Kettner Edelmetalle
04.02.2026
05:54 Uhr

Gasspeicher im kritischen Bereich: Wirtschaftsministerium spielt Versorgungsrisiko herunter

Gasspeicher im kritischen Bereich: Wirtschaftsministerium spielt Versorgungsrisiko herunter

Die deutschen Erdgasspeicher sind auf einen besorgniserregenden FĂŒllstand von nur noch 31 Prozent gesunken – weit unter dem als kritisch definierten Schwellenwert von 40 Prozent. Doch das Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Energie unter Katherina Reiche zeigt sich erstaunlich unbeeindruckt und verweist lapidar auf die „gut ausgebaute LNG-Infrastruktur" sowie die Speicher der NachbarlĂ€nder. Eine Haltung, die angesichts der Faktenlage mehr als fragwĂŒrdig erscheint.

Kritische Marken deutlich unterschritten

Der Notfallplan Erdgas, der im Zuge der Energiekrise 2022 entwickelt wurde, definiert klare Grenzwerte fĂŒr die Bewertung der Versorgungslage. Ein FĂŒllstand von 55 Prozent zum 1. Februar gilt als stabil, zwischen 40 und 55 Prozent als angespannt. Alles darunter wird als kritisch eingestuft. Der tatsĂ€chlich erreichte Wert lag am Stichtag bei mageren 32 Prozent – also dramatisch unter der Alarmschwelle.

Besonders brisant: Laut Notfallplan sollten bereits dann Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wenn der sogenannte Speicherpfad eine Unterschreitung der 40-Prozent-Marke prognostiziert. Denn dann könne eine Gasmangellage bei kĂ€lteren Temperaturen im FrĂŒhjahr nicht mehr ausgeschlossen werden. Auch die BefĂŒllung fĂŒr den kommenden Winter werde dann „vermutlich herausfordernd". Genau dieses Szenario ist nun eingetreten – und das Ministerium? Schweigt sich aus.

Ministerium verweigert jegliche Prognose

Auf die Frage nach den Erwartungen fĂŒr die kommenden Wochen und Monate antwortet das Wirtschaftsministerium mit entwaffnender Offenheit: „Über kommende FĂŒllstĂ€nde spekulieren wir nicht." Eine bemerkenswerte Aussage, die offenbart, dass die Bundesregierung offenbar ohne jegliche fundierte Zukunftserwartung, ohne Szenarien oder Prognosen in den Winter gegangen ist. Verantwortungsvolle Energiepolitik sieht wahrlich anders aus.

Die Bundesnetzagentur, die dem Wirtschaftsministerium unmittelbar unterstellt ist, bestÀtigt pflichtschuldig, dass die Gasversorgung sichergestellt sei. Doch wie viel ist eine solche BestÀtigung wert, wenn sie von einer weisungsgebundenen Behörde stammt?

Individuelle Speicherziele verfehlt – Ministerium erklĂ€rt sie fĂŒr irrelevant

Neben dem desaströsen GesamtfĂŒllstand wurden auch die individuellen Speicherziele weitlĂ€ufig verfehlt. Die vier großen bayerischen Speicher, die fĂŒr die Versorgung des industrialisierten SĂŒddeutschlands von besonderer Bedeutung sind, sollten jeweils einen FĂŒllstand von 40 Prozent zum 1. Februar aufweisen. Die RealitĂ€t sieht erschreckend anders aus:

Der Speicher Wolfersberg lag bei unter fĂŒnf Prozent, Inzenham-West bei lediglich 17 Prozent. Auch die beiden Uniper-Speicher Breitbrunn und Bierwang verfehlten in Summe die Vorgaben deutlich. Breitbrunn, immerhin der drittgrĂ¶ĂŸte Speicher Deutschlands, war nur zu 17 Prozent gefĂŒllt – und soll nach den PlĂ€nen des verstaatlichten Energiekonzerns Uniper sogar ganz stillgelegt werden.

Der frĂŒhere Gazprom-Speicher im niedersĂ€chsischen Rehden, der die mit Abstand grĂ¶ĂŸte KapazitĂ€t in der Bundesrepublik bietet, war zum Stichtag nur zu gut neun Prozent ausgelastet. Das Ministerium erklĂ€rt dazu kĂŒhl, die FĂŒllstĂ€nde „individueller Speicher" seien irrelevant – obwohl eine Verordnung aus dem eigenen Hause spezifische FĂŒllstĂ€nde zu bestimmten Zeitpunkten vorschreibt.

Warnsignale aus der Branche werden ignoriert

WĂ€hrend die Politik beschwichtigt, schlagen Experten aus der Energiebranche lĂ€ngst Alarm. Der verstaatlichte Energiekonzern Uniper warnte Ende Januar unmissverstĂ€ndlich: Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei „nicht garantiert". Es fehle an Marktanreizen zur SpeicherbefĂŒllung, das Einspeichern lohne sich fĂŒr die Betreiber schlicht nicht.

Auch der PrĂ€sident der Bundesnetzagentur, Klaus MĂŒller, fordert inzwischen die Schaffung einer nationalen Gasreserve. Ein solches Vorgehen könnte allerdings erneut teuer werden – wie schon 2022, als der Bund auf Geheiß des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck so viel Gas aufkaufte, dass die Preise explodierten und die Steuerzahler Milliarden kosteten.

Déjà-vu der Energiekrise?

Die aktuelle Situation erinnert fatal an die VersĂ€umnisse der Vergangenheit. Schon wĂ€hrend der Energiekrise 2022 wurde deutlich, wie verwundbar Deutschland durch seine einseitige AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas geworden war. Die damalige Ampelregierung reagierte mit hektischen Notmaßnahmen und astronomischen Kosten fĂŒr den Steuerzahler.

Nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen – nur dass diesmal eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD am Ruder ist. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Wahlkampf versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Doch wie soll das gelingen, wenn die Energieversorgung derart fahrlĂ€ssig vernachlĂ€ssigt wird?

„Wir wollen entlasten und nicht belasten"

– so die Bundesregierung gegenĂŒber Medienanfragen. Schöne Worte, die angesichts der drohenden Gasmangellage wie blanker Hohn klingen. Denn wenn die Speicher weiter leerlaufen und im FrĂŒhjahr tatsĂ€chlich EngpĂ€sse auftreten, werden die Kosten fĂŒr Verbraucher und Wirtschaft explodieren.

Ein Armutszeugnis fĂŒr die deutsche Energiepolitik

Die Ignoranz des Wirtschaftsministeriums gegenĂŒber den alarmierenden SpeicherstĂ€nden ist symptomatisch fĂŒr eine Politik, die seit Jahren die RealitĂ€ten der Energieversorgung verkennt. WĂ€hrend man sich in ideologischen Debatten ĂŒber die Energiewende verliert, werden grundlegende Fragen der Versorgungssicherheit strĂ€flich vernachlĂ€ssigt.

Die deutschen BĂŒrger und Unternehmen haben ein Recht darauf zu erfahren, wie ihre Regierung die Gasversorgung fĂŒr die kommenden Monate sicherstellen will. Stattdessen erhalten sie Beschwichtigungen und die Auskunft, man „spekuliere nicht" ĂŒber kĂŒnftige Entwicklungen. Das ist kein verantwortungsvolles Regierungshandeln – das ist ein Offenbarungseid.

In Zeiten, in denen die geopolitischen Spannungen zunehmen und die EnergiemĂ€rkte volatil bleiben, wĂ€re eine vorausschauende, strategische Energiepolitik dringend geboten. Stattdessen erleben wir ein Ministerium, das die Augen vor unbequemen Wahrheiten verschließt und hofft, dass der Winter mild genug ausfĂ€llt, um die eigene UntĂ€tigkeit zu kaschieren. Die Zeche werden am Ende wieder die BĂŒrger zahlen mĂŒssen.

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