
Hongkongs Justiztheater: Wenn Demokratie zur Straftat wird
Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong erlebt dieser Tage ein weiteres Kapitel in ihrer tragischen Verwandlung von einer einst blĂŒhenden Bastion der Freiheit zu einem Schauplatz autoritĂ€rer WillkĂŒr. Am Montag begann der Berufungsprozess gegen zwölf Demokratieaktivisten, die im vergangenen November zu mehrjĂ€hrigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Was sich hier abspielt, ist nichts weniger als die systematische Zerschlagung jeglicher demokratischer Bestrebungen unter dem Deckmantel der "nationalen Sicherheit".
Der Preis der Freiheit
Die Angeklagten gehören zu einer Gruppe von ursprĂŒnglich 47 verhafteten Personen â darunter ehemalige Abgeordnete, Gewerkschafter, Wissenschaftler und Aktivisten. Ihr "Verbrechen"? Sie hatten es gewagt, im Jahr 2020 inoffizielle Vorwahlen zu organisieren, um prodemokratische Kandidaten fĂŒr die spĂ€ter abgesagte Parlamentswahl zu bestimmen. In einem funktionierenden Rechtsstaat wĂ€re dies ein normaler demokratischer Prozess. In Hongkong unter Pekings eiserner Faust wird daraus ein Akt des Aufruhrs konstruiert.
WĂ€hrend sich vor dem GerichtsgebĂ€ude mutige UnterstĂŒtzer versammelten, offenbarte sich die bittere RealitĂ€t in den Worten eines Demonstranten: Er erwarte nicht viel von dem Berufungsverfahren, wolle die Angeklagten aber trotzdem unterstĂŒtzen. Diese resignierte Haltung spiegelt die Ohnmacht wider, die viele Hongkonger angesichts der Ăbermacht Pekings empfinden.
Das Sicherheitsgesetz als Knebel
Grundlage fĂŒr diese Justizfarce ist das berĂŒchtigte "Sicherheitsgesetz", das Peking am 30. Juni 2020 der Stadt aufzwang. Seither kann praktisch jede Form von Kritik oder Opposition als Separatismus, Aufruhr, Terrorismus oder Kollaboration mit dem Ausland gebrandmarkt werden. Die Ironie dabei: WĂ€hrend in Deutschland linksgrĂŒne Aktivisten ungestraft StraĂen blockieren und die Gesellschaft in Geiselhaft nehmen können, werden in Hongkong Menschen fĂŒr die Organisation demokratischer Wahlen jahrelang weggesperrt.
Sarah Brooks von Amnesty International bezeichnete die Anhörungen als "entscheidenden Test" fĂŒr die Meinungsfreiheit in Hongkong. Doch seien wir ehrlich: Dieser Test ist lĂ€ngst gescheitert. Was sich hier abspielt, ist kein Gerichtsverfahren im rechtsstaatlichen Sinne, sondern ein Schauprozess, der nur einem Zweck dient: EinschĂŒchterung und Abschreckung.
Parallelen zur deutschen RealitÀt
WĂ€hrend wir mit Entsetzen nach Hongkong blicken, sollten wir nicht vergessen, dass auch in Deutschland die Meinungsfreiheit zunehmend unter Druck gerĂ€t. NatĂŒrlich nicht in dem extremen AusmaĂ wie in Hongkong, aber die Tendenz ist beunruhigend. Wenn Kritiker der Regierungspolitik als "Demokratiefeinde" diffamiert werden, wenn abweichende Meinungen zu Corona, Klima oder Migration reflexartig in die rechte Ecke gestellt werden, dann sind das Warnsignale, die wir ernst nehmen mĂŒssen.
Die Hongkonger Demokratiebewegung kĂ€mpfte fĂŒr Werte, die wir im Westen als selbstverstĂ€ndlich erachten: freie Wahlen, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit. Dass diese mutigen Menschen nun hinter Gittern sitzen, wĂ€hrend ihre Stadt StĂŒck fĂŒr StĂŒck ihrer Freiheiten beraubt wird, sollte uns eine Mahnung sein. Freiheit ist nicht selbstverstĂ€ndlich â sie muss verteidigt werden, jeden Tag aufs Neue.
Ein Blick in die Zukunft
Die zehntĂ€gigen Anhörungen werden vermutlich das erwartete Ergebnis bringen: Die Berufungen werden abgewiesen, die Urteile bestĂ€tigt. Hongkong wird weiter auf seinem Weg in die totale Kontrolle durch Peking voranschreiten. Die internationale Gemeinschaft wird protestieren, aber folgenlos. Denn wirtschaftliche Interessen wiegen schwerer als moralische Prinzipien â eine bittere Lektion, die nicht nur die Hongkonger lernen mussten.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass der Mut dieser zwölf Aktivisten nicht vergessen wird. Dass ihr Kampf fĂŒr Demokratie und Freiheit andere inspiriert, auch wenn sie selbst den Preis dafĂŒr mit ihrer Freiheit bezahlen mĂŒssen. In einer Zeit, in der autoritĂ€re Tendenzen weltweit auf dem Vormarsch sind, brauchen wir mehr denn je Menschen, die bereit sind, fĂŒr ihre Ăberzeugungen einzustehen â auch wenn der Preis hoch ist.
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