
Pekings digitale Schattenarmee: Ăber 330 Fake-Accounts gegen Trump und den freien Westen enttarnt
Was klingt wie der Plot eines mittelmĂ€Ăigen Spionagethrillers, ist bittere RealitĂ€t: Forscher haben ein weitverzweigtes Netzwerk von mehr als 330 Social-Media-Konten aufgedeckt, die direkt mit China in Verbindung stehen und systematisch darauf abzielen, westliche Demokratien zu destabilisieren. Die Ziele? US-PrĂ€sident Donald Trump, Japans Premierministerin Sanae Takaichi, Menschenrechtsorganisationen â kurz: jeder, der es wagt, sich den Interessen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in den Weg zu stellen.
Ein Netz aus LĂŒgen und Algorithmus-Manipulation
Die in Washington ansĂ€ssige Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies (FDD) hat das Netzwerk zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 auf Plattformen wie X, YouTube, Tumblr, Blogger und Quora identifiziert. Die Forscher entdeckten sechs verschiedene âCluster" von Konten, die jeweils unterschiedliche Narrative bedienten â alle mit dem gemeinsamen Ziel, pro-chinesische Propaganda zu verbreiten und politische Gegner der KPCh zu diskreditieren.
Der gröĂte dieser Cluster umfasste allein 151 Konten, die sich gezielt an ein amerikanisches Publikum richteten. Besonders perfide: Einige dieser Konten gaben sich als amerikanische StaatsbĂŒrger aus und attackierten Trumps Politik. So wurde etwa behauptet, der PrĂ€sident habe die Fentanyl-Krise verursacht oder verschĂ€rft. Ein bemerkenswertes Detail entlarvte die Operation: Konten mit wenigen oder gar keinen Followern generierten plötzlich Tausende von Antworten â ein untrĂŒgliches Zeichen fĂŒr ein âinauthentisches VerstĂ€rkungsnetzwerk", wie die Forscher es nennen.
âDiese Taktik wird eingesetzt, um Plattform-Algorithmen so zu manipulieren, dass die Inhalte in die Feeds echter Nutzer gespĂŒlt werden", heiĂt es in dem Bericht der FDD.
Japan, Kanada, Philippinen â niemand ist sicher
Doch die Vereinigten Staaten waren bei Weitem nicht das einzige Ziel. Ein weiterer Cluster attackierte Japans Premierministerin Takaichi im Vorfeld der japanischen Wahlen und stellte sie als âkorrupt und militaristisch" dar. Man muss kein Geopolitik-Experte sein, um zu erkennen, dass Peking eine konservative, verteidigungsbereite japanische FĂŒhrung als Bedrohung seiner HegemonialansprĂŒche im Pazifik betrachtet.
Ein dritter Cluster richtete sich gezielt gegen uigurische Aktivisten und versuchte, anti-uigurische Stimmung unter kanadischen und japanischen Nutzern zu schĂŒren. Die systematische Verfolgung der uigurischen Minderheit in Xinjiang â von den USA offiziell als Völkermord eingestuft â umfasst MassenĂŒberwachung, Zwangsarbeit und nach zunehmender Beweislage auch erzwungene Organentnahmen. Dass Peking nun auch im digitalen Raum versucht, die Stimmen der UnterdrĂŒckten zum Schweigen zu bringen, ĂŒberrascht kaum, macht es aber nicht weniger erschreckend.
Weitere Cluster beschuldigten US-Organisationen der âKollusion" mit Taiwan, warfen den Vereinigten Staaten Einmischung in honduranische Wahlen vor und verstĂ€rkten Proteste gegen den philippinischen PrĂ€sidenten. Ein regelrechtes Potpourri der Desinformation, maĂgeschneidert fĂŒr verschiedene geopolitische SchauplĂ€tze.
GefĂ€lschte IdentitĂ€ten und gestohlene GlaubwĂŒrdigkeit
Besonders dreist: In einigen FĂ€llen ĂŒbernahmen die gefĂ€lschten Konten Namen und Bilder, die offiziellen Organisationen â darunter US-Behörden â zum Verwechseln Ă€hnlich sahen. Diese Methode zielt darauf ab, den Anschein von LegitimitĂ€t zu erzeugen und ahnungslose Nutzer in die Irre zu fĂŒhren. Die FDD stellt unmissverstĂ€ndlich fest, dass diese Konten âkollektiv Empfehlungsalgorithmen manipulieren, um ihre Narrative ahnungslosen Social-Media-Konsumenten aufzudrĂ€ngen".
Spamouflage 2.0 â und die Rolle KĂŒnstlicher Intelligenz
Die Kampagne weist laut den FDD-Forschern starke Parallelen zur berĂŒchtigten âSpamouflage"-Operation auf, einer der bekanntesten von der KPCh unterstĂŒtzten Online-Desinformationskampagnen. Bereits 2019 hatte die Forschungsfirma Graphika einen umfassenden Bericht ĂŒber Spamouflage veröffentlicht, nachdem Twitter 3,5 Millionen mit der KPCh verknĂŒpfte BeitrĂ€ge gelöscht hatte.
Was die Sache noch beunruhigender macht: Graphika und andere Forscher warnen, dass solche Einflusskampagnen zunehmend auf KĂŒnstliche Intelligenz setzen. Die Technologie ermöglicht es, Desinformation in einem AusmaĂ und einer Geschwindigkeit zu produzieren, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wĂ€re. KĂŒrzlich deckte Graphika zudem ein Netzwerk von Webdomains auf, die sich als renommierte Nachrichtenmedien wie die New York Times, den Guardian oder das Wall Street Journal ausgaben â alles im Dienste pro-chinesischer Propaganda.
Ein Weckruf fĂŒr den Westen â auch fĂŒr Deutschland
Die FDD empfiehlt den Vereinigten Staaten, eigene FĂ€higkeiten zur Abwehr solcher Einflussoperationen zu entwickeln. Die kĂŒrzlich geschaffene Position eines âDirector of Cognitive Advantage" im Nationalen Sicherheitsrat der USA könnte dabei eine SchlĂŒsselrolle spielen. Doch die Frage drĂ€ngt sich auf: Was tut Europa? Was tut Deutschland?
WĂ€hrend die USA unter Trump zumindest das Problem beim Namen nennen und GegenmaĂnahmen ergreifen, scheint man in Berlin noch immer in der naiven Vorstellung zu verharren, wirtschaftliche Verflechtungen mit China wĂŒrden schon fĂŒr StabilitĂ€t sorgen. Die RealitĂ€t sieht anders aus. Peking fĂŒhrt einen hybriden Informationskrieg gegen den gesamten freien Westen â und Deutschland mit seiner ohnehin fragilen Medienlandschaft und einer Bevölkerung, die zunehmend das Vertrauen in etablierte Institutionen verliert, bietet dafĂŒr ein besonders fruchtbares Terrain.
Die EnthĂŒllungen sollten als Weckruf dienen. Nicht nur fĂŒr Regierungen und Geheimdienste, sondern fĂŒr jeden einzelnen BĂŒrger, der sich in sozialen Medien bewegt. Denn die nĂ€chste Desinformationskampagne ist bereits im Gange â und sie könnte diesmal auch deutsche Wahlen, deutsche Debatten und deutsche Interessen ins Visier nehmen. In einer Zeit, in der physische Werte wie Gold und Silber als Bollwerk gegen wirtschaftliche Unsicherheit dienen, braucht es auch ein geistiges Bollwerk gegen die systematische Unterwanderung unserer demokratischen DiskursrĂ€ume durch autoritĂ€re Regime.










