
Hardliner an Irans Schalthebel: Droht der Ăl-Schock am Hormus?

Teheran hat seinen Sicherheitsapparat neu sortiert. Generalmajor Mohsen Rezaei, von 1981 bis 1997 Kommandeur der Revolutionsgarden, wurde Medienberichten zufolge am 9. August 2026 zum SekretĂ€r des Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt â nach mehr als fĂŒnf Monaten Krieg gegen die USA und Israel. FĂŒr Beobachter ist das mehr als eine Personalrochade.
Ein Kriegsveteran ersetzt den stillen Verwalter
Der 71-JĂ€hrige löst Mohammad Baqer Zolqadr ab, der den Posten erst Ende MĂ€rz ĂŒbernommen hatte. Dessen VorgĂ€nger Ali Larijani war laut Berichten bei einem Luftangriff getötet worden. Zolqadr wechselt demnach als politischer Berater an die Seite des Staatsoberhaupts Mojtaba Khamenei, der das Amt nach dem Tod seines Vaters zu Kriegsbeginn ĂŒbernommen hat.
Rezaei ist kein BĂŒrokrat. Er formte die IRGC im Iran-Irak-Krieg aus einer Miliz zur zentralen MilitĂ€rmacht des Landes, war ĂŒber zwei Jahrzehnte SekretĂ€r des Schlichtungsrats und unter PrĂ€sident Raisi VizeprĂ€sident fĂŒr Wirtschaftsfragen. Promoviert wurde er in Wirtschaftswissenschaften an der UniversitĂ€t Teheran. Ein Mann also, der Waffen und Warenströme gleichermaĂen versteht â eine gefĂ€hrliche Kombination.
Die StraĂe von Hormus als Faustpfand
Seine erste öffentliche Botschaft lieĂ keinen Interpretationsspielraum: Die StraĂe von Hormus bleibe geschlossen, solange Washington sein Verhalten nicht Ă€ndere. Durch dieses Nadelöhr flieĂt rund ein FĂŒnftel der globalen Ălversorgung. Kommt zusĂ€tzlich die Bab al-Mandab-Passage ins Spiel â SchĂ€tzungen sprechen von 12 bis 15 Prozent des Welthandels ĂŒber das Rote Meer â, wird aus einem Regionalkonflikt ein Rechnungsproblem fĂŒr jeden deutschen MittelstĂ€ndler.
In Analysen aus dem iranfreundlichen Spektrum wird der Wechsel als Ăbergang von der âstrategischen Geduldâ zu einer offensiveren Doktrin gedeutet: US-Marineziele stĂŒnden im Fokus, ebenso Golfmonarchien, die amerikanische Basen bereitstellten. Diese EinschĂ€tzungen stammen von Kommentatoren, nicht von der iranischen FĂŒhrung â und sind entsprechend mit Vorsicht zu lesen. In sozialen Medien kursierende Behauptungen ĂŒber Kopfgelder auf US-Soldaten sind bislang unbestĂ€tigt.
Berlin schweigt, die Rechnung kommt trotzdem
PrĂ€sident Massud Peseschkian erklĂ€rte, sein Land mĂŒsse FĂ€higkeiten erlangen, die Gegner von Angriffen abhalten. Ob das auch nukleare Optionen einschlieĂe, blieb offen. Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Skandal: Die westliche Iran-Politik der vergangenen Jahre sollte Teheran zĂ€hmen â sie hat den Hardlinern die Argumente geliefert.
Und Deutschland? Die Bundesregierung diskutiert Sondervermögen, Klimapfade und BĂŒrokratieprogramme, wĂ€hrend Energiepreise und Lieferketten am Persischen Golf verhandelt werden. Wer eine Industrienation ohne heimische Energiereserven betreibt, macht sich abhĂ€ngig von MĂ€nnern wie Rezaei. Das ist keine Verschwörung, sondern schlichte Geografie.
Was Anleger daraus lernen könnten
Die MÀrkte haben die Botschaft lÀngst verstanden. Der Goldpreis kletterte im laufenden Jahr auf ein Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar, korrigierte danach deutlich und zog Berichten zufolge in den vergangenen Tagen wieder krÀftig an. Silber legte laut Medienberichten binnen zwölf Monaten zeitweise um rund 270 Prozent zu.
Geopolitische Risiken lassen sich nicht wegregulieren â aber ein Vermögen lĂ€sst sich robuster aufstellen. Physische Edelmetalle waren historisch in Zeiten von Kriegen, Blockaden und WĂ€hrungssorgen ein Anker, wenn Papierwerte ins Rutschen kamen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie eine nĂŒchterne Antwort auf eine unruhige Welt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Er spiegelt unsere Einordnung der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst informieren.










