Kettner Edelmetalle
27.02.2026
07:07 Uhr

Epstein-Skandal erreicht BrĂŒssel: 76 Rechtswissenschaftler verlangen Ermittlungen gegen Ex-EU-Kommissar Mandelson

Der Fall Jeffrey Epstein zieht immer weitere Kreise – und nun steht das Herz der europĂ€ischen BĂŒrokratie selbst im Fadenkreuz. Eine bemerkenswerte Koalition aus 76 renommierten Rechtswissenschaftlern hat EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen in einem offenen Brief aufgefordert, eine formelle Untersuchung gegen den ehemaligen EU-Handelskommissar Peter Mandelson einzuleiten. Der Vorwurf wiegt schwer: Mandelson soll wĂ€hrend seiner Amtszeit als einer der mĂ€chtigsten Handelsvertreter Europas vertrauliche Informationen an den verurteilten SexualstraftĂ€ter und Finanzvermittler Epstein weitergegeben haben.

Verhaftung in Großbritannien als Auslöser

Am 23. Februar wurde Mandelson von der britischen Polizei wegen des Verdachts der Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen an Epstein verhaftet. WÀhrend sich die britischen Medien vornehmlich auf seine spÀtere Rolle als Kabinettsminister unter Premierminister Gordon Brown konzentrieren, richten die Professoren den Blick auf einen bislang weitgehend ignorierten Zeitraum: Mandelsons vierjÀhrige Amtszeit als EU-Handelskommissar von 2004 bis 2008.

In dieser Funktion leitete der Labour-Politiker Verhandlungen von enormer wirtschaftlicher Tragweite. Die Doha-Entwicklungsrunde, das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, Handelsstreitigkeiten mit den ASEAN-Staaten – all dies waren hochsensible VorgĂ€nge, bei denen Vorabinformationen fĂŒr einen Finanzvermittler wie Epstein buchstĂ€blich Gold wert gewesen wĂ€ren. Man muss sich das einmal vergegenwĂ€rtigen: Ein Mann, der ĂŒber die Handelspositionen eines Wirtschaftsraums mit hunderten Millionen BĂŒrgern verhandelte, pflegte gleichzeitig enge Kontakte zu einem verurteilten PĂ€dophilen und Finanzjongleur.

Verbindungen ĂŒber die gesamte Amtszeit hinweg

Aus Dokumenten des US-Justizministeriums geht hervor, dass Mandelsons Verbindungen zu Epstein von 2002 bis 2011 bestanden – ein Zeitraum, der seine gesamte Amtszeit bei der EU-Kommission umfasste. Besonders brisant: Es bestehe der Verdacht, dass Mandelson Epstein im Jahr 2010 ĂŒber ein EU-Rettungspaket informiert haben könnte. Sollte sich dies bewahrheiten, wĂ€re es ein Skandal von historischem Ausmaß – nicht nur fĂŒr Großbritannien, sondern fĂŒr die gesamte EuropĂ€ische Union.

Professor Alberto Alemanno von der HEC Paris, einer der federfĂŒhrenden Unterzeichner des Briefes, brachte es auf den Punkt: Die Kommission könne nicht wegsehen, wenn glaubwĂŒrdige Bedenken hinsichtlich des möglichen Missbrauchs vertraulicher Informationen durch einen ehemaligen Kommissar aufkĂ€men. Wenn ethische Verpflichtungen nach EU-Recht etwas bedeuten sollten, mĂŒssten sie auch nach Ablauf eines Mandats durchsetzbar sein.

Die rechtliche Grundlage steht – der politische Wille fehlt

Die Rechtswissenschaftler, die dem ĂŒberparteilichen Netzwerk „The Good Lobby Profs" angehören, verweisen auf drei zentrale Rechtsgrundlagen. Artikel 245 des Vertrags ĂŒber die Arbeitsweise der EuropĂ€ischen Union verpflichte Kommissare zu IntegritĂ€t und Diskretion – auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt. Artikel 17 Absatz 3 des EU-Vertrags schreibe vor, dass Kommissare bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben völlig unabhĂ€ngig bleiben mĂŒssten. Es sei ihnen ausdrĂŒcklich untersagt, Weisungen von externen Stellen einzuholen oder entgegenzunehmen.

Doch seien wir ehrlich: Angesichts der Dichte an Lobbykonzernen in BrĂŒssel mutet diese Bestimmung geradezu naiv an. Die vergangenen Jahre haben eindrĂŒcklich gezeigt, wie durchlĂ€ssig die Mauern der EU-Institutionen fĂŒr externe Einflussnahme sind. Man denke nur an die skandalösen Impfstoffbestellungen wĂ€hrend der Covid-Pandemie – zehn Dosen pro EU-BĂŒrger, ausgehandelt in dubiosen SMS-Chats zwischen von der Leyen und Pharma-Bossen. Oder an die aktuelle, kaum hinterfragte massive Förderung des militĂ€risch-industriellen Komplexes durch dieselbe Kommission.

Von der Leyen am Zug – doch wird sie handeln?

Die Professoren betonen, dass es keine offensichtliche VerjĂ€hrungsfrist gebe, die die EU-Kommission an Ermittlungen hindern wĂŒrde. Sie fordern konkret eine umfassende ÜberprĂŒfung der veröffentlichten Epstein-Akten sowie aller Kommissionsakten im Zusammenhang mit Mandelsons AktivitĂ€ten als Handelskommissar. DarĂŒber hinaus solle die Angelegenheit an den UnabhĂ€ngigen Ethikausschuss der EuropĂ€ischen Kommission sowie an das Interinstitutionelle Gremium fĂŒr ethische Standards weitergeleitet werden. SĂ€mtliche Ermittlungen mĂŒssten mit den britischen Strafverfolgungsbehörden koordiniert werden.

Die entscheidende Frage lautet nun: Wird Ursula von der Leyen tatsĂ€chlich handeln? Die Erfahrung lehrt Skepsis. Dieselbe KommissionsprĂ€sidentin, die ihre eigenen SMS-Nachrichten mit Pfizer-Chef Albert Bourla bis heute unter Verschluss hĂ€lt, soll nun Transparenz bei einem ehemaligen Kommissar einfordern? Die Ironie könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein.

Ein Symptom eines tieferliegenden Problems

Der Fall Mandelson ist mehr als eine Einzelpersonalie. Er offenbart ein systemisches Versagen der europÀischen Institutionen bei der Kontrolle ihrer eigenen Spitzenbeamten. Wie viele weitere Verbindungen zwischen EU-EntscheidungstrÀgern und zwielichtigen Netzwerken schlummern noch in den Akten? Wie oft wurden vertrauliche Handelsinformationen, die das wirtschaftliche Schicksal von Millionen EuropÀern betreffen, an Dritte weitergegeben?

Die Wissenschaftler warnen eindringlich: UntĂ€tigkeit wĂŒrde das Risiko bergen, die bereits bestehende Reputationskrise der europĂ€ischen Institutionen weiter zu verschĂ€rfen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die GlaubwĂŒrdigkeit und demokratische LegitimitĂ€t der Kommission ohnehin unter anhaltendem Druck stĂŒnden. Recht haben sie. Denn das Vertrauen der europĂ€ischen BĂŒrger in ihre Institutionen erodiert seit Jahren – und FĂ€lle wie dieser beschleunigen den Prozess dramatisch.

Es wĂ€re an der Zeit, dass BrĂŒssel endlich beweist, dass die vielzitierten europĂ€ischen Werte mehr sind als Sonntagsreden. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die EU-Kommission sich selbst einer schonungslosen AufklĂ€rung unterzieht, dĂŒrfte etwa so hoch sein wie die Chance, dass der BrĂŒsseler Apparat freiwillig auf Macht verzichtet. NĂ€mlich verschwindend gering.

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