
Gesinnungstest beim Tierschutz: AfD-Frau bekommt keinen Hund!

Die niedersächsische AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt wollte einer ausgesetzten Setter-Hündin aus Italien ein Zuhause geben. Der Verein Fortuna Animali lehnte ab, und zwar wegen ihrer Partei. Das geht Medienberichten zufolge aus einem WhatsApp-Verlauf hervor, der einer Redaktion vollständig vorliegt.
Eine Viertelstunde bis zum Nein
Behrendt hatte sich bei der zuständigen Ansprechpartnerin des Vereins gemeldet. Sie und ihre Familie interessierten sich sehr für die Hündin, schrieb sie, und bat um ein Telefonat. Gemeint war Setia, eine English-Setter-Hündin, die der Verein zur Vermittlung anbietet.
Ein Gespräch kam nicht zustande. Dem Bericht zufolge kam nach nur 15 Minuten die Absage, und die hatte es in sich:
„Sicherlich ist Ihnen bewusst, dass wir Auslandstierschutz machen. Aufgrund Ihrer politischen Zugehörigkeit sehen wir von einer Adoption eines ausländischen Hundes an Sie ab!“
Fragen zur Wohnsituation, zur Hundeerfahrung oder zur Zeit, die das Tier allein bleiben müsste, kamen laut Bericht nicht. Ausschlaggebend war offenbar allein das Parteibuch.
Ehemalige Hundetherapeutin, Ehemann aus Italien
Das wirkt umso merkwürdiger, wenn man Behrendts Lebenslauf kennt. Bevor sie 2022 in den Landtag in Hannover einzog, arbeitete sie unter anderem als selbstständige Hundetherapeutin. Nach eigenen Angaben war sie viele Jahre im Tierschutz aktiv und hat schon früher Hunde aus dem Ausland aufgenommen. Ihr Mann ist Italiener.
Behrendt nannte die Entscheidung „sehr bedauerlich“. Tierschutz solle ebenso wie Kinderschutz keine politische Farbe haben, schrieb sie. Dann stellte sie die Frage, um die sich der ganze Fall dreht: „Geht es dann wirklich darum, dem Tier ein liebevolles Zuhause zu geben?“
Öffentlich gemacht, aber kein Boykott
Danach machte die Abgeordnete den Vorgang auf X öffentlich. Lieber lasse man einen ausgewachsenen Hund in einem italienischen Tierheim versauern, als ihn an eine AfD-Politikerin zu vermitteln, schrieb sie. Es sei „traurig, wenn politische Gesinnung wichtiger wird als eigentlicher Tierschutz“.
Später rief sie ausdrücklich dazu auf, den Verein weder anzugreifen noch zu boykottieren. Sie sei zwar weiterhin „fassungslos“, unter einem Boykott würden am Ende aber die Tiere leiden. Den Ehrenamtlichen unterstellte sie, dass sie grundsätzlich das Beste für die Tiere wollten. Damit reagierte sie souveräner, als es mancher ihrer Kritiker wohl erwartet hätte.
Das Parteibuch steht in keinem Kriterienkatalog
Fortuna Animali ist seit 2019 als eingetragener Verein aktiv und vermittelt Hunde aus Italien an Familien in Deutschland. Im veröffentlichten Vermittlungsablauf ist eine mehrstufige Prüfung beschrieben. Politische Einstellungen oder eine Parteimitgliedschaft tauchen dort laut Bericht nicht als Kriterium auf. Eine Anfrage, warum die Parteizugehörigkeit den Ausschlag gab, blieb zunächst unbeantwortet.
Aus Sicht unserer Redaktion steht der Fall für einen bedenklichen Trend. Die Abgrenzung von der AfD, die in Berlin gern „Brandmauer“ genannt wird, reicht längst über Parlamente und Talkshows hinaus und erreicht inzwischen das Privatleben. Wenn ein Hund nach der Parteifarbe vermittelt wird, ist das Tierwohl erkennbar nicht mehr das erste Kriterium. Das Grundgesetz verbietet in Artikel 3 die Benachteiligung wegen politischer Anschauungen. Es bindet zwar in erster Linie den Staat, beschreibt aber einen Grundkonsens, den eine liberale Gesellschaft auch im Alltag pflegen sollte.
Und Setia wartet weiter
Die eigentliche Verliererin hat keine Partei. Setia wurde im Januar 2025 geboren, ist kastriert und wurde ausgesetzt aufgefunden. Heute lebt sie mit anderen Hunden in einem Refugium im italienischen Cori, südlich von Rom. Der Verein beschreibt sie als „sonnig“ und „menschenbezogen“. Sie vertrage sich mit anderen Hunden und brauche eine Familie, die mit dem großen Bewegungsdrang eines Setters zurechtkommt.
Eine solche Familie hatte sich gemeldet. Ob sie noch eine Chance bekommt, ist offen. Klar ist nur, dass eine Hündin, die nichts von Politik weiß, vorerst weiter auf ein Zuhause warten muss.
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