
Libyens Lichter gehen aus â und Europas Gasversorgung wackelt mit

Wenn nachts der Strom ausfĂ€llt, die Klimaanlagen verstummen und die KĂŒhlschrĂ€nke auftauen, dann interessiert sich niemand mehr fĂŒr die Verlautbarungen einer Ăbergangsregierung. In Libyen hat sich dieser Frust nun in einer Aktion entladen, die Europas Energieplaner elektrisiert haben dĂŒrfte: Demonstranten drangen in der Nacht zum Dienstag in den Mellitah-Komplex ein, rund 90 Kilometer westlich von Tripolis, und drehten kurzerhand jene Gasleitungen zu, die die Kraftwerke des Landes speisen. Wer glaubt, das sei ein exotisches Problem am SĂŒdrand des Mittelmeers, sollte einen Blick auf die Landkarte werfen â und auf die Unterseepipeline nach Sizilien.
Ein Komplex, der Italien versorgt â und Libyen am Laufen hĂ€lt
Der Mellitah-Komplex ist ein Gemeinschaftsunternehmen der staatlichen libyschen Ălgesellschaft NOC und des italienischen Energieriesen Eni. Von dort aus flieĂen nach Angaben eines internationalen Dienstleisters tĂ€glich rund 30 Millionen Standardkubikmeter Gas durch eine Röhre unter dem Mittelmeer hinĂŒber nach Sizilien. ZusĂ€tzlich betreibt Mellitah das Ălfeld El Feel, das unter normalen UmstĂ€nden zwischen 80.000 und 90.000 Barrel pro Tag liefert. Nach der Störung stand die Förderung an den Feldern El Feel und Wafa still, inzwischen laufe sie wieder an, wie die NOC mitteilte. Die Regierung in Tripolis erklĂ€rte, SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten die Anlage zurĂŒckerobert, die Gaszufuhr zu den Kraftwerken sei wiederhergestellt.
Die Behörden hatten zuvor gewarnt, das Abdrehen der Leitungen könne in mehreren Landesteilen einen kompletten Blackout auslösen und die StabilitĂ€t des gesamten Netzes gefĂ€hrden. Mehrere Generatoren fielen laut NOC aus. Der staatliche Stromversorger versprach, das Netz werde nach Wiederaufnahme des Betriebs schrittweise stabilisiert. Das klingt beruhigend â solange man nicht in Sawija oder Misrata im Dunkeln sitzt.
Wut auf der StraĂe, RĂŒcktrittsforderungen im Regierungsviertel
Seit Tagen protestieren Menschen in Tripolis, Sawija, Misrata und weiteren StĂ€dten im Westen des Landes gegen stundenlange StromausfĂ€lle. Sie verlangen eine funktionierende Versorgung â und den RĂŒcktritt von MinisterprĂ€sident Abdul Hamid Dbeibah. Man muss kein Nahost-Experte sein, um zu erkennen: Wo der Staat nicht einmal die Grundversorgung garantiert, verliert er zuerst die LegitimitĂ€t und dann die Kontrolle.
Die Gewerkschaft der BeschĂ€ftigten verurteilte das Zudrehen der Leitungen scharf. Es habe erhebliche technische und betriebliche Risiken geschaffen und das Leben der Arbeiter gefĂ€hrdet, hieĂ es. Gefordert wurden strengere Sicherheitsvorkehrungen und juristische Konsequenzen fĂŒr die Beteiligten. Ein Gasleitungssystem ist kein Wasserhahn â wer daran herumdreht, riskiert Explosionen, nicht nur Symbolpolitik.
Ein Land, zwei Regierungen, unzÀhlige Interessen
Man darf an dieser Stelle daran erinnern, wie Libyen in diesen Zustand geraten ist. Seit dem Sturz Muammar al-Gaddafis im Jahr 2011 â damals von westlichen HauptstĂ€dten als Beginn einer strahlenden demokratischen Zukunft gefeiert â ist das Land zwischen rivalisierenden Machtzentren zerfallen. Im Westen regiert die international anerkannte Regierung Dbeibahs, im Osten leitet Osama Hammad die Verwaltung, flankiert vom Einfluss des MilitĂ€rkommandeurs Chalifa Haftar. Milizen und auslĂ€ndische Akteure halten auf beiden Seiten die Hand am Hebel. Die Bilanz einer Intervention, deren Architekten sich heute nur noch ungern daran erinnern lassen.
Wer ein Land zerschlĂ€gt, ohne einen Plan fĂŒr den Tag danach zu haben, erntet fĂŒnfzehn Jahre spĂ€ter Blackouts, Bandenherrschaft und Migrationsdruck an Europas SĂŒdgrenze.
Was das mit Deutschland zu tun hat
Sehr viel. Denn wĂ€hrend in Tripolis um Kilowattstunden gekĂ€mpft wird, hat Berlin die eigene Energiebasis freiwillig verschmĂ€lert: Kernkraft abgeschaltet, Kohle im Auslaufmodus, die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 inzwischen sogar im Grundgesetz verankert â und die VersorgungslĂŒcke wird mit Erdgas gefĂŒllt, das ĂŒber Pipelines und Tanker aus Regionen kommt, in denen ein wĂŒtender Mob binnen einer Nacht die Ventile schlieĂen kann. Italien spĂŒrt solche Ereignisse unmittelbar, und in einem europĂ€ischen Verbundmarkt spĂŒrt es am Ende jeder.
Die neue Bundesregierung aus Union und SPD hat zwar die Rhetorik geĂ€ndert, an der strukturellen AbhĂ€ngigkeit aber wenig. Stattdessen wird ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt, dessen Zinsen kĂŒnftige Generationen ĂŒber Steuern und Abgaben abtragen dĂŒrfen â jener Friedrich Merz, der vor der Wahl noch Schuldendisziplin versprach, hat diesen Vorsatz bemerkenswert schnell zu den Akten gelegt. Wer glaubt, Versorgungssicherheit lieĂe sich mit AbsichtserklĂ€rungen und Fördertöpfen herbeireden, wird von der RealitĂ€t eingeholt. In Libyen dauerte das eine Nacht.
Warum Sachwerte in solchen Zeiten Konjunktur haben
Jede Störung an einer Pipeline, jeder Aufstand in einem Förderland, jede politisch verordnete Verknappung schlĂ€gt am Ende in Preisen durch â und Preise, die steigen, entwerten Guthaben, deren Kaufkraft von Notenbanken und Haushaltspolitik abhĂ€ngt. Genau hier liegt der Reiz physischer Edelmetalle: Gold und Silber kennen keinen Ausfall von Generatoren, keine BonitĂ€tsprĂŒfung und keine Regierung, die nachts das Ventil zudreht. Sie sind, anders als Papierversprechen, nicht auf das Funktionieren einer Verwaltung angewiesen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen erfĂŒllen sie damit eine Aufgabe, die kaum eine andere Anlageklasse in dieser Form leisten kann: Sie sichern Substanz, wenn die Kulisse wackelt.
Libyen ist eine Warnung, kein Randthema. Ein Staat, der seine BĂŒrger nicht mit Strom versorgen kann, produziert Wut. Und ein Kontinent, der seine Energieversorgung von der StabilitĂ€t solcher Staaten abhĂ€ngig macht, sollte sich nicht wundern, wenn die Rechnung eines Tages prĂ€sentiert wird.
Hinweis in eigener Sache
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen dar. Er ist keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Jede Anlageentscheidung â ob in Edelmetalle, Rohstoffe, Wertpapiere oder andere Vermögenswerte â erfordert eine eigene, sorgfĂ€ltige PrĂŒfung und gegebenenfalls die Hinzuziehung qualifizierter Berater. FĂŒr Vermögensdispositionen und deren Folgen trĂ€gt jeder Anleger selbst die Verantwortung; eine Haftung fĂŒr Verluste wird ausdrĂŒcklich ausgeschlossen.










