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07.01.2026
12:09 Uhr

Fabio De Masi zieht gegen von der Leyens Mauertaktik vor den EuropÀischen Gerichtshof

Fabio De Masi zieht gegen von der Leyens Mauertaktik vor den EuropÀischen Gerichtshof

Es ist ein Schauspiel, das man aus BrĂŒssel mittlerweile gewohnt ist: Parlamentarische Anfragen werden verschleppt, Antworten bleiben nebulös, und die KommissionsprĂ€sidentin thront ĂŒber allem wie eine absolutistische Herrscherin. Doch nun regt sich Widerstand. Der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi hat beim EuropĂ€ischen Gerichtshof Klage gegen die EU-Kommission eingereicht – und zielt damit direkt auf das Gebaren von Ursula von der Leyen.

Wenn Transparenz zur Farce verkommt

Der Kern des Streits ist so simpel wie bezeichnend: De Masi wollte wissen, welche Kontakte die KommissionsprĂ€sidentin seit Mitte 2024 zu RĂŒstungskonzernen gepflegt hat. Treffen, Telefonate, Videokonferenzen, E-Mails – alles, was man von einer demokratisch kontrollierbaren Institution erwarten dĂŒrfte. Die Anfrage stellte er im MĂ€rz 2025. Die Antwort? Kam erst im Oktober desselben Jahres. Sieben Monate fĂŒr eine Auskunft, die dann auch noch derart dĂŒrftig ausfiel, dass man sich fragt, ob in BrĂŒssel ĂŒberhaupt noch jemand das Wort "Rechenschaftspflicht" buchstabieren kann.

Was von der Leyen lieferte, liest sich wie eine Parodie auf Transparenz: Ein Verweis auf einen "strategischen Dialog mit der europĂ€ischen Verteidigungsindustrie", ein Arbeitsessen hier, abgelehnte Einladungen dort, dazu GlĂŒckwunschbotschaften und der freundliche Hinweis, man möge doch bitte selbst auf der Website der Kommission oder in sozialen Medien nachschauen. Man stelle sich vor, ein BĂŒrger wĂŒrde dem Finanzamt auf eine Steueranfrage mit dem Hinweis antworten, er habe die Unterlagen irgendwo auf Facebook gepostet.

Ludwig XIV. lĂ€sst grĂŒĂŸen

De Masis Kommentar zu diesem Vorgang ist so treffend wie vernichtend: "Frau von der Leyen hĂ€lt sich fĂŒr Ludwig XIV." Der Sonnenkönig, der einst verkĂŒndete "L'État, c'est moi" – der Staat bin ich –, hĂ€tte an der BrĂŒsseler AmtsfĂŒhrung vermutlich seine helle Freude gehabt. Denn was sich hier offenbart, ist nicht weniger als die systematische Aushöhlung parlamentarischer Kontrollrechte.

Die Klage richtet sich formal gegen die EU-Kommission als Institution, nicht gegen von der Leyen persönlich. Doch der politische Adressat ist unmissverstĂ€ndlich. De Masi beruft sich auf die in den EU-VertrĂ€gen verankerte Pflicht der Kommission, parlamentarische Anfragen vollstĂ€ndig und fristgerecht zu beantworten. Sein erklĂ€rtes Ziel: ein PrĂ€zedenzurteil, das kĂŒnftig verhindern soll, dass gewĂ€hlte Volksvertreter mit nichtssagenden Floskeln abgespeist werden.

Ein Muster der Intransparenz

Wer die Karriere von der Leyens verfolgt hat, erkennt ein bekanntes Muster. Schon als deutsche Verteidigungsministerin machte sie mit fragwĂŒrdigen BeratervertrĂ€gen und verschwundenen Handydaten von sich reden. Die SMS-AffĂ€re rund um die milliardenschweren ImpfstoffvertrĂ€ge mit Pfizer ist bis heute nicht aufgeklĂ€rt. Und nun also die RĂŒstungsindustrie – ein Bereich, in dem angesichts der geopolitischen Lage Hunderte Milliarden Euro fließen werden.

Die Reaktion der Kommission auf die Klage fĂ€llt erwartungsgemĂ€ĂŸ kĂŒhl aus. Man teile die Rechtsauffassung des KlĂ€gers "ausdrĂŒcklich nicht", es sei aber sein gutes Recht, eine Verwaltungsentscheidung gerichtlich ĂŒberprĂŒfen zu lassen. Eine Formulierung, die vor Arroganz nur so trieft.

Demokratische Kontrolle oder Papiertiger?

Die entscheidende Frage lautet: Wird der EuropÀische Gerichtshof den Mut aufbringen, der Kommission Grenzen aufzuzeigen? Oder bleibt das EU-Parlament ein zahnloser Tiger, dessen Anfragen man nach Belieben ignorieren kann? Die Antwort darauf wird zeigen, wie ernst es die europÀischen Institutionen mit demokratischen Grundprinzipien wirklich meinen.

Eines muss man De Masi zugutehalten: WĂ€hrend andere Abgeordnete sich mit der Rolle des Abnickers zufriedengeben, nutzt er die ihm zur VerfĂŒgung stehenden Mittel, um Transparenz einzufordern. Dass ausgerechnet ein Politiker des BSW – einer Partei, die von vielen Seiten kritisch beĂ€ugt wird – hier die Fahne der parlamentarischen Kontrolle hochhĂ€lt, sagt einiges ĂŒber den Zustand der etablierten Parteien aus.

Die BĂŒrger Europas haben ein Recht darauf zu erfahren, welche Interessen in BrĂŒssel vertreten werden und wer mit wem kungelt. Wenn die KommissionsprĂ€sidentin glaubt, sich dieser Rechenschaftspflicht entziehen zu können, dann ist es höchste Zeit, dass Gerichte sie eines Besseren belehren. Ob das gelingt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

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