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22.09.2026
06:08 Uhr
KI-generiert

Notaufnahmen am Limit: Fast jede zweite Klinik meldet Überlastung!

Notaufnahmen am Limit: Fast jede zweite Klinik meldet Überlastung!
Symbolbild: KI-generiert

Deutschlands Notaufnahmen arbeiten am Anschlag. Eine Blitzumfrage der Deutschen Gesellschaft fĂŒr InterdisziplinĂ€re Notfall- und Akutmedizin (DGINA) unter 271 KrankenhĂ€usern in allen BundeslĂ€ndern zeigt: 45 Prozent der HĂ€user waren am Stichtag 2. Juni 2026 ĂŒberbelegt und ĂŒberlastet. In einzelnen Kliniken kann die Belastung nach eigener EinschĂ€tzung der Betroffenen sogar die Patientensicherheit gefĂ€hrden.

Level 6: Wenn die Ambulanz zur Gefahrenzone wird

Die Zahlen sind mehr als ein Stimmungsbild. 31,4 Prozent der befragten HĂ€user stuften ihre Lage im sogenannten Cedoc-Score auf Level 4 ein – Überbelegung. 8,1 Prozent meldeten Level 5, also schwerwiegende Überlastung. Und 5,5 Prozent erreichten die höchste Stufe 6: gefĂ€hrliche ÜberfĂŒllung.

Rund die HĂ€lfte der Kliniken gab an, die Situation habe sich binnen zwölf Monaten weiter verschlechtert. DGINA-PrĂ€sident Martin Pin erklĂ€rte, die Ergebnisse erschreckten sehr; aus großen internationalen Studien sei bekannt, dass in solchen Belastungssituationen die Patientensicherheit auf dem Spiel stehe.

Der eigentliche Engpass liegt eine Etage höher

Bemerkenswert ist die Hauptursache. Nicht der Andrang an der TĂŒr ist das grĂ¶ĂŸte Problem, sondern der verstopfte Ausgang: 60,6 Prozent der Kliniken konnten Patienten nicht auf regulĂ€re Stationen verlegen, weil dort Betten fehlten. Fast zwei Drittel berichteten zusĂ€tzlich von unbesetzten Stellen in Pflege oder Ă€rztlichem Dienst. Nur knapp ein Drittel hielt die eigene Personalausstattung fĂŒr ausreichend. Mehrfachnennungen waren möglich.

Die Folge ist eine Blockade mit Ansteckungseffekt: BehandlungsplĂ€tze bleiben gebunden, neue FĂ€lle warten lĂ€nger. Betten ohne Personal helfen nicht – Personal ohne Betten ebenso wenig. Die teilnehmenden HĂ€user stehen fĂŒr ĂŒber 8,5 Millionen Patientenkontakte im Jahr 2025. Bundesweit behandeln Krankenhausambulanzen bis zu 25 Millionen Notfallpatienten pro Jahr.

Reform im Parlament – und massive Kritik der Fachwelt

Politisch lĂ€uft parallel ein Großprojekt. Das Bundeskabinett beschloss am 22. April 2026 den Entwurf einer Notfallreform, am 9. Juli 2026 debattierte der Bundestag in erster Lesung. Geplant sind Integrierte Notfallzentren aus Klinik-Notaufnahme, KV-Notdienstpraxis und zentraler ErsteinschĂ€tzungsstelle sowie eine Aufteilung der 116 117 in Termin- und Akutleitstelle. Die Digitalisierung der Leitstellen soll von 2027 bis 2031 mit 225 Millionen Euro aus dem Sondervermögen gefördert werden – erwartet werden langfristig Minderausgaben von rund 1,2 Milliarden Euro jĂ€hrlich.

Doch bei der Anhörung im Gesundheitsausschuss am 9. September 2026 fiel die Fachwelt ĂŒber den Entwurf her. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft nannte das Vorhaben laut Parlamentsdokumentation „weder ausreichend finanziert noch hinreichend durchdacht" und warnte davor, Kliniken wĂŒrden zu „Hilfsorganen" des vertragsĂ€rztlichen Systems. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung lehnt den Entwurf in großen Teilen ab und beklagt Parallelstrukturen bei gleichzeitig sinkenden Mitteln. Auch die BundesĂ€rztekammer warnte vor einem Nebeneinander verschiedener Systeme.

Sparziele statt Substanz?

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart sich hier ein bekanntes Muster: Milliarden fließen in Schulden-Sondervermögen und Klimaziele, wĂ€hrend im Kernbereich staatlicher DaseinsfĂŒrsorge Betten und FachkrĂ€fte fehlen. Ein Reformgesetz, das laut eigenem Entwurf vor allem Einsparpotenziale hebt, dĂŒrfte den BeschĂ€ftigten in ĂŒberfĂŒllten Ambulanzen wenig Trost bieten.

Beitragszahler finanzieren eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Die Frage, warum fast jede zweite Notaufnahme trotzdem am Limit arbeitet, ist berechtigt – und sie wartet weiter auf eine Antwort.

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