
EZB im Zins-Dilemma: Reichen 2,5 Prozent gegen die Inflation?

Die EuropĂ€ische Zentralbank steht an diesem Donnerstag vor ihrer zweiten Zinserhöhung seit Beginn des Iran-Krieges. Die FinanzmĂ€rkte rechnen mit einem Schritt um 25 Basispunkte â der Einlagenzins stiege damit auf 2,5 Prozent, den höchsten Stand seit MĂ€rz 2025. Doch schon jetzt streiten Ăkonomen darĂŒber, ob das ĂŒberhaupt reicht.
Denn die Preise laufen davon. Im August kletterte die Teuerung im Euroraum nach vorlĂ€ufigen SchĂ€tzungen auf 3,3 Prozent â der höchste Wert seit drei Jahren. Die Energiepreise legten um gut 14 Prozent zu. In Deutschland lag die Rate bei 2,9 Prozent, Energie verteuerte sich um zehn Prozent.
Der Krieg im Nahen Osten diktiert die Geldpolitik
Die eigentliche Notenbank sitzt derzeit nicht in Frankfurt, sondern am Persischen Golf. Die Blockade der StraĂe von Hormus hĂ€lt an, nach gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran auf Tanker brach der Schiffsverkehr am Montag auf den tiefsten Stand seit Mai ein. Zuletzt passierten im Schnitt nur noch rund zehn Frachtschiffe pro Tag die Meerenge.
Entsprechend brutal reagieren die RohstoffmĂ€rkte: Brent-Ăl nĂ€hert sich wieder der Marke von 100 Dollar je Barrel, der Gaspreis sprang binnen eines Monats um gut zwanzig Prozent. Einer Expertenumfrage der Deutschen Bank zufolge halten Analysten eine Ăffnung der Meerenge zwischen Oktober und MĂ€rz fĂŒr am wahrscheinlichsten â Gewissheit ist das nicht.
Schnabel gegen den Rest: Wo liegt der neutrale Zins?
Im EZB-Rat tobt ein Grundsatzstreit ĂŒber den sogenannten neutralen Zins â jenes Niveau, das die Wirtschaft weder bremst noch antreibt. Messen lĂ€sst er sich nicht, schĂ€tzen schon. Einer Auswertung der Commerzbank zufolge verortet ihn das deutsche Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel bei drei Prozent, andere Ratsmitglieder eher zwischen zwei und 2,5 Prozent.
âBeim aktuellen Leitzins ist es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das Zielniveau zurĂŒckkehrt.â
So wird Schnabel zitiert. Ihr Argument: Der Nahost-Konflikt ziehe sich hin, die Wirtschaft im Euroraum zeige sich robust â im zweiten Quartal wuchs sie um 0,3 Prozent, die Banken vergeben weiter munter Unternehmenskredite. Nach Lehrbuch mĂŒsste das Kreditwachstum bei steigenden Zinsen lĂ€ngst bröckeln.
Die Gegenseite: Der Markt hat die Arbeit schon erledigt
Andere Ăkonomen halten dagegen. Zweitrundeneffekte â also das Durchsickern der Energiekosten in Löhne und andere Branchen â seien bislang kaum sichtbar. Unternehmen im internationalen Wettbewerb zögerten, die Kosten weiterzureichen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer liest die Szenarien der EZB so, dass sie eher fĂŒr vereinzelte Zinsschritte sprĂ€chen. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde hatte Mitte des Jahres von einer âmaĂvollen Anpassung der Politikâ gesprochen, sollte der Schock das Ziel deutlich, aber nicht dauerhaft ĂŒberschreiten.
Hinzu kommt: Seit der Juli-Sitzung stiegen die Renditen zehnjĂ€hriger europĂ€ischer Staatsanleihen laut Natixis-Chefstratege Mabrouk Chetouane um 14 Basispunkte â getrieben von realen Renditen, nicht von Inflationserwartungen. Die Finanzierungsbedingungen hĂ€tten sich also lĂ€ngst von selbst verschĂ€rft.
Was das fĂŒr Sparer bedeutet
FĂŒr die BĂŒrger bleibt eine bittere Rechnung: Selbst bei 2,5 Prozent Einlagenzins frisst eine Teuerung von 3,3 Prozent den Ertrag klassischer Sparanlagen real auf. Wer spart, verliert â das ist keine Prognose, sondern Arithmetik. Kein Wunder, dass Anleger Sachwerte suchen: Medienberichten zufolge notierte Gold zuletzt bei rund 4.300 Dollar je Unze. Physische Edelmetalle bleiben in einem solchen Umfeld eine bewĂ€hrte ErgĂ€nzung zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.









