Kettner Edelmetalle
31.07.2026
08:39 Uhr

Porsche gesteht das Offensichtliche: Der Kunde war der Politik im Weg

Porsche gesteht das Offensichtliche: Der Kunde war der Politik im Weg
Symbolbild: KI-generiert

Es gibt SĂ€tze, die eine ganze Epoche der Industriegeschichte in wenigen Worten erledigen. Der neue Porsche-Chef Michael Leiters hat einen solchen Satz gesprochen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rĂ€umte er ein, man habe bei der ElektromobilitĂ€t den Kunden vergessen. Vergessen. Nicht ĂŒbersehen, nicht falsch eingeschĂ€tzt – vergessen. Es ist das EingestĂ€ndnis eines strategischen Totalausfalls, verpackt in die Höflichkeitsformel eines Vorstandsvorsitzenden.

Wenn Ingenieure fĂŒr Paragraphen bauen statt fĂŒr Menschen

Leiters benannte in aller Deutlichkeit, woran es gehapert habe: Man habe zu lange auf den Gesetzgeber geschaut und zu wenig auf jene, die die Autos am Ende bezahlen sollen. KĂŒnftig wolle sich Porsche weniger von Regulierung begrenzen lassen und mehr ĂŒber Innovation nachdenken. Man muss diesen Vorgang einen Moment auf sich wirken lassen: Ein deutscher Premiumhersteller, dessen Markenkern seit Jahrzehnten Fahrfreude, Emotion und Handwerk ist, hat sich freiwillig an BrĂŒsseler Verordnungstexte gekettet – und stellt nun fest, dass Verordnungen keine Autos kaufen.

Wer fĂŒr den Gesetzgeber entwickelt, verkauft an den Gesetzgeber. Und der fĂ€hrt bekanntlich Dienstwagen mit Chauffeur.

Genau hier liegt die politische Dimension dieser Nachricht. Das Verbrenner-Aus, die Flottengrenzwerte, die Förderkulissen und der moralische Dauerdruck aus Berlin und BrĂŒssel haben eine ganze Branche in eine Planwirtschaft mit Ledersitzen verwandelt. Der Markt wurde nicht erobert, er wurde verordnet. Und MĂ€rkte, die man verordnet, kollabieren, sobald die Subvention endet.

Die Zahlen sind gnadenlos

Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Anteil rein batterieelektrischer Auslieferungen bei Porsche von 23,5 auf 19,4 Prozent. Der Taycan, einst als leuchtendes Symbol der elektrischen Zukunft gefeiert, verlor gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum ein Viertel seiner Auslieferungen. Der gute alte 911 hingegen – ein Auto mit Verbrennungsmotor, dessen Grundkonzept Ă€lter ist als die meisten Klimakonferenzen – legte um 19 Prozent zu. Beim Macan setzte Porsche außerhalb der EuropĂ€ischen Union 19.695 Verbrenner ab, wĂ€hrend weltweit nur 15.620 Elektro-Exemplare einen KĂ€ufer fanden. Deutlicher kann ein Markt nicht sprechen.

Die Konsequenzen: weniger Varianten, neue Verbrenner, Tausende Stellen weg

Leiters zieht daraus SchlĂŒsse, die vor drei Jahren als Ketzerei gegolten hĂ€tten. Ein neuer Macan mit Verbrennungsmotor soll voraussichtlich 2028 oder 2029 spĂŒrbar zu Umsatz und Gewinn beitragen. Einen vollelektrischen 911 schließt er aus. Die Modellpalette wird gestrafft, die Zusammenarbeit mit Volkswagen enger, der Sparkurs hĂ€rter – Tausende ArbeitsplĂ€tze fallen weg. Das ist die Rechnung. Sie wird nicht von Ministern bezahlt, die Zielvorgaben ins Gesetzblatt schreiben, sondern von Facharbeitern in Zuffenhausen und Leipzig.

Ein Muster, kein Einzelfall

Wer die Wirtschaftsnachrichten dieser Monate liest, erkennt das Muster: BMW baut 8.000 Stellen ab, Mercedes senkt Umsatzziele, der VW-Gewinn bricht im zweiten Quartal um ein Drittel ein, bei BASF in Ludwigshafen arbeiten erstmals seit 1954 weniger als 30.000 Menschen. Und die Bundesnetzagentur soll sich Berichten zufolge auf wochenlangen Strommangel vorbereiten – ausgerechnet in dem Land, das seine MobilitĂ€t komplett auf Strom umstellen wollte. Man könnte lachen, wenn es nicht um das industrielle RĂŒckgrat Europas ginge.

Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt. Der Bruch mit der ideologischen Industriepolitik der VorgĂ€ngerregierung? Er blieb aus. Stattdessen wird weiter geplant, gefördert und verschuldet, wĂ€hrend VorstĂ€nde wie Leiters die schmerzhafte Wahrheit aussprechen mĂŒssen, die Politiker nicht hören wollen: Kunden lassen sich nicht regulieren.

Was das fĂŒr Sparer bedeutet

Wenn Leitindustrien schrumpfen, Stellen verschwinden und der Staat die LĂŒcke mit neuen Schulden fĂŒllt, dann ist das Ergebnis absehbar: Die Kaufkraft der WĂ€hrung leidet, die Steuer- und Abgabenlast steigt, kommende Generationen zahlen die Zinsen. Wer sein Vermögen nicht ausschließlich an das Wohlergehen einer politisch gesteuerten Volkswirtschaft koppeln möchte, sollte ĂŒber echte, physische Werte nachdenken. Gold und Silber haben WĂ€hrungsreformen, Kriege und Industriekrisen ĂŒberdauert – sie brauchen keine FörderprĂ€mie und kein Gesetz, um Wert zu behalten.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt ausschließlich die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfĂ€ltige Recherche und liegt in der ausschließlichen Verantwortung des Anlegers. FĂŒr steuerliche oder rechtliche Fragen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Steuer- oder Rechtsberater.

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Wer ist: Thorsten Polleit

Thorsten Polleit ist einer der profiliertesten Ökonomen Deutschlands und ein international anerkannter Experte fĂŒr Geld- und Kapitalmarkttheorie sowie Edelmetalle wie Gold und Silber sowie fĂŒhrender