen wollten – Planungssicherheit, die jeder Gasverkäufer zu schätzen weiß. Über 20 Sanktionspakete hat die EU seither gegen Russland verhängt. Den Kreml zu einer Verhaltensänderung gebracht haben sie nicht. Stattdessen haben nicht wenige Experten recht behalten, die warnten, dass die Sanktionen der deutschen und europäischen Wirtschaft mehr schaden würden als dem russischen Energiesektor.
Ein Zurück ist kaum möglich – aber ein Teilweg wäre denkbar
Eine Rückkehr zu russischem Gas im Umfang von über 50 Prozent aller deutschen Gasimporte, wie noch 2020, erscheint unrealistisch. Doch eine Ergänzung durch russische Lieferungen im Umfang von zehn bis 15 Prozent wäre zur Diversifizierung durchaus vorstellbar. Allerdings müsste dazu der von der EU verhängte Ausstiegsbeschluss zurückgenommen oder zumindest ein Moratorium verhängt werden. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz lehnt dies derzeit ab. Sollte die fragile Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran jedoch keinen Bestand haben, dürfte diese Diskussion mit Nachdruck wieder aufflammen.
Beim Erdöl hat Deutschland den Abschied von russischen Lieferungen bereits vollzogen. Norwegen, die USA, Nigeria und Libyen sind die wichtigsten Lieferanten. Irak und Saudi-Arabien stehen nur für etwa zehn Prozent der Einfuhren. Bislang hat Deutschland eher ein massives Preis- als ein Versorgungsproblem. Doch eine Fortsetzung des Krieges am Golf könnte auch das ändern.
Der Globale Süden am Rande des Abgrunds
Die Energiekrise trifft die ärmsten Länder der Welt am härtesten. In Nordafrika rechnen Staaten wie Tunesien und Marokko mit deutlich niedrigeren Wachstumsraten. Besonders gefährdet seien Länder wie Pakistan und Ägypten mit geringen Reserven und schwacher Währung. In Südafrika hat die Regierung zum 1. April Preiserhöhungen für Benzin und Diesel um 20 bis 30 Prozent beschlossen. Staatspräsident Ramaphosa nannte den Angriff auf den Iran „einen Akt imperialistischer Aggression, der die gesamte Weltwirtschaft und internationale Sicherheit erheblich gefährdet".
Während der internationale Standard bei Ölreserven laut der Internationalen Energieagentur bei etwa 90 Tagen liegt, verfügen die meisten afrikanischen Länder nur über Reserven für 20 bis 25 Tage. Russische Öllieferungen an Drittstaaten – die Philippinen haben bereits 2,5 Millionen Barrel gekauft, Thailand, Vietnam und Indonesien haben starkes Interesse bekundet – tragen dazu bei, die fragile Lage in diesen Regionen zu stabilisieren. Selbst EU-Staaten, die kein russisches Öl mehr beziehen, dürften verstärkte russische Lieferungen in Drittstaaten insgeheim begrüßen.
Die bittere Lektion
Was bleibt als Fazit? Die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre war ein Lehrstück darin, wie man sich durch ideologische Scheuklappen und moralischen Übereifer selbst in eine Sackgasse manövriert. Während Russland seine Verhandlungsposition ausbaut, neue Allianzen schmiedet und Milliarden an Zusatzgewinnen einstreicht, steht Europa mit leeren Händen da. Die Dunkelflauten – jene Phasen, in denen weder Wind weht noch Sonne scheint – lassen sich eben nicht mit guten Absichten überbrücken, sondern nur mit verlässlichen Energiequellen. Und davon hat sich Deutschland gleich mehrere auf einmal abgeschnitten.
In Zeiten derartiger geopolitischer Verwerfungen und explodierender Energiepreise zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine solide Vermögenssicherung ist. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als Schutz gegen Inflation, Währungsverfall und geopolitische Krisen bewährt. Wer sein Portfolio mit realen Werten absichert, steht in stürmischen Zeiten deutlich stabiler da als jene, die allein auf volatile Papierwerte setzen.
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