
Machtkampf im Herzen der US-Geheimdienste: Wer kontrolliert Amerikas Spionageapparat?
Ein erbitterter Streit tobt derzeit in Washington ĂŒber die Zukunft der amerikanischen Geheimdienste. Im Zentrum steht das Office of the Director of National Intelligence (ODNI), jene nach dem 11. September 2001 geschaffene Superbehörde, die eigentlich alle 18 US-Geheimdienste koordinieren sollte. Was als schlanke Koordinierungsstelle gedacht war, habe sich zu einem aufgeblĂ€hten bĂŒrokratischen Monster entwickelt, so die einhellige Meinung republikanischer Politiker.
Die Fronten verlaufen dabei quer durch das konservative Lager. Auf der einen Seite steht Tulsi Gabbard, Trumps neue Geheimdienstchefin, die mit radikalen Reformen Ernst macht. Die ehemalige Demokratin und Kritikerin endloser MilitĂ€rinterventionen habe bereits 25 Prozent der ODNI-Belegschaft entlassen und ganze Abteilungen geschlossen - darunter das "Intelligence Community Human Capital Office", das sie als "Slush Fund" fĂŒr linke DiversitĂ€tsprogramme bezeichnete.
Cotton gegen Gabbard: Der Kampf um die Macht
Auf der anderen Seite positioniert sich Senator Tom Cotton aus Arkansas, ein Falke in Sachen AuĂenpolitik und Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Senat. Cotton habe vergangene Woche einen Gesetzentwurf eingebracht, der die ODNI-Belegschaft auf maximal 650 Mitarbeiter begrenzen wĂŒrde. Bestimmte ZustĂ€ndigkeiten sollen dabei an andere Geheimdienste ĂŒbertragen werden - insbesondere an die CIA.
Ein hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter warnte gegenĂŒber RealClearPolitics: "Sie wollen das ODNI nicht so reformieren, wie Tulsi Gabbard und PrĂ€sident Trump es wollen." Der Cotton-Entwurf wĂŒrde "nur der CIA mehr Macht geben". Ein Mitarbeiter des Senats konterte, dies habe nichts mit der aktuellen FĂŒhrung zu tun - Cotton arbeite seit zehn Jahren an diesem Thema.
"Finden Sie eine andere Behörde, die in weniger als fĂŒnf Monaten 25 Prozent ihrer Belegschaft reduziert hat"
Diese Aussage eines Geheimdienstmitarbeiters verdeutlicht das Tempo, mit dem Gabbard ihre Reformen vorantreibt. Doch ihre Position scheint nicht unangefochten. Trump habe kĂŒrzlich ihre EinschĂ€tzung zur iranischen Nuklearpolitik öffentlich zurĂŒckgewiesen mit den Worten: "Es ist mir egal, was sie gesagt hat." Auch ihre Abwesenheit bei einem wichtigen Sicherheitstreffen in Camp David nĂ€hrte Spekulationen ĂŒber ihre Stellung im Team.
Die tieferen GrÀben im konservativen Lager
Der Konflikt offenbart fundamentale Differenzen innerhalb der republikanischen Partei ĂŒber Amerikas Rolle in der Welt. Gabbard reprĂ€sentiert den nicht-interventionistischen FlĂŒgel, der endlose Kriege ablehnt und den "Deep State" kritisch sieht. Cotton hingegen steht fĂŒr eine traditionellere, hawkische AuĂenpolitik.
Professor Loch Johnson von der University of Georgia, den die New York Times einst als "Dekan der amerikanischen Geheimdienstwissenschaftler" bezeichnete, erklĂ€rte die historischen HintergrĂŒnde: Nach den VersĂ€umnissen bei 9/11 und den falschen Informationen ĂŒber Massenvernichtungswaffen im Irak sei das ODNI geschaffen worden, um die zerstrittenen Geheimdienste zu koordinieren. "Das machte durchaus Sinn", so Johnson, "auĂer fĂŒr ein Problem: Das BĂŒro bekam nie die Werkzeuge, die es brauchte, um die Integrationsaufgabe zu erfĂŒllen."
John Ratcliffe, der das Amt wĂ€hrend Trumps erster Amtszeit innehatte, bestĂ€tigte diese EinschĂ€tzung. FrĂŒhere DNIs seien nur auf dem Papier Leiter der Geheimdienste gewesen und hĂ€tten sich routinemĂ€Ăig den PrĂ€ferenzen der CIA und anderer Behörden gebeugt.
Was bedeutet das fĂŒr Amerikas Sicherheit?
Die ReformplĂ€ne Gabbards, die RealClearPolitics exklusiv vorliegen, umfassen vier Hauptbereiche: Personal, Finanzen, Prozesse und Struktur. WĂ€hrend ihre UnterstĂŒtzer von ĂŒberfĂ€lligen Reformen sprechen, warnen Kritiker vor einer SchwĂ€chung der amerikanischen GeheimdienstkapazitĂ€ten in einer Zeit globaler Bedrohungen.
VizeprĂ€sident JD Vance stellte sich demonstrativ hinter Gabbard: "Sie ist ein unverzichtbares Mitglied unseres nationalen Sicherheitsteams, und wir sind dankbar fĂŒr ihre unermĂŒdliche Arbeit, Amerika vor auslĂ€ndischen Bedrohungen zu schĂŒtzen." Ein hochrangiger Regierungsbeamter ergĂ€nzte: "Man kann sehen, dass Tulsi den dritten Schienenstrang berĂŒhrt hat. NatĂŒrlich wĂŒrde der Deep State gegen seine Verkleinerung und Dezentralisierung kĂ€mpfen."
Der Ausgang dieses Machtkampfes wird weitreichende Folgen haben - nicht nur fĂŒr die Struktur der US-Geheimdienste, sondern auch fĂŒr die grundsĂ€tzliche Ausrichtung der amerikanischen AuĂen- und Sicherheitspolitik. Ob sich Gabbards radikaler Reformkurs oder Cottons CIA-freundlicherer Ansatz durchsetzt, könnte darĂŒber entscheiden, wie Amerika kĂŒnftig Informationen sammelt, analysiert und auf globale Bedrohungen reagiert.
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