
Kerosin-Schock: Ryanair warnt vor teurem Winter – und fordert Steuer-Aus

Ryanair hat bei der Vorstellung seines Winterflugplans in der Lombardei vor einem „schwierigen Winter“ gewarnt. Airline-Chef Eddie Wilson kündigte zehn neue Strecken ab Mailand-Malpensa und Bergamo an, sagte aber auch, dass die hohen Energiekosten auf die Ticketpreise durchschlagen würden. Gleichzeitig fordert der Billigflieger von Rom, eine umstrittene Passagiersteuer abzuschaffen.
Wachstum mit Haken
Auf den ersten Blick klingt das nach Aufbruch. An den beiden lombardischen Flughäfen steigt die Zahl der Ryanair-Strecken auf 125, das Sitzplatzangebot im Winter wächst um 11 Prozent auf 8,7 Millionen. Insgesamt rechnet die Airline dort mit 21 Millionen Passagieren, ein Plus von 9 Prozent.
Wilson schwärmte, Italien sei der größte und erfolgreichste Markt des Konzerns. Allein in Bergamo-Orio al Serio stationiert Ryanair zwei weitere Jets. Damit stehen dort 24 Maschinen, so viele wie im Sommer. Die Investition beziffert das Unternehmen auf 200 Millionen Dollar. Neu im Programm sind Liverpool, Paphos, Rabat und Reggio Calabria.
Die schlechte Nachricht steckt im Tank
Dann kam Wilson zu dem Teil, der Reisende interessieren dürfte. Die Energiekosten dürften hoch bleiben, und das werde sich in den Tarifen zeigen. Nach Angaben des Airline-Verbands IATA kostet ein Barrel Flugbenzin derzeit rund 195 Dollar. Vor dem US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar waren es Medienberichten zufolge noch unter 100 Dollar.
Noch federt Ryanair den Schock ab, mit Treibstoffreserven und einem bis März festgeschriebenen Kerosinpreis. Konzernchef Michael O'Leary räumte zuletzt aber ein, für den Winter sei man schlechter abgesichert und für den Sommer 2027 so gut wie gar nicht. Den durchschnittlichen Ticketpreis von rund 50 Pfund hält er laut Berichten für zu niedrig. Er könne auf etwa 60 Pfund steigen, also um rund 20 Prozent.
Wer überlebt den Preiskampf?
Wilson gibt sich trotzdem angriffslustig. Einige Konkurrenten müssten die Preise so stark wie möglich anheben, um zu überleben, sagte er. Ryanair dagegen habe die niedrigsten Kosten der Branche und werde weiter die günstigsten Tarife anbieten. Der Preisabstand zur Konkurrenz werde deshalb wachsen. Eine konkrete Prognose wollte er nicht abgeben:
„Die Preise werden von den Verbrauchern festgelegt, davon, wie viel sie bereit sind zu zahlen.“
Weg mit der Steuer, dann kommen die Jets
Der zweite Angriff galt dem italienischen Fiskus. In Bergamo und Malpensa erheben die Gemeinden einen Zuschlag von bis zu 7 Euro pro Passagier. Für Flüge in Länder außerhalb der EU wurde er zuletzt um 50 Cent erhöht. Wilson nannte das eine Steuer, die man abschaffen sollte. Ohne sie wäre Italien wettbewerbsfähiger. Mehrere Regionen haben den Zuschlag bereits gestrichen, darunter Sizilien, Kalabrien und die Emilia-Romagna.
Für den Fall, dass die Steuer landesweit fällt, macht Ryanair ein konkretes Angebot:
- 40 zusätzliche Flugzeuge, ein Investment von 4 Milliarden Dollar
- 20 Millionen zusätzliche Passagiere pro Jahr, insgesamt dann 90 Millionen
- 250 neue Strecken
- 15.000 weitere Arbeitsplätze im ganzen Land
Lehrstück für Berlin
Das Muster kennt man in Deutschland. Die Ampel-Regierung hatte die Luftverkehrsteuer im Mai 2024 erhöht. Ryanair strich daraufhin mehrfach Angebote an deutschen Flughäfen und verwies auf die hohen Standortkosten. Seit dem 1. Juli 2026 gilt unter Schwarz-Rot wieder ein niedrigerer Satz, Berichten zufolge allerdings weniger stark gesenkt als angekündigt. Ryanair kündigte für den Sommer 2026 trotzdem 300.000 zusätzliche Sitze in Deutschland an.
Daraus folgt eine einfache Lehre: Kapital fließt dorthin, wo der Staat nicht bei jeder Gelegenheit kassiert. Ab dem kommenden Frühjahr erwartet Ryanair 15 neue Flugzeuge, im Jahr darauf 15 weitere. Wo diese Maschinen stationiert werden, entscheidet sich auch an den Abgaben der einzelnen Länder.










